
NACHTHEEM konnten bereits mit ihrem 2024 erstmals veröffentlichten und 2025 von Terratur Possessions als Remaster neu aufgelegten Demo „Nacht, Zij Met Ons…“ für gespitzte Ohren unter Fans atmosphärischer Schwarzkunst sorgen. Nun steht das nach wie vor anonyme niederländische Projekt mit seinem Debütalbum „Waan Van De Leegte“ bereit, wenngleich man in Sachen Umfang und Qualität auch „Nacht, Zij Met Ons…“ schon als solches hätte bezeichnen können.
NACHTHEEM schärfen ihr Profil
Die musikalische Nähe zu den Landsleuten FLUISTERAARS, die der geschätzte Kollege Johannes Werner NACHTHEEM in seiner Rezension des Demos attestiert hat, bleibt auch auf „Waan Van De Leegte“ bestehen. Vergleiche zu PAYSAGE D’HIVER ziehen allerdings eher nicht mehr, denn zum einen ist die Produktion nochmal eine Idee differenzierter und wärmer als noch auf „Nacht, Zij Met Ons…“ und zum anderen agieren NACHTHEEM heuer auch wesentlich melodischer, weniger Ambient-lastig und näher an gängigen Songstrukturen als Wintherr.
Dieser Umstand rückt das niederländische Projekt wiederum deutlicher in die Nähe der bereits im Zuge des Demos zitierten ULVER und ihres Klassikers „Bergtatt“, der einen nicht unerheblichen Einfluss auf das Langspieldebüt von NACHTHEEM ausgeübt haben dürfte. Aber auch sehr frühe BORKNAGAR und sogar (Viking-)BATHORY scheinen besonders in den etwas an Quorthon erinnernden, entrückt verhallten Klargesangspassagen durch. Daneben haben NACHTHEEM wie gesagt ihr Songwriting etwas gestrafft und wenngleich die Stücke nach wie vor eine eher ruhige und durch gezielte Repetition meditative Stimmung vermitteln, so lässt man sich ein paar überraschende Wendungen doch nicht nehmen.
Der Opener „Geen Vuur In Gods Hallen“ beispielsweise geht es überwiegend gemächlich an und strahlt dabei eine Art erhabene Euphorie aus, drückt aber im letzten Drittel nochmal ordentlich auf die Tube und regt sogar zum vorsichtigen Headbangen an. Ein gelungenes Detail ist auch die parallel das Hauptriff nachspielende Akustikgitarre zum Ende des Songs. Die majestätische Grundatmosphäre bleibt trotz harscher Momente auch im weiteren Verlauf des Albums erhalten, wobei besonders die Klargesangspassagen und hintergründige Chöre stimmungsvolle Ausrufezeichen setzen und ein Gefühl von Weite und Sehnsucht vermitteln.
„Waan Van De Leegte“ setzt auf klarere Songstrukturen und weniger Ambient
Den Großteil der auf dem Demo noch weiter verbreiteten Ambient-Klänge haben NACHTHEEM diesmal in „De Ontwaking“ gebündelt, das mit Akustikgitarre, Trommeln, Flöte und vernebelten Schamanengesängen für eine entrückte Ritual-Atmosphäre sorgt. Ausschweifende Ambient-Passagen gibt es tatsächlich sonst nur noch am Ende des zehnminütigen Titeltracks, der damit auch das Album auf einer sehr meditativen, in sich gekehrten Note beschließt.
Ein Stück weit haben NACHTHEEM ihr Profil auf „Waan Van De Leegte“ geschärft, dabei etwas Ballast über Bord geworfen und sowohl Songwriting als auch Produktion besser ausdifferenziert. Nichtsdestotrotz wird Fans atmosphärischen Black Metals auch weiterhin vieles bekannt vorkommen, was einerseits kaum vermeidbar und andererseits auch kein wirkliches Problem ist, handelt es sich doch um eine heimelige, nostalgische Bekanntheit, die sich irgendwie auch ein bisschen wie nach Hause kommen anfühlt.
Das größte Manko ist also auch bei „Waan Van De Leegte“ wiedermal der Veröffentlichungszeitraum, denn trotz des etwas wärmeren Sounds ist das hier einfach keine Musik für die Frühlings- und Sommermonate. Wenn also bei Temperaturen, die bereits gefährlich auf die 30 Grad zugehen, nicht so richtig Stimmung aufkommen will, dann sollte man das Debüt-Album von NACHTHEEM vielleicht einfach nochmal bis zum Herbst reifen lassen und wieder rauskramen, wenn die Tage kürzer werden, die Blätter sich verfärben und kalter Wind durchs Geäst rauscht.

Hans Völkel






























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