Nightwish - Century Child

Review

Die Finnen von NIGHTWISH kann man wohl getrost als DIE Senkrechtstarter der letzten Jahre bezeichnen. Meisterwerke wie “ Oceanborn“ oder „Wishmaster“ preschten überall in den Charts mindestens mal unter die Top 20 und Tourneen waren fast immer restlos ausverkauft. Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass sich dies beim neuen Output der Mannen um Ausnahmefrontfrau Tarja Turunen genauso verhalten wird. In Ihrem Heimatland erreichte „Century Child“ schon zwei Stunden nach Veröffentlichung mit 15.000 verkauften Exemplaren Goldstatus und im Falle NIGHTWISH ist wirklich alles Gold, was glänzt. Man fährt konsequent die erfolgreich eingeschlagene „Wishmaster“-Schiene weiter, ohne sich jedoch selbst zu limitieren, geschweige denn zu kopieren. Etliche Neuerungen haben den Weg in das Soundgewand des finnischen Exportschlagers gefunden. So wurde bei den Aufnahmen erstmals für fünf Songs auf ein komplettes Orchester samt Chor zurückgegriffen, was dem schon immer hohen Bombastfaktor hörbar zugute kommt, da er jetzt wesentlich ausdifferenzierter klingt. Noch dazu gibt es erstmals seit dem „Angels Fall First“-Debüt wieder einen männlichen Gegenpart zu Tarjas einmal mehr erhabenen Vocals. Der Neuzugang am Bass, Marco Hietala, schafft mit seinen gelungenen, aber sicherlich gewöhnungsbedürftigen Gesangparts in Tracks wie „Dead To The World“ oder der Andrew Lloyd Webber-Musical-Adaption „The Phantom Of The Opera“ einen wunderbaren Kontrast zu Tarjas Gänsehautmelodien. Am meisten fällt aber auf, dass NIGHTWISH auf „Century Child“ härtemäßig gegenüber den Vorgängern mehr als eine Schippe draufgepackt haben. Noch nie zuvor brezelte die Gitarrenabteilung derart heftig mit knackigen Riffs drauflos. „Slaying The Dreamer“ ist der wohl härteste NIGHTWISH-Song ever. Doch keine Angst, ihre Trademarks wie das dominante, en masse Ohrwurmmelodien produzierende Keyboard, die intelligenten Songaufbauten, die ausgefeilten Arrangements, den Bombast und natürlich den unter die Haut gehenden Gesang von Madame Turunen haben sie keinesfalls ad acta gelegt. Bestes Beispiel hierfür ist das die Platte abschließende, knapp elfminütige Epos „Beauty And The Beast“, dass alle Stärken dieser Ausnahmeband noch einmal auf den Punkt bringt. Das Glück perfekt machen dann Tracks wie „Forever Yours“ (eine alles zum Schmelzen bringende Ballade, die fast an „Walking In the Air“ rankommt ), „Ocean Soul“ (enthält wohl Tarjas bisher schönste Gesangslinie) oder der phänomanale Opener „Bless The Child“. Darüber, welches Album der Band nun das beste ist, ließe sich ewig streiten. Ich persönlich aber finde, dass „Century Child“ „Wishmaster“ noch toppt, weil es wesentlich ausgereifter und einfach erwachsener klingt. Hoffentlich war dies nicht das letzte Album in dieser begnadeten Besetzung!

24.06.2002
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