Debauchery
Winter Freeze Festival 2008

Konzertbericht

Billing: Debauchery, Ear-Shot, End Of Green, Excrementory Grindfuckers, Fear My Thoughts, Hackneyed, Jack Frost, May The Silence Fail und Undertow
Konzert vom 12.01.2008 | Kochertalmetropole, Abtsgmünd

Laut, lauter, Abtsgmünd! So oder ähnlich präsentiert sich die Kochertalmetropole schon seit Jahren und hat schon dem Summer Breeze seit jeher ein begeistertes Publikum geboten. Obwohl das Summer Breeze Open Air nicht mehr in Abtsgmünd beheimatet ist, ist es alles andere als still geworden auf der Alb. Neben dem letztjährigen Sundown Festival reiht sich nun das Winter Freeze Festival nahtlos in den Veranstaltungskalender ein. Wie zu erwarten, steht auch beim Winter Freeze Festival der Dienst am Metal-Fan im Vordergrund, was eindeutig an der abermals erstklassigen Stimmung zu erkennen ist. Eigentlich ist das Konzept recht einfach: eine gute Mischung aus regionalen und überregionalen Bands, faire Preise und das Haus ist voll. Hinzu kommt, dass man bei kaum einer anderen Veranstaltungsreihe so nachdrücklich das Gefühl vermittelt bekommt, willkommen zu sein.

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HACKNEYED

Punkt 16 Uhr betreten HACKNEYED die Bühne. Ohne großes Tamtam wird gleich losgelegt. Der Teil des Publikums, welcher die Band aus der Gegend noch nicht kennt, ist überrascht, solch junge Menschen dort zu sehen, die so selbstsicher mit ihren Instrumenten umgehen. Der junge Mann an der Gitarre zählt gerade einmal 14 Lenze und steht auf der Bühne, als hätte er nie etwas anderes getan. Diese Selbstsicherheit kommt beim Publikum aber keineswegs eingebildet oder überheblich an. Die Jungs legen mit ihren ausgefeilten Songs eine Power an den Tag, von der sich so mancher „Altmeister“ noch eine Scheibe abschneiden kann. Für Death Metal spielen die Jungs eine sehr melodische Mischung, die Riffs sind im direkten Kontrast zum wulstigen Gesang eher clean und weniger fräsend. Die Band hat schon jetzt ein sehr ordentliches Zusammenspiel und dürfte vielleicht bald die regionalen Ketten sprengen. Wir sind gespannt und vielleicht ist ein neuer Stern am Todesblei-Himmel geboren? (Melanie, Norman)

MAY THE SILENCE FAIL

Nach kurzen Umbauarbeiten ist es auch schon Zeit für die zweite Band des Festivals. MAY THE SILENCE FAIL dürften für manche durch die beiden Ex-PLEYSCOOL-Mitglieder bereits ein Begriff sein. Einen deutlichen Punktevorsprung kann die Formation schon vor der ersten gespielten Note erzielen, als ersichtlich wird, dass sich zwei durchaus attraktive Damen den Job am Mikro teilen, wobei insbesondere Sarina sowohl gesanglich als auch optisch Rachel (ex-OCCULT, ex-SINISTER) durchaus das Wasser reichen kann.

Fulminant brechen die mächtigen Riffs aus der PA und fügen sich zielsicher in die sonst melodiösen Songstrukturen. Der Gesang erinnert in seiner Summe sehr an OTEP. Man spürt deutlich, dass auch die Herren von HEAVEN SHALL BURN Quell der Inspiration sind, ohne jedoch eigene Ideen zu überdecken. Mit den Songs „Unworthiness Of Words“ und „The Reckoning“ bricht das Eis schnell und man sieht immer mehr Haare fliegen. Für den erst dritten Gig (!) ist die Publikumsresonanz durchweg positiv, was bei den Akteuren schließlich auch die deutlich spürbare Nervosität der Spielfreude weichen lässt. (Melanie)

EAR-SHOT

Auf zur dritten Band des Tages: die Combo, die sich letztes Jahr erfolgreich auf den 3. Platz des Newcomer-Contests von Nuclear Blast spielte. Eingängiger, moderner Thrash Metal mit einschneidenden Core-Elementen sind die Trademarks der Jungs von EAR-SHOT. Songs wie „Reborn“ zünden beim Publikum nicht zuletzt dank der professionellen Art und Weise der Darbietung sofort. Mit blitzsauber gespielten Riffs und Songs mit Hitpotenzial, wie sie so manchem PANTERA-Album gut zu Gesichte stünden, qualifizieren sich die Jungs für höhere Aufgaben. Der Gesang weist dabei deutliche Ähnlichkeit zu Corey Taylor auf. EAR-SHOT sind definitiv eine Liveband und begeistern besonders durch das solide Stageacting und die Fähigkeit, das Publikum mitzureißen. Wenn nicht alle Stricke reißen und die Band dem leider immer stärker grassierenden Sterben junger Bands erliegt, könnte uns noch eine Überraschung ins Haus stehen. (Norman)

DEBAUCHERY

Das wandelnde Besetzungskarussell DEBAUCHERY findet im Publikum dankbare Abnehmer für seinen recht einfach gestrickten, aber nicht minder wirkungsvollen Death Metal im Stile des großen Bruders SIX FEET UNDER. Ansonsten gibt es nicht viel Neues aus dem Hause DEBAUCHERY. Getränkt in Kunstblut verrichten die Schlächter ihr Werk und feuern routiniert ihre vertonten Koch- und Tranchieranleitungen ins Rund. Der Sound ist auch nach ein paar kleinen Problemen bei den anderen Bands wieder unter Kontrolle. Die Halle wird nach und nach zusehends voller. Lediglich die sonst obligatorische Kunstbluteinlage bleibt heute aus, was allerdings durchaus zu verschmerzen ist. Songs wie „I Will Rape And Murder“ oder „Back In Blood“ hinterlassen im Publikum Nackenschmerzen. Ein routinierter Auftritt ohne Glanzpunkte, dafür aber auf gewohnt hohem Niveau. (Melanie)

JACK FROST

Einen heftigen Cut im Programm vollziehen die Doomster von JACK FROST. Die Stimmung wird beklemmend düster und auch der Wettergott beginnt vor der Halle zu weinen. Wer ein wenig in der Vergangenheit kramt, entdeckt schnell die engen Bande zwischen den Österreichern und END OF GREEN. Auf den Wunsch der schwäbischen Vorzeige-Düsterheimer sind die Jungs dann auch ins Billing gerutscht und absolvieren einer ihren raren Auftritte. Innerhalb weniger Minuten diffundieren schließlich auch die DEBAUCHERY-Jünger durch die Reihen und machen Platz für eine schauerliche Schwere. JACK FROST mögen vielleicht ein wenig in die Jahre gekommen sein, vertreiben diesen rein optischen Eindruck allerdings gleich mit den ersten Tönen. Schwer, beklemmend und dennoch hoch energetisch spülen die Österreicher eine Woge schwarzer Klänge ins Publikum und entkräften einmal mehr das Vorurteil, DOOM sei langweilig. [Wer wird denn so etwas behaupten wollen?! – Thomas] Was bleibt zu sagen? Nichts?! Vielleicht doch: JACK FROST sind vielleicht stärker denn je und sollten schleunigst wieder deutschen Boden betreten. (Norman)

UNDERTOW

UNDERTOW sind doch immer eine Reise wert. Selbst nach dem x-ten Gig macht es immer noch Spaß, den Jungs aus Göppingen zuzusehen. Besonders vor heimischem Publikum sorgt das Trio für ordentlich Alarm. Vorzugsweise mit den Songs des noch immer aktuellen „Milgram“ ziehen die sympathischen Schwaben das Publikum an diesem Abend auf ihre Seite. Besonders das tonnenschwere „Homemade Funeral“ reißt zu Begeisterungsstürmen hin. Dieser Song ist die schiere Urgewalt und in der Lage, aus dem härtesten Granit den feinsten Staub zu mahlen. Weder DEBAUCHERY noch FEAR MY THOUGHTS oder eine der anderen Kapellen können UNDERTOW an diesem Abend in Sachen Breitwandfeeling und schiere Schwere das Wasser reichen. Mächtig! Doch auch die flotteren Songs wie „Stomping Out Ignorance“ oder „D-Mood“ sprechen eine deutliche Sprache und sorgen für Bewegung im Publikum. Dazwischen sorgt Sänger Joschi immer wieder mit seinen Ansagen für Erheiterung. Zumindest bei dem Teil des Publikums, der des Schwäbischen mächtig ist. Den anderen (bedauernswerten) Teil zieht er dafür wieder mit dem nächsten Song ins Boot. Unverständlicher- und dummerweise (für die Band – geschickterweise hingegen für Labels) ist die Band gerade ohne Deal, sodass die nächste Scheibe wohl noch ein paar Tage auf sich warten lässt. (Thomas)

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EXCREMENTORY GRINDFUCKERS

20.45 Uhr und Zeit für die EXCREMENTORY GRINDFUCKERS. Zu den Jungs gibt es nicht viel zu sagen, außer ein Wort: Lustig! Die Band hat es sich selbst zur Aufgabe gemacht die Metal-Szene mal komplett zu „verhorsten“, was sie auch seit Jahren erfolgreich schafft. Jeder Auftritt immer wieder ein Genuss, vor allem für die Lachmuskeln. Was kann ich dazu groß sagen?! Eigentlich muss man die Jungs live gesehen haben; die Songs sind auf Platte zwar lustig – vor allem mit ein paar Bierchen- aber live kommt eben „Ein bisschen Grind muss sein“ schon um einiges besser rüber… Die Stimmung ist nahe dem Siedepunkt, eine ellenlange Polonaise – quasi die Wall Of Death der GRINDFUCKERS – durchzieht das Publikum. Das ist Karneval im Januar! (Thomas)

FEAR MY THOUGHTS

FEAR MY THOUGHTS läuten den Endspurt des Abends ein. Für mich ist es der dritte Live-Auftritt der fünf Jungs; und ich bin leider etwas enttäuscht. Der Funke will anfangs einfach nicht so recht überspringen. Ab dem dritten Song kommt etwas Bewegung in die Masse, doch die Versuche diverser Circle-Pits bleiben eben nur Versuche. Musikalisch stimmte der astreine Metal mit den gewohnten Hardcore-Elementen; stimmlich hat die Band leider etwas mit der Technik zu kämpfen. Je länger der Gig dauert, umso mehr entfacht der zögerliche Funke dann doch noch den Zunder. Die Menge feiert die Band gebührend. Alles in allem muss man der Band trotz des etwas mauen Starts dennoch ein gutes Zeugnis ausstellen. Die Fähigkeit, einen anfänglich schwachen Gig trotzdem noch in einen Erfolg umzubiegen, zeichnet eine gute Liveband eben aus. Daumen hoch für die Freiburger! (Melanie)

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END OF GREEN

END OF GREEN haben sich in den letzten Monaten ziemlich rar gemacht. Untätig waren sie aber nicht. Die Arbeiten am nächsten Album sind mittlerweile soweit gediehen, dass dem Studiotermin im März nichts mehr im Wege steht. Dem Publikum ist deutlich anzusehen, dass es die fünf Düsterheimer vermisst hat. Viel Kajal und schwarze Blingbling-Klamotten tummeln sich vor der Bühne, als die Band spät am Abend die Bretter betritt. Doch leider haben END OF GREEN nicht den besten Tag erwischt. Der Sound macht den Lokalmatadoren einen dicken Strich durch die Rechnung. Michelle ist unvorteilhaft ausgesteuert, seine Stimme wirkt seltsam verzerrt. Ebenso blechern wie dünn klingt die Snare, sodass man den Eindruck gewinnt, das Konzert käme aus einem schepprigen Kofferradio. Die PA scheint nach einigen Stunden Dauerhöchstbelastung langsam das zeitliche segnen zu wollen. Aber auch die Band selbst macht einen recht mitgenommenen Eindruck, viel Druck kommt weder aus den Boxen noch von den fünf Jungs selbst. Gleichsam energie- wie höhepunktlos plätschert der Gig vor sich hin und es scheint als seien die Protagonisten mit dem Kopf irgendwo anders. Bei „Sad One“ plagen Michelle einige Textpatzer, doch die Band ist Profi genug, trotz solcher Faux-Pas dennoch eine stimmige Show zu formen. Zu einem gewissen Teil können END OF GREEN den mauen Eindruck durch eine wieder einmal grandiose Setlist gerade rücken. „I Hate“, „Death In Veins“, „Weakness“ oder „Motor“ funktionieren selbst mit Abstrichen noch gut. Und diese Songs sind es auch, die trotz der Widrigkeiten das typische END OF GREEN-Feeling verbreiten. Diese Songs könnten sie auch mit vertauschten Instrumenten in einem Bauschuttcontainer spielen und sie würden funktionieren. Das Publikum sieht das ähnlich und gibt seine volle stimmliche Unterstützung. Wenn dieser Auftritt auch unter keinem sonderlich guten Stern steht, sowohl spielerisch als auch soundtechnisch – die Songs sind dennoch klasse. In solchen Situationen zeigen sich eben die songwriterischen Qualitäten einer Band. Wenn die Songs selbst auf einer Gießkanne gespielt noch Gänsehaut machen, sagt das einiges. (Thomas)

Es war ein toller Konzerttag, der schon jetzt Lust auf das nächste Jahr macht. Wir werden auch den nächsten Teil der Winter Freeze Reihe am 31. Januar 2009 präsentieren und dürfen Euch schon jetzt das Billing vorstellen.

Mit dabei sind:

VOLBEAT
ELUVEITIE
CATARACT
CALLEJON
LACRIMAS PROFUNDERE
LAY DOWN ROTTEN
ALEV
SAW
AOD

Da auch im kommenden Jahr mit großem Andrang zu rechnen sein wird, sichert Euch schon jetzt die Tickets.

Weitere Infos und Ticketbestellung:
myspace.com/winterfreezefestival

Euer metal.de Team

15.03.2008

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