Dawn Of Destiny - F.E.A.R.

Review

Dass der Prophet im eigenen Land nichts zählt, ist eine gerne genommene Phrase, wenn es darum geht Bands zu charakterisieren, die musikalisch immer am oberen Limit agieren, von der breiten Öffentlichkeit aber nicht wirklich wahrgenommen werden. Die Bochumer DAWN OF DESTINY zählen definitiv zu den Bands dieser Kategorie. Musikalisch immer top, wurde der Female-Fronted-Metal der Band um Chefdenker Jens Faber oft zu Unrecht als Abklatsch ähnlich gelagerter Acts bezeichnet. Mit ihrem fünften Album “F.E.A.R.” (die Abkürzung steht für “Forgotten, Enslaved, Admired, Released”) haben sich die Bochumer emanzipiert und zugleich eine Platte aufgenommen, die den internationalen Vergleich nicht zu scheuen braucht.

“F.E.A.R.” ist ein Konzeptalbum, das mit der Story über das durch einen von der Mutter verschuldeten Unfall an den Rollstuhl gefesselte Mädchen Eve. Kein einfacher Stoff, zumal sich Eve im weiteren Verlauf der Geschichte noch zahlreicher weiterer Schicksalsschläge erwehren muss. Allerdings werde ich an dieser Stelle nicht ins Detail gehen, da es sich wirklich lohnt sich selbst in die Story einzulesen. Das Ganze in songwriterischer Hinsicht adäquat in Szene zu setzen ist wiederum ein sehr ambitioniertes Unterfangen und es sind schon ganz andere Bands an weniger hohen Hürden gescheitert. DAWN OF DESTINY haben ihre Hausaufgaben aber gemacht und ein Album aufgenommen, dass es vorbildlich versteht den Hörer mit auf eine Reise in das Gefühlsleben von Eve mitzunehmen und musikalisch dabei gleichermaßen tiefgründig, anspruchsvoll, einfühlsam und heavy zu sein. Was “F.E.A.R.” besser macht als viele ähnlich gelagerte Veröffentlichungen, ist, dass die Bochumer ein absolut ausgewogenes Potpourri anbieten. Angefangen beim Gesang von Neufronterin Jeanette Scherff, die mit ihrer angenehmen Stimme zu punkten weiß, über die filigranen Soli von Gitarrist Veith, der sich immer in den Dienst der Songs stellt und dennoch genug Lücken für sein Können findet, bis hin zu dem ausgefeilten Songwriting der Band und den Gastbeiträgen von Jon Oliva (SAVATAGE) und Mats Leven (u.a. THERION, CANDLEMASS, YNGWIE MALMSTEEN).

Die Melange aus diesen Komponenten, sowie die Tatsache, dass man DAWN OF DESTINY nicht auf einen Stil festlegen kann, machen “F.E.A.R.” zu einem extrem spannenden Album. Eine Nummer wie “Then I Found You” mit dem prägnanten Piano erinnert mehr an Musicals und an die Kompositionen von Jim Steinman (MEAT LOAF) als an Metal, harmoniert aber optimal mit einem düsteren Song wie dem Opener “And With Silence Comes The Fear” oder dem mit Gothic-Flair versehenen Ohrwurm “Dying In Your Arms” und der schönen, die Platte gebührend abschließenden Halbballade “To Live Is To Suffer”. Der große Vorteil von “F.E.A.R.” ist, dass die Platte einen Fluss besitzt, der den Hörer immer wieder sowohl fordert, als auch für sich einnimmt und ihn immer wieder in die Story eintauchen lässt. Addiert man noch die instrumentalen Fähigkeiten der Musiker hinzu, merkt man schnell, dass man es sich hier um ein besonderes Album handelt.

Speziell die letzten beiden Alben von DAWN OF DESTINY waren schon starke Platten, “F.E.A.R.” setzt dem Schaffen der Band aber die Krone auf. Wer an NIGHTWISH mit Anette Olzon oder SAVATAGE (“Streets – A Rock Opera”-Phase) Gefallen findet und auch mit Jim Steinman und MEAT LOAF etwas anfangen kann, sollte sich definitiv Zeit für das Album nehmen. Schnelle Kost servieren DAWN OF DESTINY nicht, dafür liefern sie mit diesem vielschichtigen Album ihre bislang beste Leistung ab.

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04.04.2014

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1 Kommentar zu Dawn Of Destiny - F.E.A.R.

  1. Der Erleuchter sagt:

    Ziemlich geiles Album. Hatte die Band immer als schlechte Nightwish-Kopie im Kopf.

    Dieses Mal ist ja alles von Savatage (incl. ziemlich geilem Auftritt von Meister Jon) ueber Ayreon bis hin zu Meat Loaf dabei. Dazu noch das textliche Konzept hervorragend umgesetzt.

    Der neue Sonata Arctica AOR-Langweiler kackt dagegen ziemlich ab. Auch Edguy werden das hier nicht uebertreffen koennen.