Helheim - WoduridaR

Review

Obwohl heute Viking Metal auf den Tisch kommt, könnt ihr getrost die Trinkhörner gehalftert lassen. Denn zwar sind HELHEIM bekanntermaßen Pioniere unter den nordischen Metal-Seefahrern, doch viel mit Bierzeltschunkelei haben sie nicht zu tun. Aber wem erzähle ich das eigentlich? Ist ja nicht so, als gäbe es die Herren erst seit gestern. Immerhin steht mit „WoduridaR“ nun das elfte Album ins Haus, wobei sich im Backkatalog noch zahlreiche, weitere Veröffentlichungen der Nordmänner tummeln, zuletzt etwa die Split-EP „Henholdsvis“ zusammen mit TAAKE, in dem sie sich kraft zweier Cover-Versionen (u. a. „Witches Sabbath“ von EMPEROR) auf ihre Schwarzwurzeln besannen. Ein guter Anhaltspunkt auch, um in des hiesigen Pudels Kern einzusteigen.

Der „Wilde Reiter“ kommt

Auf „WoduridaR“ bieten die Norweger ihren angestammten, angeschwärzten Viking Metal feil, gewürzt mit gewohnter Epik, Dramatik und einer kalten Aggressivität, die typischerweise aus der schwarzmetallischen Komponente des Sounds entstammt. Ebenfalls wieder mit von der Partie ist dieser Sinn für erhabene Melodien, die sich so richtig schön unter die Haut bohren. HELHEIM verschwenden auf „WoduridaR“ praktisch keine Zeit, um mit ihren Muskeln anzugeben, und lassen einen dieser prächtigen, elegischen Melodiebögen im Opener „Vilje Av Stål“ steigen, ein Song der zunächst schwarzmetallisch rau beginnt, für die Hook und besagte Melodien dann aber in den Midtempo-Wikinger-Marsch wechselt.

Die Presseinfo beschreibt den Sound von „WoduridaR“ im allgemeinen als Zusammenführung von „LandawarijaR“ mit „RigniR“. Unsereins geht insgesamt mit dieser Aussage d’accord, heißt: Die Norweger haben wieder etwas mehr Kohle in den Ofen geschaufelt und kommen dadurch über weite Strecken der Spielzeit mit mehr Dampf daher. Dennoch macht sich der Einfluss von „RigniR“ in den Hooks bemerkbar, die vermehrt klar gesungen daherkommen. Was sie sich darin besonders prominent von „RigniR“ mitgenommen haben, ist wieder diese Melancholie, wie man sie bei Kriegern auf dem Weg in eine aussichtslose Schlacht und damit in den sicheren Tod hineininterpretieren würde. Klar, Ruhm auf dem Schlachtfeld und so, aber das hier ist nicht Hollywood.

HELHEIM verlassen sich auf ihre Stärken

Es geht also vollkommen klar, „WoduridaR“ als logische Konsequenz dieser beiden Platten zu bezeichnen. Insgesamt ist „WoduridaR“ aber erneut ein Album aus dem Hause HELHEIM, für das man sich Zeit nehmen sollte. Denn nur, wenn man sich auf diese einzigartige Melange aus Aggression und erhabenen Melodien einlässt, dann trifft einen wieder einmal die gesamte, epochale Pracht des Sounds genau dort, wo es weh/gut tut. Es hat wahrscheinlich vor allem damit zu tun, dass der Sound für seine Melodien nie an Rauheit einbüßt und stets ehrlich bleibt. Kleinere Spielereien wie bedeutungsschwangere Pauken-, Glockenschläge aus dem Hintergrund und tieftönende Männerchöre, die bei der Melodieführung unter die Arme greifen, helfen natürlich ungemein bei der Umsetzung.

Ebenfalls enorm hilfreich ist wieder die Produktion, welche die nordische Kälte atmet, aber nicht untergründig klingt. Auch das hilft sicher dabei, dem Hörer den Eindruck von Rauheit und Kälte zu vermitteln. Dieses Gefühl von Authentizität lässt auch die unkonventionelleren Songs von „WoduridaR“ förmlich aufblühen. So ist der Titeltrack beispielsweise eines der eingängigsten Stücke der Platte und macht sich wunderbar als Einstiegspunkt für Neulinge im Sound der Norweger. Dennoch enthält der Track diese eigentümliche Atmosphäre gekonnt aufrecht. „Ni S Soli Sot“ klingt anfangs fast nach Hard Rock, doch wieder ist es der Sound, der einem das schmackhaft macht. Nicht nur das: Der Track biegt im Mittelteil in einen etwas tranigeren, herrlich atmosphärischen Instrumental-Part über.

Und das mit Erfolg

Der überlange Rausschmeißer „Det Kommer I Bølger“ setzt dem ganzen dann aber die Krone auf. Nicht nur ein Song mit größtenteils klarem Gesang, gehen HELHEIM in Sachen Epik aufs Ganze. Die eindringlichen Melodien gehen richtig unter die Haut, der Gesang, der hier und da leicht angezehrt wirkt und an den passenden Stellen im Chor dargeboten wird, leistet ganze Arbeit, um den Track in ein wahres Spektakel zu transformieren. Gepaart mit dem insgesamt recht langsamen Rhythmus des Stücks kommen hier gerne mal leichte BATHORY-Vibes auf. Und die heftigeren Parts sitzen bei den Nordmännern ohnehin wie angegossen, man höre zum Beispiel das finstere „Litil Vis Madr“.

Im Grunde machen HELHEIM auf „WoduridaR“ wenig anders, als sonst. Aber sie machen es verdammt gut. Vor den erhabenen Melodien möchte man ein ums andere Mal niederknien oder einfach nur ehrfürchtig erstarren, während der höhere Grad an Aggression wieder für etwas mehr Zwang im Sound sorgt. Schwächen machen absolut rar bei dieser Platte. Wenn ich eine nennen müsste, wäre es aber das zwar nicht schlechte, aber etwas unpassende Richard Marx-Cover „Hazard“, das als Bonustrack dreingegeben wird und so gar nicht in die Trackliste passen möchte. Es ist aber „nur“ ein Bonustrack und von daher schnell verziehen.

Fernab dessen bleiben sich die Norweger treu und liefern ein Album, das hervorragend für die kälteren Jahreszeiten geeignet ist und das man als Wikinger nicht verpassen sollte.

21.10.2021

Redakteur für Prog, Death, Grind, Industrial, Rock und albernen Blödsinn.

Exit mobile version