Deep Purple - Concerto For Group And Orchestra

Review

Sie alle haben uns damals (Mitte der 60er bis Anfang der 70er Jahre) mit jeder neuen LP überrascht – und verändert. Nichts war bei der letzten Veröffentlichung so wie bei der vorletzten. Was die nächste bringen würde, konnte man damals erst recht nicht erahnen. Beat, Rock, Psychedelic, Folkrock, Rockjazz, Rock-Blues-Fusion, Rock meets Classic…Wie hätte sich bloß Jimi Hendrix weiterentwickelt? Jedes Jahr der Rockmusik war so spannend und aufregend, ein Jahr wie ein Hundejahr, im positiven Sinn, im Verhältnis 1:7. John Lord und sein Rockrendezvous mit dem Royal Philharmonic Orchestra in der Royal Albert Hall haben wir, als es passierte, gar nicht richtig kapiert. Wir waren eigentlich noch am Zertrümmern der alten Zöpfe, Anti-Generation. Hier aber entstand in den LSD-kreativen Köpfen ein weit über den augenblicklichen Nährwert hinaus weisender Meilenstein der Musikgeschichte überhaupt. SIEHT man die Liveaufnahme, so sieht man am Anfang angespannte, fragende (Lampenfieber-)Gesichter: Gelingt das alles hier? Wie kommen wir da durch? Schaffen wir’s? Wohin führt es uns? Gegen Ende des Konzerts HÖRT man, wie das Experiment gelungen ist, befreit, überglücklich, geradezu enthusiastisch, high in a clean way of pure music. Was aus dem kreativ genialen Bauch kam, ehrlich und authentisch, das kommt immer rüber, Brücke gebaut, Fusion geglückt, because there will always be some „Smoke On The Water“ und diese zwölf Töne werden wie Beethovens Fünfte oder Neunte zur ewig klassisch unvergänglichen Hymne der Rockmusik. Da wird kein Arsch aufm Stuhl bleiben und bei mir (inzwischen nicht mehr Anfang 20, sondern Anfang 50) kein Auge trocken.

13.10.2002
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