Funeral Procession
Funeral Procession

Interview

FUNERAL PROCESSION sind seit zehn Jahren eine Konstante im deutschen Black Metal-Untergrund und haben mit "The Red Vine Litanies" eine stil- und kraftvolle Mini-CD nach dem vor zwei Jahre erschienenem Debüt herausgebracht. Es war also an der Zeit, den Grafen Gothmog um Audienz zu bitten und genauer auf den Zahn zu fühlen, was seine Ansichten zu Inspirationen, Einflüsse, den Leitfaden "Total Black Metal", die Black Metal-"Szene" im Allgemeinen sowie bandinterne Entwicklungen und Visionen sind. Heraus kam ein sehr offenes und reflektiertes Interview, was dem Leser dennoch genug Denkanstöße und Freiräume zur Eigeninterpretation bietet.

Funeral ProcessionAve. Zu allererst, wie geht es dem Grafen nach zwei Jahren öffentlicher Abstinenz und was hat sich seitdem in eurem Lager getan?

Öffentliche Abstinenz würde ich das persönlich nicht nennen, wir haben im letzten Jahr ja mehrfach live gespielt, in Deutschland, den Niederlanden und der Tschechischen Republik. Ansonsten waren wir ja noch nie die öffentlichkeitswirksamste Band. Alles geht dennoch seinen – manchmal schnelleren, manchmal langsameren, aber jederzeit steten – Gang. Von daher passt das alles schon.

Vor zwei Jahren ist nach endloser Odyssee endlich euer Debüt herausgekommen. Nun steht eure MCD „The Red Vine Litanies“ in den Startlöchern. Soviel der Titel verrät, geht es um die Preisung des edlen, roten Getränks. Kannst du uns mehr zu diesem Konzept und deren Texte verraten?

Ich lehne es eigentlich ab, meine Texte selber zu interpretieren, dafür sind sie ja schließlich auch meistens abgedruckt und auch in diesem Fall wird es hier keine zeilengetreue Erläuterung geben, aber in aller Kürze soviel: Es geht nicht nur um die Preisung des Getränkes an sich, sondern vor allen Dingen um den Geist, der dem Weine innewohnt und dessen Einfluss auf den Geist und die Instinkte des Menschen.

Siehst du Rotwein in dem Sinne als Inspirationsquelle oder woher kommt die Idee, darüber eine Konzept-MCD, wenn ich es mal so nennen darf, zu komponieren?

Generell gilt: Alles kann inspirierend wirken, denn ich bin ein Mensch, der mit offenen Augen durch die Welt geht, allerdings ist es oftmals so, dass Text und Musik aus mir heraus entstehen. Ich genieße ab und an auch gerne ein Glas trockenen Rotweins, für die MCD selber waren u. a. die mythischen wie auch literarischen Konnotationen zum Rotwein und dem Geist im Weine, auf die man stößt und auf die es auch Anspielungen im Text gibt, wichtiger als der profane Konsum als solches. Rotwein ist eben weit mehr als nur ein alkoholisches Getränk unter vielen. Und das Konzept, das der MCD zugrunde liegt, hat sich auch stetig bis zum Zeitpunkt der endgültigen Fertigstellung entwickelt, auch wenn die grundsätzliche Idee und der Titel als erstes standen.

In einem anderen Interview hast du geäußert, dass Literatur für dich viel wichtiger sei als neuzeitliche Unterhaltungsmedien. Bei dem Titel „The Red Vine Litanies“ dachte ich sofort: „Les Litanies de Satan“ von Charles Baudelaire mit vergorenem Traubensaft als Haupt“akteur“. Gehe ich anhand des Titels schon in die richtige Richtung oder hatte bei der Entwicklung zu „The Red Vine Litanies“ kein literarischer Erguss Einfluss auf deine Arbeit?

Grundsätzlich hatte für die Mini kein literarisches Werk direkt großen Einfluss auf die Arbeit, wenngleich es schon Ansatzpunkte gibt, auf die man bei genauer Betrachtung des Textes auch kommt. Charles Baudelaire (aber nicht „Les Litanies …“) oder die biblischen Apokryphen wären zum Beispiel zwei der offensichtlicheren literarischen Einflüsse. Die Elemente wurden allerdings von mir eher verwertet (teilweise auch unbewusst), und auch ihrem Kontext entnommen, um im neuen Kontext zu bestehen.

Während andere Bands Psychopharmaka oder andere chemische Substanzen anpreisen: inwiefern hat Rotwein einen Einfluss auf deine Musik und die Texte?

Ich benötige nicht, wie z.B. ein anderer von mir hoch geschätzter Musiker, der einst sagte, dass er Rotwein zum Leben bräuchte wie ein Auto Benzin, Rotwein als generellen Einfluss, um überhaupt zu funktionieren. Daher gilt eher, dass es passieren kann, dass Musik oder Texte entstehen, während ich oder nachdem ich Rotwein getrunken habe und dann hat Rotwein vermutlich – beweisen kann ich es ja nicht – auch einen Einfluss, aber überbewerten sollte man das nicht. Ich benötige keine Substanzen um inspiriert zu werden, aber es kann passieren, dass ich unter ihrem Einfluss inspiriert werde.

Was hältst du eigentlich davon, wenn Bands ihre politischen Gesinnungen, ihren Drogenkonsum wie oben angesprochen oder ihr suizidverherrlichendes Gehabe mit in die Musik bringen? Sollte das nicht für jeden persönlich entweder eine oder keine Rolle spielen? Obwohl Musik an sich grenzensprengend sein sollte und die freie Meinungsäußerung als zentrales Merkmal innewohnen haben sollte, hat das meiner Meinung, trotz dieses Paradoxons, jedoch nichts in der Musik verloren. Ist das für dich nur Pseudopropaganda oder siehst du dich als liberalen Menschen, der jeden über alles, was er will, schreiben, singen und spielen lässt?

Ich persönlich möchte da ganz klar zwischen politischen Gesinnungen in Texten einerseits und Drogenkonsum oder Suizidverherrlichung unterscheiden. Die politische Gesinnung, ganz gleich welcher Couleur, hat zumindest im Metal nichts verloren, dafür gab und gibt es andere Musikrichtungen. Im Gegensatz zu deinem Vorwurf darf man eine Mini wie „The Red Vine Litanies“ aber eben nicht als bloße Aufforderung zum Alkoholismus verstehen, ganz im Gegenteil. Es geht hier also nicht um sinnentleerten Eskapismus, sondern um die mythische und spirituelle Seite des Wein(geist)es. Anm. des Verfassers: Das war überhaupt nicht als Vorwurf zu werten! Entschuldige dieses Missverständnis. Der künstlerische Aspekt dieser Mini-CD ist mir bewusst, die Frage war lediglich generell gerichtet.

Wie gehst du bei der Komposition oder dem Texte-Schreiben vor? Bei einigen Künstlern fließt es ja nur so heraus, ohne sich einen bestimmten inhaltlichen Aufhänger nehmen zu müssen. Ist es bei dir auch so oder hast du den Anspruch an dich selbst, nur zusammengehörende Songs zu schreiben und sie als eine CD herauszubringen? Auf dem 2002er Demo „Solar Eclipse“ waren es ja nach eigener Aussage nur konzeptfreie Songs, die aber alle allein für sich stehen.

Das war bisher eigentlich auf allen Veröffentlichungen bisher so, außer auf zwei, nämlich der aktuellen Mini und „Schmerz Aus Licht“ und bei denen u. a. auch aus dem Faktum heraus, dass eben beide sehr eigenständige Songs sind und für sich ja auch immer nur alleinstehend veröffentlicht wurden. Hätte ich also den Anspruch nur zusammenhängende Songs gemeinsam zu veröffentlichen, hätte ich mein Ziel bereits mehrfach verfehlt. Was das Entstehen der Songs angeht, so kristallisiert sich in den letzten Jahren bei mir immer mehr heraus, dass nahezu immer erst die Musik und dann der Text entsteht, der meistens die Stimmung der Musik aufgreift, manchmal greifen die Teile auch ineinander. Bei „The Red Vine Litanies“ stand zuerst der Titel und die Idee dahinter, dann entstand die Musik und anschließend die finale Fassung des Textes. Grundsätzlich bin ich aber nicht in der Lage, mich einfach hinzusetzen und zu sagen, in einem Monat habe ich die nächsten drei Songs fertig, das kann manchmal ewig dauern, manchmal geht das binnen weniger Stunden …

Aber kommen wir zurück zu „The Red Vine Litanies“: was waren die Beweggründe eine 1-Track-MCD mit der Mammutlänge von knapp 20 Minuten herauszubringen? Können wir es als Appetitmacher auf das kommende „Funeral Procession II“-Album sehen oder ist dahingehend noch nichts geplant?

Soweit das bis hier absehbar ist, wird man „The Red Vine Litanies“ nicht mit dem nächsten Album vergleichen können. Auf dem nächsten Album, das aller Voraussicht nach „Dea“ heißen wird, werden vermutlich sechs Songs sein, von denen allerdings keiner so lang sein wird wie der Song der MCD. Dass es überhaupt zu dieser MCD gekommen ist, war ja eher ein Zufall. Ursprünglich war der Song für eine Multi-Split-LP-Box auf Ván Records geplant, bei der jede Band eine Plattenseite zur Verfügung gestellt bekommen hätte. Für uns war also klar, nachdem wir gefragt wurden, ob wir teilnehmen wollten, dass unsere Seite ein zusammenhängendes, allumfassendes Konzept haben sollte, was wiederum am besten mit einem Song hätte umgesetzt werden können. Leider ist aus dieser Multi-Split nichts geworden und Ván hat das Projekt Mitte letzten Jahres ad acta gelegt, uns aber, da Ihnen die Instrumentalfassung unseres Songs sehr gefallen hat, angeboten diesen als MCD zu veröffentlichen. Da „The Red Vine Litanies“ für sich und nur für sich steht, ist diese MCD also jetzt in dieser Form veröffentlicht worden und damit in der für sich bestmöglichen Art und Weise.

Hat die optische Aufmachung von FUNERAL PROCESSION eine weitergehende Bedeutung oder entscheidet ihr euch spontan und ohne große Überlegung zu einem Layout, die ja meist in Grautönen und sehr spartanisch gehalten sind? Wer ist für das Layout von „The Red Vine Litanies“ verantwortlich gewesen?

Selbstverständlich hat die optische Aufmachung eine Bedeutung, ansonsten könnten wir die Musik auch einfach als Download auf unserer Homepage zur Verfügung stellen. Mir ist natürlich bewusst, dass Du bisher nur die Promofassung der MCD vorliegen hast, so dass du die endgültige Aufmachung noch nicht beurteilen kannst, aber man kann die Aufmachung der MCD in meinen Augen nicht als spartanisch bezeichnen (Anm. d. V.: Ja, da hast du Recht. Mittlerweile habe ich dieses edle Werk im Pappdigi in der Hand, sehr schöne Aufmachung.). Ganz im Gegenteil würde ich sogar behaupten, dass so eine Aufmachung eher in anderen Musikrichtungen als im Black Metal bisher aufzufinden ist. Auch „Schmerz Aus Licht“ und „Legion Cymru“ hatten keine spartanischen Aufmachungen, sondern farbige Cover, und der Aufwand insbesondere für die – mir sehr wichtigen – Vinylfassungen war nicht unerheblich. Für das Album indes war eine Aufmachung erforderlich, die das Interesse anders bindet, auch die Aufmachung des Albums sticht ins Auge, verrät aber nicht zuviel und macht vor allen Dingen klar, was auf dem Album zu finden ist. Auch für ein zweites Album habe ich zugegebenermaßen eine eher spartanische Aufmachung vor Augen. Jede Veröffentlichung bekommt, was am besten zu ihr passt. Bzgl. des Layouts zur aktuellen MCD, für die zeichnen sich Satyrus Sancti und ich gemeinsam verantwortlich.

Da die Arbeit an „Funeral Procession“ an die zehn Jahre benötigt hat, hat sich sicherlich sehr viel in künstlerischer Art und Weise getan. Satyrus Sancti hat neben dir den einzigen Einfluss auf die Musik von FUNERAL PROCESSION. Wie siehst du deine/eure heutige Arbeitsweise und die Endprodukte im Vergleich zu dem Debüt und den MCDs, die ihr damals herausgebracht habt?

Ehrlich gesagt hat sich in den letzten zwei-drei Jahren gar nicht so viel geändert! Es gibt meiner Meinung nach eigentlich zwei kleinere Einschnitte in der Geschichte der Band. Erstens das Ende des Ur-Line-Ups 1999, als ich praktisch plötzlich alleine dastand (obwohl das nicht ganz richtig ist, da Iwein kurz vorher unseren alten Gitarristen ersetzt hatte), was sich aber im Nachhinein für das Fortleben der Band und ihre Entwicklung als enorm wichtig herausstellte. Zum anderen der Punkt, an dem Alboin und Marlek bei FUNERAL PROCESSION eingestiegen sind, womit die Fähigkeit zum Live-Spielen wieder gegeben war – ein Umstand der glücklicherweise nahezu parallel zur Veröffentlichung der „Legion Cymru“-EP eintraf – zum anderen wäre auch das Debütalbum niemals so gut ausgefallen, wenn ich nicht Alboin an meiner Seite gehabt hätte. Die einzelnen Veröffentlichungen zu vergleichen fällt mir indes schwierig, das Debütdemo ist gut für das, was es ist und angesichts der Umstände unter denen wir damals proben mussten (unbeheizter Proberaum in einer halben Ruine etc.) wird man schon fast wieder nostalgisch. Außerdem ist das Demo jene Veröffentlichung gewesen, die uns das erste Mal so etwas wie Öffentlichkeit beschert hat, auch wenn die Meinungen darüber zwiegespalten waren. Im Nachhinein denke ich nicht, dass ich heutzutage irgendetwas an den Veröffentlichungen ändern würde, jede ist auf ihre Weise sehr gut! Und die Arbeitsweise ist schon anders – von den Aufnahmebedingungen, die wir heutzutage haben, konnten wir 1999 natürlich nur träumen. Aber ich denke im Kern ist FUNERAL PROCESSION immer noch das geblieben, was es zumindest seit 1999 ist.

Zudem hat sich FUNERAL PROCESSION ja auch als Band etabliert, die sich nicht davor scheut, Songs zu covern. Spielt dieser Aspekt noch heute eine Rolle oder willst du nur noch deine eigene Musik aufnehmen?

Zu gegebener Zeit werden wir ganz sicher auch in Zukunft Coversongs aufnehmen, der eine oder andere Song, der es verdient hätte, schwirrt mir nach wie vor im Kopf rum. Ich wüsste auch nicht, was daran verwerflich sein sollte, dass wir Songs covern. „Under A Funeral Moon“ bspw. ist ja auch steter Bestandteil unseres Livesets. (Anm. d. V.: Daran ist auch definitiv nichts verwerflich.)

Im Vergleich zu eurem Debüt geht ihr, obwohl ihr eurem Stil gewogen bleibt, ein bisschen experimenteller bei der MCD zur Sache. Ich spreche auf die abwechslungsreichen Arrangements an, die mich zuerst darauf gebracht haben, dass man es bei „The Red Vine Litanies“ nicht nur mit einem Track, sondern mit mindestens vier zu tun hat. War das beabsichtigt oder ist mein Eindruck ein völlig unerwarteter für dich?

Ganz ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass wir wesentlich anders zu Werke gehen als auf dem Debüt, auch wenn ich nachvollziehen kann, wie dieser Eindruck über die Gesamtdauer des Songs entsteht. Bis auf die Tatsache, dass die Produktion etwas roher ist, was auch daran liegt, dass wir nicht wieder im gleichen Studio aufgenommen haben und dieses Mal auch selber gemischt und gemastert haben, denke ich, dass wir schon ähnlich zu Werke gehen wie auf dem Debüt, auch wenn Elemente die dort aufgetaucht sind, dieses Mal vielleicht auffälliger verwendet werden.

Allerdings interessiert mich auch der Hintergrund zu der Verwendung der sakralen Chorgesänge als Intermezzi bspw., die mich unweigerlich an DEATHSPELL OMEGA, um genauer zu sein an den Track „Diabolus Absconditus“, der auch die 20 Minuten-Länge sprengt und auf der „Crushing The Holy Trinity“ vertreten ist, erinnern – der Song an sich ist zwar etwas völlig anderes, aber ich habe auch gehört, dass dies eine sehr wichtige Band für dich ist. Hast du dich irgendwie von dieser Band beeinflussen lassen? Schon der Psalm „Sinning in wine is holie“, der auf eurer Webpräsenz zu sehen ist, lässt diese Vermutungen, zumindest in literarischer Hinsicht, zu.

Bezugnehmend auf den Titel des Songs war es klar, dass in irgendeiner Form sakraler Chorgesang im Lied vorkommen würde und zwar in der Form, dass eine einzelne männliche Stimme vorsingt und der Chor antwortet – denn dieses kennzeichnet bis zu einem gewissen Grad den meditativen Charakter einer Litanei. Dies ist zunächst der Hauptgrund dafür, dass dieser Teil im Lied vorhanden ist, musikalisch dient er zudem als Brückenelement zwischen dem eher rasanten Beginn und dem eher getragenen Teil danach. Ich schätze DEATHSPELL OMEGA ganz sicher als großartige Black Metal-Band, aber der Einfluss auf die neue MCD sollte nur aufgrund dieser Elemente nicht überschätzt werden. Musikalisch und textlich sind das schon ein paar verschiedene Schuhe, musikalisch sind DSO viel progressiver als wir, lyrisch wesentlich theosophischer. Viel eher ist es wohl so, dass DSO durchaus Einfluss darauf gehabt haben könnten, dass ich für eine Multi-Split-Vinylveröffentlichung auch nur einen Song für eine Seite für sinnvoll halte. Da schlösse sich z.B. der Kreis eher. Ich streite gar nicht ab, dass mich insbesondere die letzten drei Werke von DSO tief beeindruckt haben, aber als „Fas …“ erschien, stand der wesentliche Teil der MCD bereits. Wenn die Franzosen also Einfluss auf die MCD gehabt haben, dann viel eher in ihrem geschlossenen und präzisen Vorgehen denn in einzelnen musikalischen Elementen.

Beeinflussen dich noch andere Bands oder nimmst du die Musik „nur“ als solches zu dir? Welche Bands bzw. Alben sind denn derzeit hoch im Kurs bei dir?

Ich denke, dass sich kein Künstler davon freimachen kann, in irgendeiner Form von irgendetwas beeinflusst zu sein, dennoch gibt es für mich keinen direkten Einfluss. Überraschend ist auch, dass immer wieder Leute mit „angeblichen Einflüssen“ ankommen, die ich so gar nicht nachvollziehen kann. Wie auch immer, ich hänge aktuellen Alben gerade im Black Metal immer etwas hinterher, allerdings bin ich sehr gespannt auf das neue KATHARSIS-Werk, das mit nahezu 100%iger Sicherheit wieder Album des Jahres wird. Die neue ARCKANUM ist zwar anders als frühere Alben, aber ebenfalls sehr empfehlenswert. Ansonsten höre ich momentan noch viel alte DEICIDE, DIABLE AMOREUX, MIGHTIEST, MANOWAR, WATAIN, ARDITI, BLUT AUS NORD, LOITS, GORGOROTH, NECROS CHRISTOS, NEUROSIS oder THE RUINS OF BEVERAST.

Hat der Leitspruch „Total Black Metal“ noch immer absolute Bedeutung für dich? Mir scheint, dass kein anderes Genre in den letzten Jahren so vielfältig geworden ist, aber auch auf der anderen Seite stagniert und man mit immergleichem Zeugs zugeschmissen wird, was meines Erachtens an einer Trend-Entwicklung liegt. Zu viele Bands mit wenig Inhalt gründen sich und werden gehypet, kommen aber trotzdem nicht an Originalität an. Teilweise ist auch eine „Rückkehr zu den Wurzeln“ immer noch beliebt wie neuzeitige „Hochglanzkunst“, bspw. in Ausdruck der Band und Form des Layouts. Was ist Black Metal für dich heutzutage? Bist du ein Verfechter „alten“ Black Metals oder siehst du dich auch aufgeschlossen Neuem gegenüber?

Okay, jetzt gibt es genau zwei Möglichkeiten: Entweder ich fange mit einem seitenweisen Monolog über Black Metal an oder ich versuche in aller Kürze ein paar wichtige Punkte zu dieser Frage zu nennen. (Anm. d. V.: Gerne Letzteres, obwohl dieses Thema sehr leicht zu einer Grundsatzdiskussion führen kann, da gebe ich dir recht. ;-)) Ich entscheide mich mal für die letztere Option. Zunächst einmal ist „Total Black Metal“ meine persönliche Einschätzung dessen, was mir machen. Wichtig dabei ist, dass wir als einzige Instanz festlegen, wie dies zu klingen hat und wie es präsentiert wird. Ob es also noch andere Bands gibt, die sich ebenfalls diese Stilbezeichnung zulegen oder nicht, vermag ich nicht zu sagen. Zu Deiner weiteren Frage – grundsätzlich gibt es heutzutage wie auch früher gute wie schlechte Seiten an der sogenannten Szene, ohne dass ich jetzt zu jenen Leuten gehöre, die sich darüber täglich Gedanken machen. Ich bin vermutlich von meiner Position her ein eher konservativer Mensch, was allerdings nicht als rückwärtsdenkend oder rückwärtsgewandt missverstanden werden darf. Mir ist dennoch auch heutzutage ein gedrucktes Fanzine lieber als ein Onlinemag und ich begrüße es nach wie vor, wenn Bands lieber ein liebevolles Demo als ersten Schritt machen, denn einen lieblosen Rohling. Ich finde auch nach wie vor, dass sich viele Bands heutzutage einfach zu wenig Zeit nehmen für ihre Entwicklung. Wenn mir etwas nicht passt heute, dann sind es die meisten total nutzlosen Bedroom-Black Metal-Bands, diese ganzen völlig unhistorischen Spaß-Heidenbands, die noch und nöcher aus dem Boden sprießen, der ganze NSBM-Quatsch und zu Guter letzt diese ganzen Freunde sammelnden MySpace-Bands. All das hat nichts mit meinem Verständnis von Black Metal zu tun. Diesbezüglich bin ich ganz sicher ein Verfechter der „alten Black Metal-Werte“ und vielleicht liegt es auch darin begründet, dass der Großteil der Leute, zu denen ich Kontakt habe, tatsächlich bereits in den 1990er Jahren in irgendeiner Form im Black Metal involviert waren. Forciert wird diese krankhafte Entwicklung insbesondere auch dadurch, dass sich leider nach wie vor jeder berufen fühlt, eine Band, ein Label oder ein Magazin zu unterhalten, damit man auch ja in irgendeiner Form „dabei“ ist. Wir haben damals um die Jahrtausendwende bereits geglaubt, dass diese Masse an Bands niemals noch weiter wachsen kann und das alles in sehr naher Zukunft kollabieren würde, aber wir haben uns augenscheinlich geirrt. Nichtsdestotrotz gibt es auch neue Bands etc., die auch unorthodoxe Sachen machen, denen ich nicht unaufgeschlossen gegenüber bin. Dabei ist aber immer, und das sollte es bei Altem wie Neuem sein, das „WIE“ entscheidend. Ein Großteil der 1990er „German Black Metal“-Eskapaden besonders aus dem Schwäbisch Gmünder Umfeld wird nicht dadurch besser, dass sie 10 Jahre her sind. Das sollte an ein paar kurzen wenig geordneten Gedanken zu diesem weitausufernden Thema genug sein.

Gibt es schon Pläne bezüglich kommender Live-Auftritte, da FUNERAL PROCESSION ja mittlerweile ein stabiles Line-Up vorweist? Zwar hat jeder von euch mehrere Aufgaben (Alboin mit Bass, Synthesizern und Drums sowie Satyrus Sancti noch Synthesizer, Programmierung, Gitarren und zusätzlichem Gesang und du am Mikrofon), was die Live-Aktivität ja etwas erschwert, aber live habt ihr ja auch mit Duke Hellfire an den Saiten als Session-Musiker zusammengearbeitet.

Unser Live-Line-Up sieht momentan so aus: Alboin am Schlagzeug, Duke Hellfire an der Gitarre, C:R:A am Bass und ich am Gesang. In diesem Line-Up haben wir ja auch das Jahr 2007 unsere Konzerte bestritten und daran wird sich in Zukunft auch nicht allzu viel ändern, allerdings denke ich, dass wir, sofern wir einen, zu FUNERAL PROCESSION passenden, zweiten Gitarristen finden, diesen integrieren würden. Ursprünglich war eine Umsetzung mit zwei Gitarren schon direkt nach dem Album angedacht, hat sich dann aber zerschlagen. Sofern es überhaupt eine Live-Umsetzung von z. B. „The Red Vine Litanies“ geben sollte, benötigen wir in jedem Fall einen zweiten Gitarristen. Realistisch betrachtet sind das momentan aber alles nur Gedankenspiele, da wir 2008 überhaupt nicht live auftreten werden, sondern erst wieder 2009.

Du bist seit zehn Jahren auch zentrales Sprachrohr von FUNERAL PROCESSION und das langjährigste Mitglied, obwohl du die Band nicht gegründet hast. Hast du mittlerweile auch noch andere Projekte am Laufen oder ist FUNERAL PROCESSION für dich DAS Projekt?

FUNERAL PROCESSION ist natürlich mich weiterhin das zentrale Projekt, wenn man denn von Projekt sprechen möchte und das wird es ganz sicher auch in den nächsten Jahren noch so sein. Zuviel verbindet mich mit FUNERAL PROCESSION, als dass ich es mir zum momentanen Zeitpunkt anders vorstellen könnte.

Was würdest du noch gerne mit FUNERAL PROCESSION musikalisch erreichen? Bist du mit dem, für was diese Band steht, zufrieden und soll es so bleiben wie es ist?

Diese Frage ist wirklich mehr als schwierig zu beantworten. Ich verfolge mit FUNERAL PROCESSION eine Vision, ja, aber diese kurz und bündig zu umschreiben ist unmöglich. Das nächste greifbarere Ziel ist zunächst einmal das zweite Album. Und für was diese Band im Auge des einzelnen Betrachters steht, mögen doch eben diese bitte entscheiden. Erwartungen haben wir uns noch nie unterworfen, deshalb kann ich diese Frage auch nicht generalisierend beantworten.

Ich danke für deine Zeit! Wenn du noch etwas loswerden willst, hast du jetzt noch die Möglichkeit …

Sinning in wine is holie!

15.08.2008

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