Ethersens - Your Wandering Ghost

Review

Die aus Toulouse stammenden ETHERSENS haben eine wahre Odyssee hinter sich: Obgleich bereits 2002 gegründet, sorgten zahlreiche Besetzungswechsel und andere musikalische Baustellen der Mitglieder (unter anderem ERYN NON DAE, ERADYKATE oder TALIAN) dafür, dass erst 2008 ihr Debüt „Ordinary Days“ erschien. Nun, sechs Jahre und erneute Besetzungswechsel später, erscheint mit „Your Wandering Ghost“ der Zweitling des Fünfers – und auch wenn zwölf Jahre für zwei Alben eine lange Zeit sind, muss ich an dieser Stelle auf das Phrasenschwein eindreschen: Was lange währt, wird endlich gut. Genauer könnte ich die acht Songs guten Gewissens als erste faustdicke Überraschung des gerade angebrochenen Jahres betiteln.

Kurz gesagt ist „Your Wandering Ghost“ ein verblüffend ausgereiftes, dynamisches, verspieltes, atmosphärisch dennoch stringentes Post-Metal-Album, das mich von der ersten bis zur letzten Sekunde schwer beeindruckt. Etwas ausführlicher beschrieben, bewegen sich ETHERSENS irgendwo in der Schnittmenge von Progressive Metal, Post Rock, Sludge und Post Hardcore, in meinem Kopf erscheinen so Namen wie HYPNO5E (auch wenn an deren Meisterwerk „Acid Mist Tomorrow“ so schnell wohl niemand herankommt), THE OCEAN oder ISIS, aber auch OBSCURE SPHINX meine ich hier und dort herauszuhören.

Erstgenannte Landsmänner stehen atmosphärisch am ehesten Pate, sprich: „Your Wandering Ghost“ ist, wie der Titel es bereits vermuten lässt, von unmittelbarer Melancholie, von Trauer durchzogen; es ist eine Kunst für sich, diese dem Hörer angemessen zu vermitteln, ETHERSENS beherrschen diese jedoch (beinahe) meisterhaft. Das multinationale Projekt THE OCEAN ist für einen Vergleich aus technischer Hinsicht vielleicht eine gute Wahl: ETHERSENS spielen in ähnlicher Weise ein wenig (aber nicht zu viel) mit Takten, reizen die gesamte Bandbreite an Geschwindigkeiten aus (die Blastbeats in „Reflect“ oder noch plötzlicher in „Waking Disorder“: Ein Traum!), spielen mit abrupten Übergängen. Dabei weist „Your Wandering Ghost“ eine Dynamik auf, die ich durchaus in der Nähe zu den US-Amerikanern von ISIS sehe.

Nach all diesen Vergleichen möchte ich aber in aller Deutlichkeit sagen: ETHERSENS haben ihren eigenen Stil, ihre Nische im Post Metal gefunden. Dazu trägt sicher auch der Gesang Laurent Moras bei, der mir persönlich zwar zu sehr nach Alternative Rock klingt, der Mixtur ETHERSENS‘ aber einen zusätzlichen Stempel aufdrückt. Wenn ich dann noch berücksichtige, dass der Fünfer auch nicht vor leicht elektronischen Einlagen wie am Beginn von „Mourning Light“ zurückschreckt (um anschließend feinste Doom-Klänge im Stil von MY DYING BRIDE zu servieren), kann sich meine Begeisterung eigentlich nur noch durch den bereits erwähnten Gesang und durch ein bisschen atmosphärische Luft nach oben in Grenzen halten. Ersteres liegt in meinem persönlichen Geschmack begründet, Letzteres darin, dass ich durch die oben erwähnte HYPNO5E-Platte ziemlich verwöhnt bin. Nichtsdestoweniger spreche ich eine dringende Empfehlung für Anhänger der genannten Bands aus!

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18.01.2014

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