Shakhtyor - Tunguska

Review

Erstmals auf der Bildfläche erschienen die Hamburger Schachtarbeiter SHAKHTYOR vor drei Jahren mit ihrem selbstbetiteltes Debüt, welches seitdem bei vielen Hörern innerhalb der Post-Metal-Gemeinde Anklang fand. Nun legt das Trio mit „Tunguska“ sein Zweitwerk nach und beschreitet im Laufe der annähern 50 Minuten den auf dem Erstling eingeschlagenen Pfad weiter: Dröhnende Gitarren, ein massiger Bass und polternde Drums kredenzen eine rüde Mixtur aus Post-Metal und Sludge, wobei sich phasenweise auch einige adrette Melodien ihren Weg durch das überwiegend ruppige Songgestrüpp bahnen. Wie schon auf dem Debüt sind bis auf einige vereinzelte Sprachsamples im Schlusstrack alle Songs rein instrumental gehalten.

Einen überzeugenden Eindruck hinterlässt bereits beim ersten Durchlauf die Abmischung der Platte, welche den bestmöglichen Spagat zwischen Dreck, Härte und Transparenz bewerkstelligt. Diese Tatsache ist allerdings kaum eine Überraschung, denn mit Roland Wiegener saß in der Oldenburger Tonmeisterei ein Mann hinter den Reglern, der seine Kompetenzen bei Produktionen mit Bands wie TEPHRA, OMEGA MASSIF und LONG DISTANCE CALLING bereits mehrfach unter Beweis gestellt hat.

„Baryon“ eröffnet die Platte nach kurzem Feedback-Intro verhältnismäßig flott und druckvoll, nimmt sich anschließend etwas zurück und driftet dann in Richtung melodisch angehauchter Doom-Klänge – bevor ein rauer, mächtiger Post-Metal-Part den Song beendet. Dabei zeigt sich allerdings auch: Die meist minimalistisch gehaltenen Tonfolgen sind zwar stets greif- und hörbar, brennen sich aber nicht sofort in die Gehörgänge ein. Erst mit der Zeit entfalten sie ihre Kraft und Wirkung – einige allerdings bleiben auch nach mehreren Umdrehungen blass. Eine Aussage, die so jedoch zunächst nur für das erste Drittel der Platte zutrifft, denn spätestens beim Songmonster „Zerfall“ legen SHAKHTYOR zur Halbzeit in puncto Klasse und Intensität noch einmal ein paar Kohlen nach. Genannter Brecher transportiert über die Dauer von zehn Minuten eine wahrlich bemerkenswerte Wucht und Kraft, der sich der Hörer nur schwer entziehen kann: Nach verhaltenem Beginn mit warmen Akkorden und filigranen Drums türmt sich der Song schließlich zu einem Sludge-Biest erster Güte auf und walzt alles und jeden gnadenlos nieder. Wahnsinn!

Nach einem kurzen und geschickt inszenierten Ausflug in schwarzmetallische Gefilde („Schlagwetter“ – großartiger Song à la CULT OF LUNA meets ABRAHAM!) schleppt sich der Titeltrack anschließend minutenlanges durch einen dickflüssigen Drone-Doom-Sumpf. Dramaturgisch bietet der Song zwar weitaus weniger Amplituden als die vorherigen, schleift dafür aber jede Menge Wut und Dreck mit sich herum. Der Schlusstrack „Solaris“ wiederum besitzt anfangs eine hypnotische Psychedelic-Schlagseite, beschwört im Mittelteil noch einmal mantraartige Riffstürme herauf, um schließlich in einem ausgedehnten Fade-out zu verklingen. Das Ganze kommt zwar durchweg stimmig daher, ist allerdings auch ein wenig zu sparsam inszeniert, um vollends zu überzeugen.

Letztendlich ist „Tunguska“ im Vergleich zu Debüt ein deutlicher Schritt nach vorn, SHAKHTYOR lärmen tight und fokussiert voran, besitzen zudem das nötige Maß an Eigenständigkeit und Durchschlagskraft. Zudem hat die Band mit „Zerfall“ und „Schlagwetter“ zwei überragende Songs aus den Untiefen der Schächte gezogen. Das restliche Material allerdings ist insgesamt „nur“ gut bis durchschnittlich, weswegen es am Ende für eine Achter-Wertung nicht reicht. Fans und hartgesottenen Sludge-Freunden wird das allerdings reichlich egal sein – für sie dürfte sich „Tunguska“ zu einem wahren Liebhaberstück werden.

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17.04.2015

"Am Ende isses immer Arbeit."

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