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Soundcheck Mai 2026# 13
„Grey“ hört man sofort an, dass hier niemand mehr irgendwem etwas beweisen muss. HELD. bringen Erfahrung aus mehreren Welten mit und genau das färbt dieses Debüt komplett ein. Statt sich zu verbiegen oder auf Nummer sicher zu gehen, ziehen sie einfach durch – mit einer Mischung aus „jetzt nochmal Vollgas“ und einer abgefuckt lässigen Easyness, die alles zusammenhält. Genau daraus entsteht eine neue Symbiose: Druck trifft Gelassenheit, Kontrolle trifft Chaos, ohne sich gegenseitig zu blockieren.
HELD. lassen die Fassade bröckeln
Mit Douglas Robinson und Sal Mignano (beide von THE SLEEPING) sowie Josh Eppard (Mitbegründer von COHEED AND CAMBRIA) sitzt hier geballte Routine im Studio. Und trotzdem klingt nichts routiniert. „Grey“ wirkt eher wie ein gemeinsames Ausatmen nach Jahren voller Bandgeschichte – nur eben laut.
Das Trio setzt auf ehrlichen Druck statt Glanzlack. Die Produktion bleibt roh genug, um Kanten zu zeigen, aber präzise genug, um jeden Schlag sitzen zu lassen. Rasende Riffs treiben nach vorne, setzen das Tempo und schieben alles an. Der progressive Einschlag sorgt für Bewegung, ohne in Technikspielereien zu versinken. Ergebnis: wilder, lauter Post-Hardcore mit klarer Linie und null Filter. Ich selber habe ruhigeres erwartet, aber schon der erste Hördurchlauf klärt mich auf. Hier gibt’s eine musikalisch geballte Faust, die durch Wände will. Schafft sies? Zumindest bröckelt die Fassade und das ist gut so.
„Grey“ ist im wilden Angriffsmodus
Da bleibt ein Track wie „New You Anthem“ sofort hängen, weil alles sauber ineinandergreift und der Song genau weiß, wann er zupackt. „Waves Of Fire“ geht noch direkter vor, zündet ohne Umweg und feuert eine rotzige Punk-Attitüde raus, die keine Diskussionen zulässt.
Die Vocals bleiben konsequent im Angriffsmodus. Anklagend, wütend, immer ein Stück zu nah am Nerv – genau das macht den Reiz aus. HELD. lassen nichts weichzeichnen, sondern drücken jede Emotion direkt raus.
Das Songwriting sitzt dabei überraschend stabil. Die Kompositionen stehen wie eine Eins, wirken durchdacht, aber nie verkopft. Gleichzeitig bleibt alles frei genug, um spontan zu atmen. Immer wieder knallen punkig ausgespuckte Hooklines rein, geben den Tracks Schub und verhindern, dass Melodie zur Nebensache wird.
Perfekt unperfektes Debüt
Am Ende liefern HELD. mit „Grey“ ein Debüt, das genau diese neue Balance trifft: rohe Energie, klare Struktur und diese Mischung aus Kontrollverlust und Lässigkeit, die man sich bei dem Genre wünscht und vielleicht auch mit dem Wissen, welche Musiker dahinter stecken, vorausgesetzt hat. Natürlich glänzt nicht alles perfekt, aber genau das macht den Charakter aus.

Jeanette Grönecke































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