Final Breath
Heiko Krumpholz spricht zum aktuellen Album "Mind Explosion"

Interview

„Welcome to Death/Thrash Chaos!“ Besser kann man die Musik der deutschen Newcomer von Final Breath wirklich nicht beschreiben, zumal diese Einladung beileibe keine leere Versprechung ist. Untergekommen sind sie direkt beim Branchenreisen Nuclear Blast, was die Weichen für die Zukunft noch einen Tick mehr in Richtung Erfolg stellt. Wie es dazu kam, was bisher so passierte, was man sich für die Zukunft vorstellt und was sonst noch so im Hause des „letzten Atemzugs“ los ist, konnte ich in einem netten Telefongespräch Drummer Heiko Krumpholz entlocken.

Final Breath

Lass uns mal ganz vorne anfangen. Wie kam es zu Final Breath und was hat sich getan bis zur Veröffentlichung eures aktuellen Albums „Mind Explosion“?

Veröffentlichungstechnisch dürfte ja bekannt sein, was sich in den letzten Jahren so getan hat. Besetzungstechnisch hat sich natürlich auch immer etwas getan. Ursprünglich haben wir zu viert so aus einer Bierlaune heraus angfangen, weil wir dachten, wir müssten auch mal unseren Beitrag zu der ganzen Szene leisten, anstatt immer nur rumzumeckern. Das war 1993. Spielen konnte eigentlich keiner von uns. Einen Proberaum konnten wir in einem Jugendzentrum bei uns in der Nähe beziehen. Am Anfang haben wir nur versucht, Songs zu covern, wobei man mehr als versuchen dazu auch nicht sagen kann. Als wir uns einigermaßen eingearbeitet hatten, haben wir 1995 ein Demo namens „Soulchange“ rausgebracht. Wirklich gut war das auch nocht nicht, aber immerhin gab es uns den Ansporn, mehr aus der ganzen Sache machen zu wollen. Zwei Jahre später haben wir dann die Mini-CD „End Of It All“ in einem etwas besseren Studio eingespielt, mit der wir auch schon recht gute Resultate in der Presse erzielen konnten. Ein Label konnten wir damit leider noch nicht finden. Also haben wir beim nächsten Album ein paar Mark mehr draufgelegt und sind zu Andy Classen ins Stage One-Studio gegangen, weil allein dieser Name ja schon einiges hermacht. Dort ist dann „Flash-Burnt Crucifixes“ entstanden. Als Label konnten wir damit Gutter Records für uns gewinnen. Dort wollten wir aber nach kurzer Zeit wieder weg, weil wir einfach weiter kommen wollten. In einem Interview hatte ich dann mal erwähnt, dass wir gerade wieder auf Labelsuche sind und neue Stücke aufnehmen. Daraufhin hat sich Andy Siry bei uns gemeldet. Sobald wir also Songs im Kasten hatten, habe ich sie ihm geschickt und sie sind auf Gefallen gestoßen. Er wollte das bei Nuclear Blast vorstellen, wobei wir uns aber nicht zu viele Hoffnungen machen sollten. Tja, und ein paar Wochen später haben wir dann einen Vertrag angeboten bekommen.

Aber habt ihr keine Angst, als etwas kleineres Pferd im Nuclear Blast-Stall ein wenig unter zu gehen? Vielleicht könnte da ein kleineres Label, das sich voll auf euch konzentriert, ein bißchen mehr rausreißen.

Dieser Denkansatz ist mit Sicherheit richtig. Andererseits hat aber eine CD, die auf einem größeren Label wie Blast rauskommt, schonmal einen guten Namen. Das ist so eine Art Gütesiegel, denn die Leute wissen, dass z.B. schon mal die Produktion vernünftig klingt. Man muss aber auch dazu sagen, dass für uns Alternativen gar nicht so zahlreich vorhanden waren. Im Moment ist es allgemein ziemlich schwer, überhaupt etwas zu finden. Wir hatten zwar noch ein Angebot von einem kleineren Label. Dort hätte unsere CD aber erst frühestens Mitte oder Ende nächsten Jahres veröffentlicht werden können. So nehmen wir als kleinere Band auf diesem Label die uns gegebene Chance wahr und versuchen, unseren Status sowohl innerhalb als auch außerhalb der Plattenfirma auszubauen.

Um das zu erreichen, ist eine Präsenz auf den Bühnen dieses Landes ohne Zweifel Pflicht. Was ist denn da bisher so geplant?

Konkretes gibt es da momentan noch nicht zu vermelden. Vielleicht gibt es in naher Zukunft eine kleine Tour mit einer anderen eher unbekannten Band durch Deutschland. Natürlich wäre es auch klasse, wenn wir irgendwo als Supportact unterkommen könnten. Was Festivals angeht, sind wir für das nächste Summer Breeze bestätigt. Für das Party.San schaut es auch recht gut aus. Ob wir bei den größeren Sachen wie Wacken eine Chance bekommen, kann ich jetzt noch nicht sagen. Ich hoffe, dass da noch einiges zusammenkommen wird.

Kommen wir mal auf euer Album zu sprechen. Warum heißt es „Mind Explosion“? Bei dieser Anzahl der zum Bangen animierenden Riffs wäre doch „Head Explosion“ angebrachter gewesen, oder?

(lacht) Das ist eine gute Frage. „Mind Explosion“ heißt ja auch der erste Song des Albums. Das hat uns gefallen. Also haben wir gleich die ganze CD so genannt. Im Text geht es um Beeinflussungen von außen, wie z.B. durch Religionen, Regierungen oder einfache Sitten, die einen im freien Denken einschränken. Wenn das Überhand nimmt, läuft man nunmal Gefahr durchzudrehen und eine „Mind Explosion“ zu erleben.

Neben euren schnellen Knüppelparts habt ihr auch viele eingängige Momente (siehe „To Live Is To Die“) mit auf die CD gepackt. Wo wird da die Entwicklung hingehen? Mehr in Richtung Härte oder mehr in Richtung Eingängigkeit?

Mich da jetzt konkret festzulegen, fällt mir schwer. Dass aber „To Live Is To Die“ eine Tendenz für unsere Entwicklung ist, möchte ich nicht behaupten. Ich denke schon, dass auch in Zukunft unsere thrashige Seite, sprich die schnellen Songs, dominieren wird. Natürlich werden wir aber auch weiterhin probieren, eingängige Melodien in die Songs mit einzubauen. Aber einen wirklichen Trend hin zu einer der beiden Seiten wird es eher nicht geben.

Nimmt man eure Musik als Grundlage, muss man annehmen, dass ihr alle eher aus dem traditionellen Lager kommt. Gibt es neue Sounds/Entwicklungen, denen ihr etwas abgewinnen könnt oder schwört ihr beinhart auf alte Slayer und Konsorten?

Dass ich modernen Sounds nichts abgewinnen kann, möchte ich jetzt nicht grundsätzlich sagen. Aber im Prinzip muss man doch sagen, dass alles mal irgendwo angefangen hat. Es gab auch Zeiten, in denen Death Metal noch Trend war. Sicher gibt es modernere Sachen, die ich irgendeiner Form gut finde und schätze. Aber der Fokus liegt hier ganz klar auf der klassischen Schiene. Inwieweit wir in Zukunft modernere Elemente in unsere Songs einfließen lassen, weiß ich nicht. In erster Linie wollen wir uns technisch verbessern, womit wir bis zur nächsten CD auch noch gut zu tun haben werden. Deswegen werden Experimente auch erstmal außen vor gelassen. Unser Material bleibt also traditoneller ausgerichtet.

Also kannst du es ausschließen, dass du irgendwann mal ein Slipknot-Riff hörst und sagst: „Verdammt, das klingt geil. Sowas müssen wir auch mal in unsere Songs einbauen!“?

Wenn diese Situation der Fall wäre, würde ich darin kein Problem sehen. Man kann ein moderner angehauchtes Stück durchaus so arrangieren, dass es nicht so übertrieben modern klingt. Nimm z.B. mal bei „Mind Explosion“ das Riff während des Chorus. So typisch old-school ist das gar nicht. Mit einem anderen Schlagzeugspiel und einer anderen Produktion, könnte man solch ein Riff auch ohne Probleme bei einer New Metal-Band finden. Ich möchte mich da wirklich nicht festlegen, denn gute Riffs und gute Ideen gibt es überall.

Wie sieht es denn deiner Meinung nach um den deutschen Underground aus, dem ihr ja gerade erst frisch entsprungen seid? Nimm doch z.B. mal das Summer Breeze und dessen Headliner. Samael, Paradise Lost, das sind alles etablierte Bands. Von unten kommt da nicht viel nach, oder?

Hmm…würde ich nicht sagen. Ektomorf haben z.B. ziemlich weit oben im Billing gespielt, auch wenn das jetzt keine Deutschen sind. Die sind auch von unten hoch gekommen.

Ok, aber gerade bei dieser Band hat auch der nicht unerhebliche Silverdust Records-Bonus mitgespielt, da dieses Label einer der Sponsoren des Festivals war.

Gut, da hast du auch wieder recht, da dieser Silverdust-Bonus auf dem Festival kaum zu verleugnen war. Aber so etwas ist im Prinzip natürlich. Nimm jedoch mal z.B. Burden Of Grief oder Mourning Caress. Diese Bands sind nicht bei Silverdust, haben aber trotzdem eine Chance bekommen. Ich denke schon, dass es im deutschen Underground einige gute, hoffnungsvolle Bands gibt, die auch oft die Chance bekommen, irgendwo Gigs zu spielen. Aber es ist natürlich auch sehr schwierig, auf großen Festivals kleine Bands unterzubringen. Dazu muß eine Gruppe erstmal den Sprung von Undergroundfestivals zu ebendiesen großen Events schaffen. Das erfolgt halt leider meistens erst dann, wenn man schon einen etwas größeren Namen hat und nicht mehr so tief im Underground drinsteckt. Hier stellt sich aber einmal mehr die Frage, wie tief man überhaupt den Underground definiert. Gehen wir jetzt mal nur von Demobands, so blöd das auch klingt, aus, gibt es da schon einige gute, von denen es auch die eine andere immer wieder nach oben schaffen wird.

Stimmt. Bestes Beispiel dafür seid im Prinzip ihr. Einmal mit dem richtigen Tape zur rechten Zeit am rechten Ort und die Sache passt.

Naja, so richtig gegessen ist die Sache bei uns ja auch noch nicht. Auf unserer CD steht jetzt zwar Nuclear Blast drauf, aber ob die Leute deswegen auch alle unser Produkt kaufen, bleibt abzuwarten. Dazu müssen wir die ganze Zeit am Ball bleiben.

Wir hatten gerade schon das Thema Festivals angesprochen. Hast du den Stress nach dem diesjährigen Wacken Open Air mitbekommen? Warst du selbst vor Ort? Was hälst du von der ganzen Geschichte? Gerade wenn man mal den Vergleich zum, wie ich finde, äußerst gelungenen Summer Breeze heranzieht.

In Wacken war ich dieses Jahr leider nicht, habe aber natürlich viel drüber gelesen. Zwischen dem Summer Breeze und Wacken gibt es einen großen Unterschied. Das SB befindet sich im Aufbau, wohingegen sich das W:O:A auf seinen Lorbeeren ausruht. Trotzdem sehe ich aber nicht jeden beim Wacken angeprangerten Kritikpunkt so tragisch, wie es in der Presse teilweise dargestellt wird. Die Bierpreise und das Campingticket für 20 Euro sind natürlich überzogen, gar keine Frage. Da trifft dann auch das Motto „von Fans für Fans“ nicht mehr ganz so zu, was bei der mittlerweile erreichten Größenordnung des W:O:A sowieso nur noch schwer haltbar ist. An diesem Event hängen Existenzen, eine Firma, die das alles aufzieht. Das muss man bei aller Kritik auch mal betrachten. Trotzdem finde ich den Schritt der Rock Hard, sich ab sofort zurückzuziehen, nicht schlecht, auch wenn das für die natürlich wieder eine Art der Promotion ist. Dieser Schritt ist jedoch richtig, um einmal darauf aufmerksam zu machen, dass es Wacken nicht so ergehen soll, wie es anderen Großveranstaltungen ergangen ist.

Kommen wir noch einmal zu einem Thema, an dem man in den letzten Wochen in Deutschland nicht vorbeigekommen ist, zur Politik. Könntet ihr euch vorstellen, als Band einmal irgendwie politisch aktiv zu werden, sei es in Form irgendwelcher Aktionen oder einfach nur durch das Schreiben eines politischen Songs? Oder seid ihr der Meinung, dass sich die Musik vollkommen aus der Politik raushalten sollte?

Vorrangig sollten wir uns als Band aus der Politik raushalten. In dieser Richtung in irgendeiner Form aktiv zu werden kann ich mir jetzt für meinen Teil nicht vorstellen. Das liegt jetzt nicht an vorhandenem Desinteresse oder Meinungslosigkeit, aber um Dinge mit einem Song o.ä. öffentlich angreifen zu können, bin nicht tief genug in der Materie drin. Wir als Band wollen mit der Musik an sich etwas aussagen und keine politischen Botschaften vermitteln. Grundsätzlich schließe ich es nicht aus, dass gewisse Künstler sich auf diesem Gebiet engagieren können und auch Leute zum Nachdenken bewegen können. Wir sollten das jedoch nicht anstreben.

Galerie mit 17 Bildern: Final Breath - Thrash Alliance Tour 2020 in Mannheim
26.09.2002

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