Dvalin - Aus Dem Schatten

Review

Eine Platte – Zwei Meinungen

Dudelsäcke, warum denn bloß Dudelsäcke!? DVALIN machen auf ihrem Debütalbum für Pagan-Metal-Verhältnisse vieles richtig, aber die omnipräsente Dudelei rückt die vielen positiven Aspekte an „Aus dem Schatten“ merklich in den Hintergrund – außer jemand fährt darauf total ab.

Ansonsten ist DVALIN wenig vorzuwerfen. Der zum Genre-Allerlei gehörende Grunz-/Schrei-Gesang, der gerne mal einen rülpsenden, knurrenden Akzent annimmt ebenso wie der Hang, folkige Elemente einzufügen. Letzteres übernimmt auf „Aus dem Schatten“ aber ausschließlich der Dudelsack. Was im Opener „Das Heer aus der Tiefe“ oder dem ohnehin eher schunkelnden „Skaldenfest“ noch zur Stimmung beiträgt oder Laune macht, ist auf voller Länge sehr, sehr anstrengend.

Das Grundfundament, auf dem DVALIN eigentlich stehen, ist demgegenüber erstaunlich solide gebaut. Melodischer Death Metal, der auch dank der Produktion mit viel Dampf im Kessel durch die schönen Landschaften stürmt. Dazu kommt, dass „Aus Dem Schatten“ über einige stimmungsvolle bis verträumte Ruhepausen verfügt, die der Angriffslust entgegenwirken und zeigen, dass in den Würzburgern deutlich mehr steckt, als ein Handeln nach Schablone.

Nichtsdestotrotz ist DAVLIN zu Gute zu halten, dass sie für ein Genre, das bei mir vor allem mit Sauf-Rummelplatz-Gerödel samt klebrigen Met-Resten eine deutlich anspruchsvolleren Anschein machen. Dudelei hin, Dudelei her – dem Dudelsack wird immer Mitellaltermarkt-Flair anhaften und jene verjagen, denen genau das ein Graus ist. Das rausradiert, ist „Aus dem Schatten“ ein gelungenes Debütalbum, das für Pagan-Liebhaber sogar zu einer der stärksten Scheiben des Jahres avancieren können – zumindest innerhalb der deutschen Grenzen.

Jan Wischkowski | 6 Punkte


Geräusche wie aus einer Tropfsteinhöhle geleiten uns in das Erstlingswerk DVALINs. Schon mal recht passend, wenn man bedenkt, dass sich das Septett nach einem der legendären Erdzwerge der nordischen Mythologie benannt hat. Genauso gut kann sich der Hörer anschließend vorstellen, wie beim Opener „Das Heer aus der Tiefe“ steigt; wie sich eine Armee unter den einsetzenden Trommel- und Dudelsackklängen den Weg ans Licht bahnt – im Übrigen auch wieder getreu der nordischen Mythologie, die DVALIN als Anführer einer Zwergenschar beschreibt, die aus der Erdtiefe zur Oberfläche strebt.

Auch im Folgenden bleibt „Aus Dem Schatten“ sehr melodisch, treten sowohl die Sackpfeifen, als auch die Drehleier immer wieder in den Vordergrund. Wirken die dann einsetzenden Death-Metal-Growls im ersten Moment noch recht irritierend, ergibt sich – wenn sich die Ohren erst einmal an diese Zusammenstellung gewöhnt haben – ein äußerst interessanter Mix, der den Vorschusslorbeeren von Chirgel Glanzmann (ELUVEITIE), der vor allem auch „ihren einzigartigen Sound, der erfrischend und originell ist“, lobte, gerecht wird.

Die sieben Jungs aus Würzburg schaffen es auf „Aus Dem Schatten“, immer wieder zu überraschen. Die geschickt eingespielten Brüche in Musik und Tempo verwachsen letztendlich in einem kontinuierlichen Wechsel aus melodiösen Momenten, mal getragenen, mal wuchtigen Gitarrenriffs, den unverwechselbar mittelalterlichen Dudelsackklängen sowie mal schreiendem Gesang und dann wieder deathlastigen Growls von Nico, dem Mann am Mikro.

Dass die Jungs von DVALIN ihre Instrumente allesamt beherrschen, zeigen nicht nur die regelmäßigen Solieinsprengsel der Gitarrenfraktion. So geben bei „Schöpfer des Nichts“ die Dudelsäcke den Ton an und die Melodielinie vor. „Zwergenvolk“ startet mit einem wuchtigen Gitarrenopener, dem dieses Mal die Dudelsäcke und dann die mächtigen Growls folgen. Mit „Ostara“ und „Skaldenfest“ sind außerdem zwei starke Tracks ohne Gesang auf „Aus Dem Schatten“ enthalten, bei denen die Instrumentenfraktion all ihr Können zeigt. Das Sackpfeifen-Opening bei letztgenanntem könnten auch die Könige der Spielleute, CORVUS CORAX, nicht besser einspielen.

Wem es bis zum Ende des Albums nicht aufgefallen ist, der wird spätestens beim Rausschmeißer und der offiziellen ersten Single „Unter den Eichen“ an eine andere Genregröße denken. Denn irgendwo hat man den Titel doch schon mal gehört? Was war das denn noch mal? Genau – EQUILIBRIUM („Unter der Eiche“)!

Hört man sich beide Songs im direkten Vergleich an, so kommt man zwar nicht umhin festzustellen, dass sich diese sowohl soundtechnisch ein wenig ähneln als auch textlich nah beieinander liegen, da es sich im Grunde jeweils um Trinklieder handelt. Das ist eigentlich schade, da das Album zeigt, dass DVALIN dem eingangs angeführten Urteil Glanzmanns durchaus gerecht werden. Andererseits eignet sich dieser direkte Vergleich auch ganz gut, um einen ersten Eindruck von dem zu bekommen, was DVALIN leisten können und erfüllt damit wohl auch seinen Zweck, nämlich neugierig auf das komplette Album zu machen.

Letztendlich macht „Aus dem Schatten“ bei jedem Durchlauf mehr Spaß. Der Mix aus CORVUS CORAX unter Starkstrom sowie aus EQUILIBRIUM, verfeinert mit einer starken Prise Mittelalter und Rotzigkeit, weiß nicht nur zunehmend zu Gefallen, sondern macht durchaus Lust auf mehr. Es wird spannend, wohin der Weg diese junge Band führen wird.

Eberhard Podzuweit | 8 Punkte

 

10.01.2016

Der metal.de Serviervorschlag

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