
Machine Head
An Evening With...2026
Konzertbericht


Der Abend im Wiesbadener Schlachthof endet nach fast 150 Minuten MACHINE HEAD und einer Google-Anfrage. Wie alt ist eigentlich Rob Flynn inzwischen? Die Antwort lautet 58 Jahre und angesichts ebendieser deutlich über zwei Stunden Live-Performance möchte man das kaum glauben. Doch der Reihe nach. In jedem Fall haben die US-Amerikaner zu acht exklusiven Shows in Deutschland geladen, in denen das moderne Thrash-Quartett nicht nur im Fokus steht, sondern alleiniger Hauptakteur ist.
Das Publikum so lange bei der Stange zu halten ist eigentlich etwas für Bruce Springsteen, doch auch dessen Landsmann und seine Band beweisen an diesem Abend das richtige Gespür für Spannungskurven. Jedenfalls beginnen MACHINE HEAD mit „Imperium“, dem stärksten Opener, den Flynn jemals geschrieben hat. Hier dürfen sich die Saitenfraktion und auch Matt Alston hinter den Kesseln direkt von null auf hundert austoben und Übergänge zeigen, die nicht von dieser Welt sind. Die Meute hat man bisweilen bereits im stahlharten Griff und diese zeigt sich unter Post-Corona-Verhältnissen enorm bewegungsfreudig. Schnell machen drückender Sound und schlechte Luftbedingungen breit, angekurbelt durch massive Circlepits und einen springenden Pulk.
2,5 Stunden Hochspannung
Im richtigen Moment reagiert Flynn und bringt etwas Abwechslung ins Geschehen – er lässt das Publikum entscheiden, ob nun als Nächstes „Blood For Blood“ von der legendären „Burn My Eyes“ oder „Aesthetics Of Hate“ von „The Blackening“ auf der Agenda stehen soll. Ein entschlossener Herr wirft seine komplette Energie in die Waagschale, plädiert für Ersteres, wird aber im Ergebnis enttäuscht. Er hätte die Halle nicht wutentbrannt verlassen müssen, denn auch der Erstling der Band soll später mit „Old“, „A Rage To Overcome“ und „Davidian“ noch hinreichend gewürdigt werden.
Die nächste Besonderheit gibt es mit „Darkness Within“ vom Album „Unto The Locust“. Zu diesem Track erscheint Flynn alleine mit Akustikgitarre auf der Bühne. Ein Novum in 35 Jahren MACHINE HEAD, bei dem sich der Bandgründer mit ordentlich Publikumsunterstützung hervorragend schlägt. Nach diesem Tauchgang in Depressionen und Tristesse bläst die Band zum Grande Finale und zeigt sich auch zu fortgeschrittener Stunde agil wie zu Beginn. Flynn ist ein begnadeter Showman und seine Band rahmt ihn gebührend ein.
Rob Flynn im Zentrum des Geschehens
Im Rahmen ihres Schlussspurtes lassen MACHINE HEAD noch den einen oder anderen Klassiker heraus und auf der rückseitigen Leinwand präsentiert man ein Sammelsurium alter Tourplakate und Packages, mit denen die Nordamerikaner bereits auf der Bühne gestanden haben. Zum Abschluss rundet das schwer zu singende „Halo“ eine Machtdemonstration ab, die alles aber keine alternde Band aufzeigt.
Über zweieinhalb Stunden abliefern zu wollen, ist mutig. An diesem Abend stimmt aber einfach alles. Vom drückenden Sound, über die perfekte Licht- und Bühnendynamik sowie einen Frontmann und Entertainer, der die Grenze zum Klamauk nicht überschreitet. „Machine fckin Head!!“ hallt heute noch sehr lange nach.
Setlist:
01. Imperium
02. Ten Ton Hammer
03. Choke On The Ashes Of Your Hate
04. Now We Die
05. The Blood, The Sweat, The Tears
06. Is There Anybody Out There?
07. The Rage To Overcome
08. Now I Lay Thee Down
09. Become The Firestorm
10. My Hands Are Empty
11. Aesthetics Of Hate
12. Game Over
13. Old
14. Darkness Within
15. Catharsis
16. Outsider
17. Locust
18. Bonescraper
19. From This Day
21. Davidian
22. Halo
Text: Patrick Olbrich (Wiesbaden)
Fotos: Nina Sure (Köln)
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Patrick Olbrich
































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