Mithras
Mithras

Interview

Bereits in Runde drei geht das extremmetallische Duo aus England, doch großartige Beachtung jenseits der Insel fanden Leon Macey (Gitarre und Drums) und Rayner Coss (Bass, Gesang) bisher nicht. Was lag also näher, das zu ändern? Grund genug also, Leon mit ein paar Fragen zu bombardieren.

MithrasSei gegrüßt, Leon! Zuallererst möchte ich euch für das mehr als beeindruckende neue Album gratulieren. Gib unseren Lesern doch mal einen kleinen Überblick über die Bandgeschichte.

Hi Chris, freut mich, dass dir die neue Scheibe gefällt. Okay, hier die kurze Bandgeschichte: Rayner Coss (Bass, Vocals) und ich haben die Band 1998 gegründet, damals noch unter dem Namen IMPERATOR. Wir hatten die ganzen Jahre über unzählige Lineupwechsel, und obwohl ich ursprünglich nur Gitarre spielte, saß ich irgendwann auch dauerhaft auf dem Drumhocker, weil wir keinen zuverlässigen bzw. fähigen Drummer finden konnten… aber ich möchte da jetzt nicht so ins Detail gehen.

Im Jahre 2000 haben wir uns dann in MITHRAS umbenannt, und ein Jahr später haben wir bei Golden Lake Productions unterschrieben. Das Label hat unser bereits 2001 aufgenommenes Debütalbum “Forever Advancing… Legions” dann im Jahre 2002 herausgebracht. Danach arbeiteten wir zwei Jahre an unserem Zweitwerk “Worlds Beyond The Veil”, welches im Oktober 2003 über die gleiche Plattenfirma das Licht der Welt erblickte und prima Resonanzen einfuhr. Anfang 2004 wechselten wir dann zu Candlelight Records, bei denen wir unsere zukünftigen Alben aufnehmen werden. Großartigerweise haben Candlelight unsere ersten beiden Alben wiederveröffentlicht!

Da wir mit der Band fast sechs Jahre lang nonstop aktiv waren, haben wir eine Pause eingelegt, bis wir uns dann wieder an die Arbeit machten und damit anfingen, unser aktuelles Album zu schreiben. Zu jener Zeit ist auch ein Drummer bei uns eingestiegen, wodurch wir eine vollwertige Band hätten sein können, um endlich wieder aufzutreten, aber mitten im Songwritingprozess hat er wieder seinen Krempel gepackt. Das hatte gravierende Verzögerungen zur Folge, ich musste wieder massiv an meiner Drumarbeit feilen, und so dauerte es bis Ende 2006, bis das Album fertiggestellt war.

Ärgerlich. Nun, wie würdest du die Unterschiede zwischen “Behind The Shadows Lie Madness” und den ersten beiden Scheiben beschreiben?

Ich würde sagen, das neue Album ist direkter und heavier als “Worlds…”, vielleicht ‘metallischer’. Es hämmert mehr und ist auch präziser, besonders was die Drums angeht – wir wollten diesmal einen etwas ‘unmenschlicheren’ Klang. Es ist auch ein wenig langsamer als “Worlds…”, viel langsamer als “Legions…”, aber weitaus druckvoller. Wir sind echt zufrieden mit dem Ergebnis!

Ich ebenso! Wie würdest du die Musik jemandem beschreiben, der sie nicht kennt?

Ich glaube, atmosphärischer, brutaler, extremer Metal mit ein paar ruhigen Elementen trifft es am besten. Wir sind keine richtige Death Metal-Band, da wir nicht über die in diesem Genre typischen Themen singen, und wir bedienen uns auch sonst nicht irgendwelchen Klischees aus dieser Musikrichtung. Ebenso sind wir wihl auch kein Black Metal. Ich würde also sagen, dass der Begriff ‘Extreme Metal’ am besten zu uns passt.

MITHRAS bestehen ja nun lediglich aus Rayner und dir. Außer bei Livegigs natürlich. Könnt ihr euch vorstellen, anders zu arbeiten? Beispielsweise als ‘echte’ Band mit drei oder mehreren Musikern?

Ja, wie eben schon erwähnt, haben wir oft versucht, sowohl für Livegigs als auch fürs Songwriting weitere Mitglieder in die Band zu bekommen, aber es klappt nie. Die Leute sind zwar erst mit Eifer bei der Sache – zumindest behaupten sie das -, aber letztendlich versiegen die Monate wie im Sande, und zum Schluss ist es dann Zeitverschwendung für alle. Aber schau, sehr viele Bands schreiben ihre Musik nicht als Band, meist ist es nur ein Teil der Band, manchmal auch eine einzige Person in der Band, die das Material alleine schreibt…

Wo wir schon beim Songwriting sind: wie kann man sich den Songwritingprozess bei euch vorstellen?

Meistens schreibe ich die Songs alleine auf der Gitarre und nehme Demotracks auf. Das meiste Material entsteht durch Jamming und Aufnehmen, einfach durch Herumprobiererei mit der Gitarre. Nachdem der Song ‘geschrieben’ ist, springen mir in der Regel schon Ideen in den Sinn, wie ich den Song arrangieren kann und wie die Drums, der Bass und die Vocals dazu passen könnten. Rayner und ich proben dann die Songs gemeinsam, feilen hier ein bisschen, verändern dort etwas, bis der Song dann zu unserer beiderseitigen Zufriedenheit das Licht der Welt erblickt.

Versierte Musiker frage ich immer sehr gerne nach dem Equipment, das sie benutzen. Zu eben jenen gehört ihr ja auch – also, welche Verstärker, Gitarren, Drums, Bässe, Effekte usw. benutzt ihr?

Ich spiele überwiegend Ibanez Universe Gitarren, manchmal auch andere Ibanez und Charvel-Gitarren. Puuh… Effekte? Davon habe ich so viele, die kann ich nicht alle hier auflisten, haha! Was Drums angeht, benutze ich ein Premier-Drumkit, Axis-Bedale und Sabian-Becken. Rayner spielt auf Dean-Bässen und Trace Elliot-Verstärkern.

Um was geht es auf der neuen Scheibe? Vielleicht kannst du uns auch ein wenig über das Artwork verraten?

Das neue Album transportiert das Science Fiction-artige Konzept, das schon auf den beiden Vorgängern vorhanden war, weiter und fasst es quasi zusammen. Die Story handelt von einer Person, die in einer unbekannten Welt ausgesetzt wurde, in der die Sonne – symbolisch gesehen – permanent am Horizont zu sehen ist. Diese Figur wird von grausamen Gestalten und Figuren verfolgt und beschreibt ihre Erfahrungen. Der Albumtitel soll darstellen, dass sich unter der sichtbaren Oberfläche, der Realität, noch etwas weitaus Böseres verbirgt.

Was das Artwork angeht: hierfür haben wir Dan Seagrave kontaktiert, der uns das fantastische Cover dann auch gemalt hat – und es ist absoluter Wahnsinn! Das Bild gibt ein paar Punkte der Albumthematik wieder und vereint sie zu einem Ganzen. Das Gesamtergebnis, das Zusammenspiel von allem, es ist einfach perfekt!

Wer oder was ist “MITHRAS”?

Mithras ist der Name einer historischen römischen Göttergestalt, eine mythologische Personifizierung der Sonne. Aber Mithras war eine verborgene Göttergestalt, verborgen in dem Sinne, dass man mit diesem Götterkult auch vertraut sein musste. Als wir den Namen IMPERATOR (was im alten Rom so viel bedeutete wie ‘Kaiser in zeiten des Kriegs’) gegen einen neuen Bandnamen austauschen wollten, gab es also viele Gründe dafür, dass MITHRAS die ideale Wahl war.

Kommen wir noch mal zur Musik zurück. Besonders die Gitarrensoli sind manchmal, hm, wie soll ich sagen? Ich glaube, ‘ziemlich weit draußen’ trifft es ziemlich gut. Welche Musik beeinflusst dich?

Haha, das sagen viele! Nun, das ist einfach die Art und Weise, wie ich spiele, glaube ich… Momentan habe ich einen Narren an Alex Lifeson (RUSH) gefressen. Er ist ein absolut unglaublicher Gitarrist. Ich mag auch viel Ambient, eine Musikrichtung, die nicht gitarrenbasiert ist. Möglicherweise hat das meinen Leadgitarrenstil ein wenig beeinflusst.

Habt ihr Pläne für Livegigs?

Ach herrje, wir würden gerne dazu in der Lage sein, das neue Album live zu promoten, aber es ist organisatorisch enorm schwierig, a) ausreichend talentierte Sessionmusiker zu finden, die die Zeit und den Willen haben, alles zu geben und b) die Zeit dafür zu haben, mit den Musikern üben und ihnen die Songs beizubringen. Wir haben ein paar Möglichkeiten, die wir noch ausloten werden… mal sehen. Wie ich schon sagte: wir würden liebend gerne live spielen!

Hm, ich hab eigentlich, wenn ich versuche, eure Musik nachzuspielen, eher das Bedürfnis, frustriert meine Gitarre zu verbrennen, haha… Stichwort Musikszene: wie siehst du momentan die britische, extremere Musikszene?

Ich finde, sie ist momentan sehr ‘gesund’, es gibt eine Menge neue Bands, die hart daran arbeiten, Aufmerksamkeit zu erregen.

Ich habe schon öfter davon gelesen, dass eure Musik auf gewisse Leute sehr ‘pilzig’ wirkt. Daher meine dumme Frage: beeinflussen Drogen den kreativen Prozess der MITHRASschen Musik?

Eigentlich nicht – und ich konsumiere auch keine kreativen Drogen. Die Leute sagen oft, dass wir sehr ‘abgespaced’ klingen, auf Gras seien oder dergleichen, haha! Aber ich bin in der Lage, ‘drauf’ zu sein, indem ich einfach lange Gitarre spiele, meditiere…

Alles klar, Leon! Ich danke dir vielmals für dieses Interview! Gibt es noch etwas, was du loswerden möchtest?

Keine Ursache, es war mir eine Freude! Vielen Dank für diese Interviewmöglichkeit, und mich freut es echt, dass dir das Album so gefällt! Wir haben übrigens neue T-Shirts mit dem Albumartwork herausgebracht, schaut sie euch auf http://mithras.bigcartel.com einfach mal an!

15.05.2007

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