Dawn Of Destiny - To Hell

Review

DAWN OF DESTINY lassen mit „To Hell“ einmal mehr ihre Vision des Power Metal in den heimischen Anlagen erklingen. Und wie schon der Vorgänger „F.E.A.R.“ handelt es sich auch hier um ein Konzeptalbum, genauer: „To Hell“ erzählt die Geschichte eines Ehepaares, Tim und Maria, in den Flitterwochen auf hoher See. Eines Tages wird Maria unsanft mit ihrer dunklen Vergangenheit konfrontiert: Ein Mann Namens Ibrahim taucht auf und bezeichnet sie als Mitglied einer nationalistischen Organisation. Auch macht er sie für den Tod seiner gesamten Familie verantwortlich. Um sich zu rächen stellt er sie vor eine Entscheidung: Sie soll sich selbst in die Fluten stürzen, andernfalls droht Ibrahim, Tim zu töten.

Rein musikalisch gesehen gibt es auch an „To Hell“ wenig auszusetzen, abgesehen vielleicht vom hin und wieder etwas eindimensionalen Getrommel. DAWN OF DESTINY spielen nach wie vor hochqualitativen Power Metal mit diversen Verweisen in Richtung Symphonic und Gothic Metal. Jeanette Scherff und Jens Faber leisten einmal mehr ganze Arbeit am Mikrofon und tragen die Songs durch ihre gewohnt gute Performance. Wie es bei den Bochumern mittlerweile Tradition zu sein scheint, geben sich auch dieses mal wieder zwei namhafte Gäste ein Stelldichein: Zak Stevens (u.a. CIRCLE II CIRCLE, ex-SAVATAGE) und Björn „Speed“ Strid (v.a. SOILWORK) veredeln jeweils einen Song; gerade letzterer hat dafür gesorgt, dass „Burn In The Fire“ ein absoluter Kracher geworden ist.

Die Geschichte von „To Hell“ wird linear erzählt und im Beiheft des Albums in Fließtextabschnitten paraphrasiert. Wer sich nicht an der ein oder anderen linguistischen Tollpatschigkeit stört („The punch that Tim received was that hard that he lost his consciousness for a short period“), findet hier eine spannende Lektüre, die darüber hinaus ein aktuelles Thema anspricht. Es ist etwas cheesy, aber da wir uns hier im Falle DAWN OF DESTINY im Power Metal befinden, geht das schon mal in Ordnung.

Nicht in Ordnung geht hingegen der Sound. An sich sind alle Instrumente gut produziert und verfügen über die nötige Durchschlagskraft. Wenn dann aber in den Songs doch mal etwas mehr Action abgeht – seien es ausladende Orchestralarrangements, hämmerndes Drumming, mehrstimmiger Gesang, wahlweise auch alles gleichzeitig, dann fängt der Sound an, furchtbar zu matschen. Was die Konservenstreicher, was die Gitarre sein soll, wird dann nahezu ununterscheidbar. Hier hätten DAWN OF DESTINY Mut beweisen und den Gitarren einen echt dreckigen oder wenigstens sägenden Sound verpassen sollen.

Das ist aber leider nicht das einzige Problem, an dem „To Hell“ zu knabbern hat. Hinzu kommt das Songwriting und damit einhergehend die Konzeption des Albums. Die aufwühlende Geschichte ist gut geschrieben und fesselt durchaus, gerade wegen der einschlägigen Thematik. Anstatt dies jedoch vernünftig durch ebenso feinfühlige Songs zu transportieren, gehen DAWN OF DESTINY mit dem Rasenmäher drüber. Subtilität, was ist das? Vielleicht liegt es einfach daran, dass die Band sich die falsche Geschichte ausgesucht hat, um ein Power-Metal-Album daraus zu machen. Hier werden dramatische Situationen geschildert, in denen es um Leben und Tod geht, um Liebe, Reue und Vergebung, aber eben auch um Fremdenhass. Das ist jetzt vielleicht nicht unbedingt das beste Textmaterial, um die Musik wie die Fanfare eines römischen Triumphzuges klingen zu lassen.

Das Konzept des Albums geht also leider nicht ganz auf. Dennoch können Power-Metal-Fans mit dem sechsten Album von DAWN OF DESTINY wenig falsch machen. Das Album bietet einiges an Hits, die zum Mitsingen anregen. Highlights sind neben dem oben erwähnten „Burn In The Fire“ auch das einleitende „Hide Our Sorrow“, das mit starken Blastbeats aufwartende „Scream“ sowie die folgende, melancholische Hymne „Hateful Heart“. Im Grunde gibt es – wie bereits erwähnt – an der Musik selbst wenig zu mäkeln, außer vielleicht doch einer kleinen Sache: Manchmal wirken die Songs so, als hätten DAWN OF DESTINY Angst vor der eigenen Courage bekommen. Bestes Beispiel: der Titelsong. Dieser beginnt aggressiv, fast schon thrashig und nimmt richtig Fahrt auf. Dann aber kommt der Refrain, der in typische Vier-Akkorde-Muster abdriftet und dem Song allen Wind aus den Segeln nimmt. Es ist zum Glück kein gravierendes Problem, aber es lässt „To Hell“ doch etwas übervorsichtig wirken.

Bleibt zu sagen, dass DAWN OF DESTINY den Weggang von Veith Offenbächer Anfang dieses Jahres rein musikalisch ganz gut verkraftet zu haben scheinen, allerdings merkt man bei „To Hell“ schon, dass die Bochumer Power-Metal-Institution erste Abnutzungserscheinungen zeigt. Als Konzeptalbum funktioniert „To Hell“ leider nicht, als normales Power-Metal-Scheibchen geht es aber in Ordnung.

23.10.2015

Sitzt, passt, wackelt, hat Luft.

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