Rammstein - Herzeleid

Review

Der 24. September 1995 sollte für deutschsprachigen Metal richtungsweisend werden, wobei RAMMSTEIN’s Debüt-Album „Herzeleid“ zunächst nicht den Erfolg ernten konnte, den sich die Band sicherlich gewünscht hatte. Erst etwas über ein Jahr später, als David Lynch’s „Lost Highway“ in die Kinos kam und der begleitende Soundtrack zwei Titel („Heirate Mich“ und „Rammstein“) der Band promotete, schlug das Album Wellen und bereitete den Weg zum Erfolg, den das Zweitwerk „Sehnsucht“ kurze Zeit später mit dem weltweit abgefeierten Hit „Engel“ besiegelte.

„Herzeleid“ klingt im Vergleich zu späteren technisch versierteren Alben der Band völlig roh und ungezähmt. In martialischer Art und Weise werden tanzbare Elektronikrhytmen, Samples und brachiales, simples Gitarrenwerk zusammengebracht, was in dieser Form von RAMMSTEIN später nie wieder zu hören war. Dies liegt zum Einen sicherlich am Publikum, das durch Einwirkung des eigenen (a)sozialen Umfelds, der Medienberichterstattung und Filmen wie „Saw“ und „Hostel“ zum Beispiel immer abgestumpfter wird, zum Anderen aber auch an der Band selbst, die sich durch „Engel“ eine unlösbare Bürde auferlegt hat, weiterhin trotz versuchter Provokation und riff-orientierten Stromgitarren möglichst massenkompatibel zu klingen. Dies äussert sich nicht nur in den musikalischen Ergüssen, die nach „Sehnsucht“ immer handzahmer wurden und in „Reise, Reise“ ihren bisherigen Tiefpunkt erreichten, sondern auch in den Texten, die sich zwar nach wie vor ins Gerede bringen (wollen), doch häufig einfach zu platt sind, (mittlerweile) schlichtweg langweilen („Keine Lust“) oder sogar einfach nur noch lächerlich sind („Te Quiero Puta“).

„Herzeleid“ ist ein völlig genialer Erstling und für mich persönlich das beste RAMMSTEIN Album, auf dem Songs wie „Wollt Ihr Das Bett In Flammen Sehen“, „Der Meister“, „Du Riechst So Gut“, „Weisses Fleisch“ und „Heirate Mich“ eine ungewöhnliche, einzigartige Mischung aus schaurig-schöner Gruselromantik und derben Fantasien mit messerscharfen Riffs, monolithischen Songstrukturen und düster-debilem Gesang bildet, die es (jedesmal wieder) zustandebringt, die Nackenhaare aufzurichten um in einem Wirbel aus Grausamkeit und Absurditäten zu versinken: „Der Wahnsinn ist nur eine schmale Brücke, die Ufer sind Vernunft und Trieb…“

01.03.2007
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