Schattenvest mit Schattenvald
Seltenes Ereignis in Krefeld

Konzertbericht

Billing: Schattenvald, Afraid Of Destiny und Starspawn Of Cthulhu
Konzert vom 10.10.2026 | Kulturrampe, Krefeld

Bei stampfenden Discobeats und knallbunten Neonlichtern feiern Tausende Besucher an diesem Samstagabend auf der Krefelder Herbstkirmes das Leben. Wenige hundert Meter entfernt zieht das ‚Schattenvest‘ in der Kulturrampe ein paar Dutzend Gestalten in die Dunkelheit. Für ein Underground-Konzert ist der Zuspruch erfreulich. Angesichts des Headliners hätte das Package jedoch problemlos eine dreistellige Besucherzahl und ein ausverkauftes Haus verdient gehabt. Schließlich spielen die seit 1998 aktiven Oberfranken von SCHATTENVALD ihr erstes Konzert außerhalb Bayerns und das zweite überhaupt.

Kosmischer Doom mit STARSPAWN OF CTHULHU

Starspawn Of-Cthulhu – live beim Schattenvest am 10. Oktober 2026 in der Kulturrampe, Krefeld (Foto: Nicole Bilke/Schattenpfade)Zum Aufwärmen treten die Italiener STARSPAWN OF CTHULHU an, die an diesem Abend ihre Deutschlandpremiere feiern. Auf der Bühne steht ein Quartett mit zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug, während die Keyboardpassagen vom Band kommen. Das Projekt widmet sich einem von H. P. Lovecraft inspirierten Doom Metal, der Horror-Atmosphäre, epische Melodien und kosmische Klanglandschaften miteinander verbindet.

Schnell zeigt sich, dass „Aufwärmen“ eher atmosphärisch gemeint ist und weniger auf körperliche Aktivität. Hier und da nicken Köpfe oder wiegen sich einzelne Besucher dezent im Takt, ansonsten hört das Publikum überwiegend aufmerksam zu. Diese Zurückhaltung passt zum eher statischen Bewegungsmuster der Musiker.

Das bedeutet allerdings nicht, dass der Auftritt ohne Härte auskommt. Zwischendurch holt der Schlagzeuger durchaus die Doublebass heraus. Die Musik bleibt dennoch vor allem eine Angelegenheit zum Zuhören und Eintauchen.

Setlist STARSPAWN OF CTHULHU

  • Ruins Of The Past
  • Ancient Visitors
  • Melodies From Another Dimension
  • Alien Crom
  • Yuggoth
  • Towards The Starlight
  • They Come At Night
  • Great Race Of Yith

Höheres Tempo und mehr Druck bei AFRAID OF DESTINY

Afraid Of Destiny – live beim Schattenvest am 10. Oktober 2026 in der Kulturrampe, Krefeld (Foto: Nicole Bilke/Schattenpfade)Nach der Umbaupause bietet sich zunächst ein überraschendes Bild: Auf den ersten Blick tritt augenscheinlich dieselbe Band erneut an – nur mit einem anderen Sänger. Tatsächlich ist es anders herum, denn STARSPAWN OF CTHULHU sind im Kern ein Einmannprojekt, dessen Kopf seinen Liveauftritt mit den Musikern von AFRAID OF DESTINY bestritten hat.

Musikalisch besteht indes wenig Schnittmenge, denn nun steht eine Mischung aus viel Black Metal mit ein paar Prisen unter anderem von Post-Black-Metal und Ambient auf dem Programm. Zudem drehen AFRAID OF DESTINY neben der Lautstärke auch Druck und Tempo deutlich nach oben.

Ganz unbekannt ist die italienische Band dem deutschen Publikum nicht. Ihre erste Stippvisite erfolgte im März 2019 im Rahmen der Europatournee ‚Days Of Madness‘ gemeinsam mit EYELESSIGHT, DEADSPACE und PSYCHONAUT 4. Vor gut anderthalb Jahren standen AFRAID OF DESTINY zudem bei der Walpurgisnacht 2025 in Berlin auf der Bühne. Wetterbedingt reklamierte der Kollege damals ein „bisschen viel Weltschmerz und Trauer auf einmal, während draußen die Sonne scheint“. Abendstunden und herbstliche Kälte passen hingegen hervorragend zu dem atmosphärischen Black Metal. Immer wieder lockern elegante Gitarrensoli die Stücke auf, ohne deren düstere Grundstimmung zu unterbrechen. Dass die Italiener auch mit rotziger Attitüde einfach geradeaus rocken können, zeigen sie mit dem G.G.-Allin-Cover „Fuck Off… We Murder“. Danach beschließt der neue Song „Erotic Narcotic“ das Set.

Setlist AFRAID OF DESTINY

  • Timor Mortis
  • Take Me Home Death
  • Abyss
  • Anti
  • Ramblin’
  • Breath
  • Hear Me
  • Fuck Off… We Murder
  • Erotic Narcotic

SCHATTENVALD wirken eingespielter als erwartet

Dem Engagement von Adam Bilke ist es zu verdanken, dass die Oberfranken in Krefeld auf der Bühne stehen. Schließlich hat der stets umtriebige Macher und einer der beiden Konzertveranstalter des Abends die EP „…und ewig dauert der Berg…“ zum Anlass genommen, sein Label „Schattenpfade“ ins Leben zu rufen. Dieses agiert mittlerweile als Support Circle.

Nach einem kurzen Intro mit Rabengekrächz folgt ein gut einstündiger Parforce-Ritt melodischen Black Metals durch die Diskografie SCHATTENVALDS. Die Spanne reicht von „Auf alten Pfaden“ (von „Alle Hernach“, 2026) zum Auftakt bis hin zu „Der Nachtwanderer“ vom ersten Minialbum „Winterland“ (2002).

Musikalisch setzen SCHATTENVALD auf Melodik, Atmosphäre und immer wieder heftige Tempoverschärfungen. Zwischen den Stücken sorgen eingespielte Intros für Übergänge. Auch innerhalb der Songs kommen dezente Samples zum Einsatz. Spätestens beim dritten Stück „Gespenster geh’n am Bergfried um“ wird deutlich, dass die Franken keineswegs nur auf Atmosphäre setzen. Hier hämmert die Band brutal nach vorne. Der Schlagzeuger hat stellenweise die höchsten BPM des gesamten Abends zu bewältigen.

Besonders erfreulich ist das präzise Zusammenspiel: Die Einsätze stimmen, und die Musiker wirken angesichts ihrer geringen Live-Erfahrung überraschend eingespielt. Angesichts der äußerst überschaubaren Livehistorie ist das alles andere als selbstverständlich. Ob es jemals ein weiteres Konzert gibt, ist offen. Nach diesem Auftritt wären weitere Shows jedenfalls wünschenswert.

Setlist SCHATTENVALD

  • Auf Alten Pfaden
  • Gespenster Geh’n Am Bergfried Um
  • Dämmertage
  • Es Wird Regnen
  • Der Nachtwanderer
  • Sturm Der Unsterblichen
  • Winterland
  • The Stallion
12.10.2026

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