
Lorna Shore
Deathcore-Abend der Superlative
Konzertbericht
LORNA SHORE sind ohne Zweifel die Aufsteiger der Stunde. Die Deathcore-Band landete vor sechs Jahren mit dem Einstieg von Will Ramos einen der größten Glücksgriffe der jüngeren Metalgeschichte, seitdem wächst ihre Popularität rasant. Die Inselpark-Arena in Hamburg war innerhalb von drei Tagen ausverkauft. Das liegt auch am starken Line-up: Neben den Senkrechtstartern stehen WHITECHAPEL, SHADOW OF INTENT und HUMANITY’S LAST BREATH auf der Bühne.
Die Fotos stammen aus München von Bianca Bobescu, der Bericht aus Hamburg von Jannik Kleemann.
HUMANITY’S LAST BREATH starten gemächlich
„Gemächlich“ und „Deathcore“ passen eigentlich nicht zusammen, doch HUMANITY’S LAST BREATH lassen sich kaum anders beschreiben. Die Band spielt überwiegend langsame, wuchtige Songs, die größtenteils aus Breakdowns bestehen. Statt Screams und Shouts setzt Sänger Filip Danielsson vor allem auf tiefe Growls.
Zu Beginn ist der Sound matschig, sodass kein klarer Eindruck entsteht. Das Blitzgewitter und die verhüllten Musiker wirken eher anstrengend als spannend, doch das Publikum feiert sich zu den Klängen der Schweden warm. Die 30 Minuten vergehen schnell, viel bleibt jedoch nicht hängen.
Galerie mit 24 Bildern: Humanity’s Last Breath - Lorna Shore - Headliner Tour 2026


SHADOW OF INTENT passen gut zum Headliner
Die zweite Band des Abends ist beliebt: Zahlreiche Shirts im Publikum sprechen für sich. Kein Wunder, denn SHADOW OF INTENT passen stilistisch gut zu LORNA SHORE. Auch sie ergänzen ihren Deathcore um symphonische Elemente und gehen deutlich energischer zu Werke als ihre Vorgänger.
Inzwischen hat sich auch der Sound eingependelt, sodass die treibenden Songs, überwiegend vom aktuellen Album „Imperium Delirium“, besser zur Geltung kommen. SHADOW OF INTENT hinterlassen einen positiven Gesamteindruck. Beeindruckend ist, dass sie ihre Alben bis heute in Eigenregie veröffentlichen. Ein Label dürfte bald zugreifen, Potenzial ist reichlich vorhanden.
Galerie mit 30 Bildern: Shadow Of Intent - Lorna Shore - Headliner Tour 2026


WHITECHAPEL sind die alten Hasen im Geschäft
WHITECHAPEL sind im heutigen Line-up die dienstälteste Band und verfügen über eine große Fanbasis. LORNA SHORE sind ihnen in den vergangenen Jahren zwar mit Vollgas enteilt, doch das liegt nicht an mangelnder Qualität oder Erfahrung der aus Knoxville, Tennessee stammenden Gruppe.
Die Setlist ist interessant: In den ersten 45 Minuten präsentieren WHITECHAPEL ausschließlich Material ihres aktuellen Albums „Hymns In Dissonance“. Nach einem Interlude geht es weit zurück in die Vergangenheit, mit einem Best-of-Block aus den ersten beiden Alben „The Somatic Defilement“ und „This Is Exile“.
Abgesehen von einem humorvollen Kommentar von Sänger Phil Bozeman zum Klassikerset – einige Anwesende seien bei Veröffentlichung der kommenden Songs noch nicht geboren gewesen – lassen WHITECHAPEL die Musik für sich sprechen. Angesichts der begrenzten Spielzeit ist das nachvollziehbar. Der Auftritt wirkt hochprofessionell, durchdacht und packend. Die große Bühnenerfahrung der Band ist spürbar.
Galerie mit 29 Bildern: Whitechapel - Lorna Shore - Headliner Tour 2026


LORNA SHORE reißen die Arena ab
In der Inselpark-Arena ist keine Pyrotechnik erlaubt, daher fällt der Auftritt von LORNA SHORE weniger feurig aus als auf den Münchener Bildern. Der Intensität schadet das jedoch nicht.
In den folgenden 80 Minuten liefern LORNA SHORE eine Lehrstunde in symphonischem Deathcore. Die Band ignoriert ihre Frühphase vor der Durchstarter-EP „…And I Return Into Nothingness“, was kaum überrascht, da viele Fans erst dadurch auf sie aufmerksam wurden.
Opulente Visuals und individuelle Hintergrundvideos begleiten jeden Song, sodass die fehlende Pyroshow nicht ins Gewicht fällt. Im Gegenteil: Dank der guten Lüftung bleibt die Luft trotz ausverkaufter Halle angenehm – nur wenige rücksichtslose Raucher stören das Bild.
Will Ramos schreit, growlt, squealt und grunzt sich die Seele aus dem Leib und wünscht allen einen schönen Valentinstag. Das Publikum verteilt selbst Liebe: Zahlreiche herzförmige Luftballons schweben durch die Halle. Zu „War Machine“ werden Aufnahmen für ein Musikvideo gemacht, weshalb Ramos die Menge zu besonderer Ekstase auffordert – als wäre das nötig.
Bei „Sun Eater“ surft ein Duo gemeinsam durch die Crowd und erntet donnernden Applaus. Der Hauptteil des Sets endet mit der „Pain Remains“-Trilogie, als Zugabe folgt der Bandklassiker „To The Hellfire“. Zum Schluss singen LORNA SHORE noch ein Ständchen für Ben Savage von WHITECHAPEL, der heute Geburtstag hat.
Der Abend zeigt: LORNA SHORE stehen erst am Anfang. „I Feel The Everblack Festering Within Me“ erweist sich als Sprungbrett in größere Hallen. Es würde nicht überraschen, wenn die Band mit der nächsten Tour die größten Arenen des Landes füllt.
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Jannik Kleemann
































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