Kinetic - Corrosion

Review

Im rheinisch-fröhlichen Köln wird einer Untersuchung zufolge mit sage und schreibe 10.34 Minuten pro Tag bundesweit am meisten gelacht. Seitdem es KINETIC – “Corrosion“ gibt, sind es 11.53 Minuten.

In Köln ist es so, dass man in der lokal grundlegenden Selbstbesoffenheit über die meisten Übel einfach nur lacht, doch hebt diese Platte bundesweit gesehen die durchschnittliche Anzahl der Minuten an, in denen der deutsche Metal-Hörer einfach nur weint. Und was für bittere Tränen muss er vergießen, wenn er sich die ganzen dreiundvierzig Minuten dieses unlizensierten Folterinstruments antut. Wer hier nicht mindestens eine Klinikpackung Tempos griffbereit hat, sollte sich diese Scheibe nur dann anhören, wenn er sich in die Badewanne legen kann. Wer will schon den Teppich klatschnass haben… an aufgequollenes Parkett wollen wir gar nicht denken.

Was sich auf dem Papier erstmal wunderprächtig anliest, nämlich, dass KINETIC im Vorfeld solcher hehren Helden wie SADUS spielen durften, erhöht die Vorfreude auf einen Hörgenuss nicht ganz unerheblich. Wer sich vor den pfeilschnellen Thrash-Ungeheuern behaupten kann, muss doch selbst auch ein ziemliches Brett am Start haben. Bedauerlich: Kein Brett!!! Auch kein Brettchen. Das hier ist CHILDREN OF BODOM plus Gothic-Geschwurbel in schlecht. Das Perfide: Hin und wieder haben die Songs ein nettes Intro parat, wecken also stets eine gewisse Erwartungshaltung. Kommt da jetzt ein Old-School-Thrash-Metal-Song? Nein… weit gefehlt! Das Riffing versumpft, denn ganz arg böse Keyboards kleistern im Grunde nicht schlecht zu nennende Riffs zu. Dazu kommt das Schlagzeug. Was ist denn das? Ist Angelo Sasso jetzt nach Griechenland gezogen? Ganz hervorragend sind die Blasts auf “Faces Far From Reality“… hervorragend von hinten. So hört sich das doch an, wenn ne CD springt, gelle! Vielleicht springt mein Promo-Exemplar ja auch… nein, ich komme nicht umhin zu konstatieren, dass das tatsächlich ABSICHT ist! Und dann dieses Leadklampfen-Gegniedel!
Hodenhochstand noch bevor die Hälfte der Platte rum ist. Ganz ehrlich: Wollt ihr heulend zuhause angetroffen werden und euch dabei den Sack halten?

Hatte ich die weibliche Stimme erwähnt? Ach nein, die hatte ich versucht zu verdrängen. Da ist ein Krächzer, also muss da zwangsläufig auch ne Holde sein, die ihr Vogelgezwitscher dazu trällert. Und die vernichtet auch gleich den einzig ansprechenden Song “Mesmerized Fools“, der zu Anfang nämlich an PESTILENCE zu “Testimony Of The Ancients“-Zeiten erinnert. Erst singt der Kerl was, dann singt die Dame was und die restlichen Herren spielen dazu ihre Instrumente. Das ist überhaupt die Wurzel des Problems. Die Songs wirken ohnehin schon zerfahren und über weite Strecken schlicht belanglos, aber durch die beiden Gesangslinien verkommen sie regelrecht zu einem Ärgernis. Da machen die unsäglichen Melodien, die unmotiviert über die Tracks gelegt werden, auch nicht mehr so viel aus.
Hierzu passt die schwachbrüstige Produktion eigentlich ganz gut.

Nach all dem lauten Lachen und all dem Tränenvergießen sei gesagt, dass hier noch einiger Nachbesserungsbedarf besteht. Vielleicht sollte man darauf verzichten, Songs, die mal gut angefangen zu haben, konsequent zu vernichten.

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15.02.2008

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