Dark Fortress
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Interview

Spätestens mit ihrem letzten Album "Stab Wounds" konnten DARK FORTRESS in die erste Reihe der deutschen Black Metal Bands aufsteigen. Mit ihrem neuesten Werk "Séance" ist der versierten Ausnahmegruppe gar noch eine Steigerung geglückt. Über diesen Opus sowie weitere interessante Themen gab Gitarrist V. Santura sehr ausführlich Auskunft.

Dark FortressEndres: Hallo Santura! Euch ist mit dem neuen Album „Séance“ das wohl bisher variabelste, kompositorisch vielseitigste und interessanteste Album in der bisherigen Historie von DARK FORTRESS gelungen. Hierzu erstmal meinen Glückwunsch! Wie bist Du selbst damit zufrieden? Welche Emotionen bewegen Dich, dieses Werk nun in den Händen zu halten und die vollendeten Aufnahmen zu hören?

V. Santura: Also, bis ich das fertige Werk endlich in den Händen halte, dauert es noch ein paar wenige Tage. Unsere Freiexemplare gehen an die Adresse von unserem Sänger, und da ich noch ein paar Tage in Hamburg rumhänge, kann ich höchstens am offiziellen Releasedate zum nächsten Media Markt gehen und hoffen, dass da „Séance“ schon in den Regalen steht… Trotzdem, ich bin sehr stolz und absolut zufrieden mit unserem neuen Album. Bei „Stab Wounds“ war ich mit dem Gitarrensound nie so richtig glücklich, an „Séance“ habe ich einfach nichts auszusetzen, außerdem haben wir noch nie ein so intensives Gesamtkunstwerk hingelegt. Alles passt einfach perfekt zusammen, die Lyrics, die Musik, das Artwork, einfach die gesamte Atmosphäre.

Endres: Bitte erzähle uns ein wenig über den Entstehungsprozess von „Séance“. Wie und wo entstand das Album, wie verliefen die Aufnahmen?

V. Santura: Die Hauptideen für die Songs werden zu Hause in aller Ruhe und Abgeschiedenheit erarbeitet, im Proberaum feilen wir lediglich an den letzten Arrangements. Für die Drumaufnahmen haben wir ein gutes Tonstudio in unserer Heimatstadt angemietet, den Rest haben wir mit meinem mobilen Recording Equipment und diversen Leihgaben in unserer stinkenden Gruft eingezimmert und komplett selbst produziert. Gemixt habe ich bei mir zu Hause, mittlerweile bin ich ganz gut ausgestattet und werde über kurz oder lang mein eigenes Tonstudio aufbauen. Die Aufnahmen verliefen sehr gut, aber teilweise sehr stressig, da wir den Fehler begangen haben sowohl während den Aufnahmen als auch während dem Mix jeweils zwei Gigs zu spielen, wozu einem dann einfach die Konzentration fehlt. Den Gesang im eigenen Proberaum zu produzieren hatte übrigens enorme Vorteile, da wir uns dort für die Aufnahmen das perfekte Ambiente schaffen konnten und Azathoth voll aus sich herausgehen konnte und teilweise unglaublich intensive Takes hingelegt hat.

Endres: Woher kamen die Inspirationen und Einflüsse für „Séance“? Wie entstand die Idee zu „Séance“?

V. Santura: „Séance“ wurde maßgeblich von persönlichen spirituellen Erfahrungen von Azathoth inspiriert, die er in dem Textkonzept verarbeitet. Die in den Texten transportierten Stimmungen waren wiederum eine der Hauptinspirationsquellen für die Musik.

Endres: Handelt es sich hierbei eigentlich um ein Konzeptalbum als solches? Zumindest ein gewisses Horror-Feeling zieht sich ja wie ein roter Faden durch sämtliche Songs.

V. Santura: Ja, ich denke schon, dass man „Séance“ als ein Konzeptalbum bezeichnen könnte, da sich sämtliche Texte um ein einziges Themengebiet drehen. Der Titel „Séance“ beschreibt eigentlich recht treffend, um was es bei dem Album geht, nämlich um Erfahrungen mit paranormalen Existenzen. Die Texte sind allesamt aus der Perspektive einer paranormalen Existenz geschrieben. Einige Texte beschreiben gewissermaßen „horrorartige“ Erfahrungen, wobei es dabei nicht unbedingt um rein fiktiven, sondern um tatsächlichen Horror geht, weshalb das Album stimmungsmäßig teilweise ganz schön heftig ist, wenn man sich darauf einlassen will.

Endres: Bitte versuche, die Musik auf dem neuesten Album mit euren vorherigen Werken zu vergleichen.

V. Santura: Ich denke, dass „Séance“ einfacher und komplexer zugleich ist als unsere Vorgängerwerke. Auf den ersten Blick wirkt „Séance“ vielleicht sperriger, die Songs sind jedoch eigentlich sehr klar aufgebaut, aber sehr tiefgründig, was sich einem aber nicht schon nach nur einmal Hören erschließen kann. „Séance“ ist eigenständiger und origineller, nicht weil wir auf Teufel komm raus unbedingt neue und / oder unkonventionelle Elemente benutzten, sondern da wir mittlerweile unseren eigenen unverwechselbaren Stil gefunden haben und eventuelle unkonventionelle Bestandteile einfach auf natürliche Art und Weise in unsere Musik integriert haben.

Endres: Wie kam es denn zum Deal mit Century Media?

V. Santura: Zunächst wollten wir aus unserem alten Deal raus, damals hatten wir noch nicht damit gerechnet bei Century Media unterzukommen. Als wir endlich wieder Vertragsfrei waren, nahmen wir mit einigen wenigen Plattenfirmen Kontakt auf. Philipp von Imperium Records, der ja unser letztes Album „Stab Wounds“ auf Do LP veröffentlicht hat, arbeitet ja hauptberuflich bei Century Media und über ihn kam der Kontakt zu Stande. Letztendlich haben noch einige weitere namhafte Leute und Bands mehrere gute Worte für uns eingelegt und somit haben wir, aber auch dank unseres starken letzten Albums „Stab Wounds“, Century Media überzeugen können.

Endres: Worin siehst Du die Grenzen des Black Metals. Oder anders gefragt, legt Ihr Euch selbst Grenzen in irgendeiner Form auf?

V. Santura: Heutzutage sind die Grenzen des Black Metals eigentlich zu eng und zu eingefahren. Es ist wichtig diesem Musikstil frisches Blut zu verleihen und eigene, individuelle Wege zu gehen, was bis zu einem gewissen Grad unser Anspruch ist. Ich finde es absolut ok, wenn auch neuere Bands reinen old school Black Metal spielen, aber dieses ganze Gelaber, was „true“ oder „untrue“ ist, ist einfach lächerlich. Musik ist zu einem großen Teil Selbstverwirklichung, und somit darf man sich nicht irgendwelchen Zwängen unterwerfen, sonst verliert man seine Authentizität. Black Metal ist ursprünglich eine unglaublich radikale, mit Grenzen und Konventionen brechende Musik, und auf diese Wurzeln sollte sich die „Szene“ mal zurückbesinnen.

Endres: Werden DARK FORTRESS irgendwann mal einen Song in Deutsch veröffentlichen?

V. Santura: Nein, die deutsche Sprache klingt zwar sehr hart, was im Metal durchaus funktionieren kann, aber gekreischt oder geschrieen finde ich den Klang der deutschen Sprache meistens einfach furchtbar und somit wird es aus ästhetischen Gründen niemals deutsche Lyrics bei DARK FORTRESS geben. Einfach eine persönliche Geschmackssache.

Endres: Für „Stab Wounds“ wurden von KATATONIA „Endtime“ und von EMPEROR „I Am The Black Wizards“ gecovert. Welche Bedeutung haben diese Songs für Dich? Wie findest Du die aktuelleren Werke von KATATONIA und was hälst Du von der aktuellen EMPEROR Reunion?

V. Santura: Diese Werke bedeuten uns eine Menge, vor allem „I Am The Black Wizards“ ist eine der unumstrittenen Hymnen des Genres. Ich selbst war kein großer Fan von den „alten“ KATATONIA, aber Azathoth, Asvargr und Paymon. Aber „Endtime“ zu covern war einfach eine Herausforderung. „Endtime“ hat eine sehr eindringliche Stimmung und diese wollten wir in unseren Sound hinübertransportieren. Ehrlich gesagt gefallen mir die aktuelleren Werke von KATATONIA besser, „Tonight’s Decision“ hat mich damals wirklich tief berührt, wobei ich die Band dann einige Zeit aus den Augen verloren habe, da mir „Last Fair Deal Gone Down“ zunächst überhaupt nicht gefallen hat. Mittlerweile finde ich dieses Album aber große Klasse, weshalb ich mich wohl auch mal mit „Viva Emptiness“ beschäftigen muss…

Die Reunion von EMPEROR sehe ich mit gemischten Gefühlen, schon deshalb weil ich deswegen wohl 850 Kilometer nach Wacken gurken muss… Tja, irgendwie muss ich mir EMPEROR natürlich ansehen, ich hoffe nur, dass ich mir dadurch nicht das Bild, das ich von EMPEROR noch in meinem Kopf habe, nämlich dass sie auch live die beste Black Metal Band ever waren, zerstöre.

Endres: Wie beurteilst Du im Nachhinein „Stab Wounds“?

V. Santura: Ich liebe „Stab Wounds“ nach wie vor und möchte kompositorisch keine Note daran ändern, lediglich hätte ich gerne den Sound von „Séance“ dafür, dann wäre das Album noch besser… Wir haben damals qualitativ einen riesigen Sprung gemacht, ich denke aber auch das „Séance“ nochmals ein fast ebenso großer Schritt nach vorne ist.

Endres: DARK FORTRESS existieren ja bereits seit 1994. Wie denkst Du haben sich eure Persönlichkeiten, die Musik und die Szene um euch herum verändert?

V. Santura: Als DARK FORTRESS gegründet wurden, waren sämtliche Mitglieder Teenager, zwar mit viel Enthusiasmus, weshalb viele Leute von den guten alten Zeiten labern, aber ebenso unreif. Wir sind mittlerweile eine erwachsene Band, zumindest musikalisch, auch wenn wir uns Bandintern nach wie vor meistens aufführen als wären wir die totalen Idioten, haha. DARK FORTRESS sind musikalisch im Jahre 2006 kaum noch mit DARK FORTRESS 1994 zu vergleichen, schon deshalb, da mit Azathoth und Asvargr nur noch zwei Urmitglieder dabei sind und sich der ganze Prozess des Songwritings und die Ansprüche stark verändert haben. Ich weiß nicht, ob die Szene damals besser oder schlechter war, jedenfalls war die Szene damals noch weitgehend frei von politischen Blindgängern (oder ich erinnere mich einfach falsch), und einfach frisch und enthusiastischer, da damals etwas Neues am entstehen war. Wie bereits gesagt, vieles ist mir mittlerweile einfach zu engstirnig und zu eingefahren, weshalb ich mich auch nicht mehr so sehr für die Szene interessiere. Andererseits gibt es in Deutschland heutzutage einfach aber auch ein paar hochklassige Bands im Gegensatz zu früher, was ich sehr positiv finde.

Endres: Wie siehst Du das Problem mit NSBM und die Verflechtungen zur rechtsradikalen Szene, welche zum Teil innerhalb der Black Metal Szene existieren?

V. Santura: „NSBM“ ist einer der schlechtesten Witze überhaupt. Als ich den Begriff zum ersten mal gelesen habe, habe ich meinen Augen kaum getraut. Was für ein Bullshit! Wie kann man nur so bescheuert sein, Black Metal und dieses Nazi-„Gedankengut“ in einen Topf zu werfen? Black Metal steht für Individualismus und persönliche Freiheit, Faschismus steht absolut im Widerspruch dazu.

Ich bin wirklich nicht dafür, dass man die ganze Sache einfach so hinnimmt und ignoriert, allerdings stört mich, dass NSBM in der Presse so aufgebauscht wurde / wird. Damit erreichen diese Idioten doch genau das, was sie eigentlich wollen, nämlich Aufmerksamkeit. Mit Blasphemie und Satanismus kann man heute keinen mehr schocken, also versucht man sich an den letzten übrig gebliebenen Tabus, um Aufmerksamkeit zu erlangen, wenn man es auf musikalischem Wege nicht schafft.

Endres: Schönes Statement! Wie sieht es denn mit Live-Auftritten aus? Ist eine Tour geplant? Kommt ihr vielleicht auch mal wieder auf das Summer Breeze Open Air?

V. Santura: Oh ja, Summer Breeze wäre geil, der Auftritt dort 2004 war der Hammer für uns. Feststeht noch nichts. Ich hoffe, dass wir in den nächsten paar Tagen definitiv eine ca. zweiwöchige Europatour bestätigen können.

Endres: Was sind die nächsten Ziele?

V. Santura: Eine Europatour spielen…

Endres: Was bedeutet Metal für Dich?

V. Santura: Nach wie vor meine Lieblingsmusik, auch wenn ich mittlerweile auch andere Dinge höre. Trotzdem, Metal will never die! (Oh Mann, wie pathetisch, sorry…)

Endres: Vielen Dank für das Interview! Die letzten Worte gehören Dir!

V. Santura: Ich danke Dir für das Interview. Keine letzten Worte, die wenigsten Bands haben da was Vernünftiges zu sagen, wir sind so ehrlich und geben das wenigstens zu! Hail und kill!

Galerie mit 14 Bildern: Dark Fortress - Wave Gotik Treffen 2016
24.01.2006

Geschäftsführender Redakteur (Konzertakkreditierungen, News, Test Audioprodukte)

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