
SIEGES EVEN-Fans dürfen sich derzeit über ein neues Album freuen und wer von den Hardcore-Fans der Proggies ein Poster von Sänger Arno Menses überm Bett hängen hat, konnte vor wenigen Wochen bereits in den Genuss der zweiten BONEBAG-Scheibe „Noli Me Tangere“ kommen, dem Nebenprojekt von Menses. Da BONEBAG mit SIEGES EVEN aber soviel zu tun haben wie McDonalds mit gesunder Ernährung, dürfen hier gerne auch musikalisch anderweitig Interessierte lauschen. Denn um die Knochentasche mögen zu können, muss man eher auf alternative Sounds im Früh-90er-Stil abfahren, wobei sich die Niederländer mit ihrem Schrammel-Rock nicht allein auf die unsägliche Grunge-Periode beschränken, sondern ihr Gebräu mit modernen, Pop-ähnlichen Versatzstücken garnieren. Und ja, wer unbedingt will, hört hier sogar ganz zarte Prog-Tendenzen heraus, doch alleine die Tatsache, dass man 10 Stücke in gut 40 Minuten unterbringt, sollte Indiz genug sein, um hier nicht von einer SIEGES EVEN-Abfeierband auszugehen.
Kurz und knackig, so müssen ihre Songs sein. Und BONEBAG kommen immer schnell auf den Punkt oder besser: auf den Refrain. Diese sind nämlich fast ohne Ausnahme stets ein kleiner Ohrenschmaus. Die Band lässt nichts auf prägnante Parts kommen, die man schon nach dem ersten Hören nicht mehr vergisst und dies gelingt schon mit den ersten drei Songs, „Disgust“, „Oliver Sudden“ und „Feeling Sam“, recht gut. Gerade wenn die Band straight und losgelöst nach vorne geht, macht es am meisten Spaß. Und auch kuhle, rockige Soli wie in „Mmm“ lassen aufhorchen. Der Gesang, der übrigens nicht von Menses stammt (der singt nur sporadisch; ansonsten trommelt er sich recht simpel durch die Botanik), sondern von dessen kreativem Partner Ronald Utens, erinnert mich mit seinem leicht nasalen Ton verdächtig an einen gewissen Billy Corgan von den SMASHING PUMPKINS, was BONEBAG noch mehr in die bekannte Alternative-Ecke drückt. Und dennoch schaffen es die Jungs sich ein bisserl vom Rest abzuheben, denn ein Markenzeichen der Band ist die Verwendung extrem harmonisch angelegter Chöre („Weightless“ ist fast schon zuuu wohlfühlig), mit denen sie den Hörer zu bezirzen versuchen (hier und da gelingt das sogar).
Eigentlich eine hörenswerte Geschichte, aber leider kommen auch BONEBAG nicht um zwei, drei eher mittelmäßige Lückenfüller herum. Außerdem stört auf Dauer ihre Mentalität ein wenig, sich bei vielen Songs mehr oder weniger alleine auf den Chorus zu verlassen. Da darf Drumherum gerne auch was passieren. Letztlich eine gute Easy-Listening-Scheibe, die kurzfristig unterhält, aber zu schnell zu langweilig wird.































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