
Soundcheck August 2026# 7
Tel Avivs WALKWAYS öffnen mit „A Reminder“ ein neues Kapitel ihrer Bandgeschichte. Auf ihrem dritten Album verabschiedet sich die Alternative-Metal-Band ein Stück weit von der unmittelbaren Härte früherer Veröffentlichungen und richtet den Blick stärker nach innen. Das Ergebnis klingt intensiv, verletzlich und ungewöhnlich persönlich. „A Reminder“ wirkt wie eine musikalische Operation am offenen Herzen – direkt, schmerzhaft und ohne viel Schutzschicht.
WALKWAYS flüstern sich in die Platte
Schon der Einstieg überrascht. Statt sofort mit schweren Gitarren loszulegen, eröffnen sanfte Pianoklänge das Album. WALKWAYS setzen die gleichnamige Ballade „A Reminder“ bewusst an den Anfang und flüstern sich damit in die Platte. Der Song wirkt intensiv und gefühlvoll, fast schon intim. Gleichzeitig vermittelt er den Eindruck, dass die Band hier so offen wie selten zuvor zu Werke geht.
„A Reminder“ bleibt nicht lange still
Lange bleibt es allerdings nicht ruhig. „A F**k You, A Thank You“ dreht den Regler deutlich nach oben und klingt wütend, dreckig und angepisst. Der Song bringt die rohe Energie zurück, die man von WALKWAYS kennt, setzt sie aber gezielter ein. Danach groovt „A Devil’s Mist (Fire)“ mit ordentlich Druck aus den Boxen. Die Vocals bekommen fast progressive Züge, während die Hookline mit voller Wucht einschlägt.
Auch „A Virus. Prove Me Wrong“ zeigt, wie vielseitig WALKWAYS auf ihrem dritten Album agieren. Shouts treffen auf gerappte Passagen, wodurch der Song permanent in Bewegung bleibt. Genau diese Wechsel prägen „A Reminder“: Die Platte lebt vom Spannungsfeld zwischen leisen und lauten Momenten. Gesprochene Worte, Pianopassagen und Streicher sorgen immer wieder für neue Impulse, ohne dass das Album seinen roten Faden verliert.
Emotionaler Tauchgang
Im Vergleich zum Vorgänger tauchen WALKWAYS diesmal deutlich tiefer. Die Band lotet ihre verletzliche Seite aus und packt Themen an, die wehtun. Viele Texte wirken leidend und persönlich, ohne in bloße Selbstinszenierung abzurutschen. Gerade dadurch gewinnt „A Reminder“ seine größte Stärke: WALKWAYS wollen nicht einfach nur laut sein, sondern etwas erzählen.
„A Reminder“ ist ein deutliches „Leaving The Comfortzone“
Nicht jeder Moment erreicht dabei die Intensität seiner stärksten Songs. Manchmal verliert sich die Platte etwas in ihrer emotionalen Schwere, und auch die ruhigeren Passagen entwickeln nicht immer dieselbe Zugkraft wie die großen Ausbrüche. Trotzdem gelingt WALKWAYS ein mutiger Schritt nach vorn. „A Reminder“ zeigt eine Band, die ihre Komfortzone verlässt, mehr riskiert und dabei eine überraschend offene Seite präsentiert.

Jeanette Grönecke































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