Devin Townsend
Said But True: "Heavy Metal ist mir egal!"

Interview

Devin Townsend

Wie sieht der perfekte Backstage aus?

Es sollte eine Internetverbindung anliegen und im Raum sollte es ruhig sein. Etwas Wasser wäre auch schön. Ansonsten bin ich da nicht anspruchsvoll. Letztens in Österreich hatte ich vom Backstage aus einen wunderbaren Blick auf die gewaltigen Berge dort. So etwas ist dann natürlich auch nett.

Welche Rituale pflegst du vor der Show?

Ich wärme mich ungefähr eine Stunde lang mit Gesangsübungen auf und schlüpfe anschließend in meinen Anzug. Das war’s. Mehr passiert da nicht.

Wann und wo hast du zuletzt eine rauschende Backstage-Party gefeiert?

Trinken und feiern sind nichts für mich. Es sind Dinge, die mir völlig egal sind, nach denen ich kein Verlangen habe. Ich habe andere Ziele im Leben. Natürlich bin ich von Leuten umgeben, die gern auch mal etwas trinken oder feiern. Aber wenn nach einer Show irgendwo eine Party stattfindet, dann verziehe ich mich meist. Es ist absolut ok, auf eine Party zu gehen. Aber ich habe persönlich einfach kein Interesse daran. Da bin ich sehr langweilig, sorry. Letztens hat sich unser Basser fürchterlich betrunken. Er sprach dann von Pimmeln und Titten und solchen Sachen. Ich weiß nicht, als Teenager fand ich sowas vielleicht noch cool. Aber heute macht es mich manchmal nachdenklich, wenn ich in eine Venue oder einen Backstage komme und dort Menschen zwischen unzähligen Schnapsflaschen sehe. Ich weiß nicht.

Welche Show hast du am weitesten entfernt von deiner Heimat gespielt?

Ich habe in der Vergangenheit einige entlegene Orte der Welt gesehen. Wir haben mehrmals in Australien gespielt, das ist ziemlich weit weg von Kanada. Indien auch. Ich lege allerdings auch mehr Wert auf die Sache an sich als auf die Statistik. Ich habe jetzt 30 Alben veröffentlicht und bin 25 Jahre auf Tour gewesen. Aber ich sehe mich nicht als Trophäenjäger. Andere Bands mögen unfassbar stolz darauf sein, dass sie in Japan oder in möglichst vielen Ländern gespielt haben. Mir geht es aber vordergründig darum, Musik zu schreiben und nicht darum, auf den größten Bühnen gestanden zu haben. Zudem habe ich ein wirklich schlechtes Gedächtnis. Manchmal kann ich mich an die Show der vergangenen Nacht kaum noch erinnern, haha.

Musstest du jemals aus gesundheitlichen Gründen eine Show absagen?

Nein, noch nie. Ich war mehrmals so krank, dass ich das Konzert lieber abgesagt hätte. Habe ich aber nicht, haha.

Wie viele Stunden Schlaf bekommst du im Durchschnitt auf Tour?

Ich denke letztlich zwischen drei und fünf Stunden. Einmal aller drei Wochen schaffe ich vielleicht auch mal zehn. Generell habe ich auf Tour aber oft Schwierigkeiten, zur Ruhe zu kommen. Ich bin 42 Jahre alt und habe eine rastlose Seele, weißt du? Haha.

Auf welche landestypischen Dinge freust du dich im Vorfeld einer Tour?

Keine Ahnung. Ehrlich gesagt mag ich es ohnehin nicht sonderlich, auf Reisen zu sein. Aber ich muss es tun, um das zu tun, was ich tun will und tun muss. Ich weiß nicht. Ich war bestimmt 20 Mal in Paris, bevor ich den Eiffelturm zum ersten Mal gesehen habe. Und dann war er irgendwie auch kleiner als erwartet. Verstehe mich nicht falsch, es ist nicht so, als ob mir das alles total egal wäre. Aber wenn es um mich und meine Musik geht, bin ich sehr engstirnig und konzentriere mich auf das Wesentliche. Zudem haben sich die verschiedenen Länder im Laufe der Zeit auch immer weiter angeglichen. Als ich vor 25 Jahren in Japan war oder 1992 das erste Mal in Deutschland, da waren diese Länder noch völlig andere Welten für mich. Heute gibt es überall denselben Scheiß, dieselben Autos, dasselbe Essen. Nein, ernsthaft – ich bin am liebsten zu Hause und arbeite in Ruhe an meinen Projekten. Das ist es, was ich an meinem Job liebe. Aber mein Job verwirrt mich auch. Und mit Sicherheit verwirre ich auch viele anderen Menschen.

Wie meinst du das?

Wahrscheinlich bin ich vor allem selbst verwirrt. Es ist wirklich interessant, in mich hineinzuhorchen und diesen Prozess zu verfolgen. Ein paar Typen, mit denen ich letztens in einem Abteil saß, haben mich angestarrt als wäre ich eine exotische Frucht oder so etwas. Und ich fragte mich, warum. Und klar, ich verstecke mich nicht. Ich definiere mich durch meine Musik und das Arschloch, das ich auf der Bühne bin. Und die humoristischen Elemente der Show. Mich selbst langweilt das aber. Es ist einfach nur verdammt langweilig. Nicht für die Leute, aber für mich. Das ist das Problem, wenn du keinen Alkohol trinkst und keine Drogen nimmst. Du musst geduldig sein. Das ist der kanadische Part dabei, haha. In Kanada lernst du, geduldig zu sein. Wie auch immer, ich bin verwirrt und verunsichert, was meine Rolle angeht. Die Leute erzählen mir was von Heavy Metal. Aber mir ist Heavy Metal egal. Allerdings mag ich, wie er bestimmte Emotionen ausdrückt. Das können andere Stile nicht. Naja, aber am Ende muss ich auf meine Musik schauen und zusehen, dass ich kreativ bin. Und da ist das ganze Theater eher hinderlich. Aber gut, du merkst, ich bin verwirrt. Denn ich rede wirres Zeug.

Nein, also…

Nächste Frage! Meine Lieblingsfarbe ist Blau! Haha!

Daneben, haha. Die Frage lautet: Wurdest du schon einmal verwechselt?

Ja. Ich wurde schon einmal für eine jüngere Version von mir selbst gehalten.

Haha, ok. Wurdest du schon einmal richtig verarscht?

Natürlich. Als Musiker gerätst du immer mal wieder in solche Situationen. Du musst das dann abhaken und einfach weitermachen. Du musst immer vorsichtig sein. Wenn dir jemand schnelles Geld und den großen Erfolg verspricht, ist meistens etwas faul. Ich kann mich aber an keinen konkreten Fall erinnern, in dem mir das in den vergangenen Jahren passiert ist.

Devin Townsend

Hattest du schon einmal Probleme mit dem Gesetz?

Nein, nicht wirklich. Ich schätze, ich habe es diesbezüglich geschafft, mein Leben in angemessene Bahnen zu lenken.

Wann warst du zuletzt richtig wütend auf jemanden?

Ich habe ein recht aufbrausendes Gemüt und werde schnell ungehalten. Über Dinge, die passieren, aber natürlich hin und wieder auch über andere Menschen. In jüngeren Jahren habe ich meinen Ärger auch rausgelassen. Aber irgendwann habe ich gelernt, mir die Dinge nicht so zu Herzen zu nehmen. Diese negative Energie belastet dich nur. Also versuche ich, entweder solche Situationen zu meiden – oder einfach weiterzugehen. Es bringt einfach nichts, sich aufzuregen.

Was war das Inspirierendste jenseits von Musik, das zu zuletzt gesehen hast?

Irgendwo habe ich letztens ein koreanisches Gedicht gefunden. Es waren nur eine Handvoll Worte, die einfach aus ein paar Pinselstrichen entstanden sind, aber gleichzeitig so viel aussagen. Das fasziniert mich. Mit sehr wenig sehr viel aussagen – zumal ich selbst damit große Probleme habe, haha.

Was würde man am wenigsten von dir erwarten?

Vielleicht, dass ich kein kompletter Vollidiot bin? Haha!

Fotos: http://www.hevydevy.com/

Galerie mit 26 Bildern: Devin Townsend - Empath Europe - Volume 1 Tour 2019
15.04.2015

"Am Ende isses immer Arbeit."

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