
„Realpolitik“ also. Wie auch sonst nennt man sein Album, wenn man sichergehen will, dass garantiert jeder eher an Telekolleg-Sendungen denken muss anstatt an Musik? Aber, immerhin: Textlich geht es bei THE REPUBLIC OF DESIRE sowieso höchst politisch zu – mit den Idealen, die man noch aus der ursprünglichen Punkbewegung kennt. Will sagen: Harmloses Gezeter gegen Kapital und Krieg locken schon lange niemanden mehr hinter dem Ofen hervor und schon gar nicht, wenn die Botschaft so unoriginell verkleidet ist; aber darum soll es nun in der Hauptsache auch nicht gehen.
Kommen wir also zum wichtigeren Punkt: Wie klingt es? Die Presseinfo hält dazu eine ebenso imposante wie prägnante Erklärung bereit: „LUSTMORD molesting the corpses left over from a bottle fight between Death Metal and Punk“. Aha. „Industrial Post Death Metal“ schimpft sich das Ganze dann wohl und hört sich auch so an, wobei ich vorwegnehmen darf, dass man aus der Idee an sich mehr hätte machen können.
Mit einem griffigen Riff beginnt „Realpolitik“; wuchtige Gitarrenarbeit, ein akkurat knallendes Schlagzeug und ein voluminöser Klang, in dem man vielleicht ein kleines bisschen differenzierter hätte arbeiten dürfen, geben zunächst einen überaus guten Eindruck ab und ziehen sich durch das gesamte Album. Der „industrielle“ Anteil beschränkt sich, einmal abgesehen von den überproportional zahlreichen abstrakten Einleitungen der Stücke, hauptsächlich auf kalt-melancholisch angehauchte Synthesizerflächen. Diese legen sich über konsequent hämmernde Lärmteppiche aus einem manchmal eingängigen, sich immer aber in höheren Geschwindigkeiten befindlichen Schlagzeug und dröhnenden Gitarren.
Damit werden manchmal atmosphärische Momente heraufbeschworen, sehr häufig aber auch Dissonanzen, die oft in schwammigem Lärm enden, was nun per se ja nichts Schlechtes ist und sich manchmal sogar gut macht. Leider verpasst THE REPUBLIC OF DESIRE es aber, dem Krach eine Richtung, ein Ziel zu geben, sodass die Kernstücke für sich genommen recht wenig Wiedererkennungswert besitzen. Durch das ständige Getrümmer in einander sehr ähnlichen Rhythmen und Harmonien, sofern vorhanden, ergibt sich hauptsächlich Monotonie, sodass schon nach ein paar Stücken die Reize vollkommen überflutet sind und es sich die Ermüdung im Ohr gemütlich macht. Selten befreit sich „Realpolitik“ aus diesem, nun ja, Trott, dann aber meist mit Hilfe von langsameren Passagen, Keyboard und elektronischen Verfremdungen – der Sänger hat in Sachen Abwechslung oder gar Originalität überhaupt sehr wenig mitzureden und ist am gleichförmigen Erscheinungsbild mancher Stücke nicht unwesentlich beteiligt.
Am Ende steht man vor einem Album, von dem man sich nur wenige Passagen auf Anhieb merken konnte. Nicht immer muss das schlecht sein, aber im vorliegenden Fall ist das wohl schlicht auf die großteils vorherschende Gleichförmigkeit zurückzuführen. So wird „Realpolitik“ letztlich dadurch behindert, dass es für ein Metalalbum zu gleichförmig, für Industrial aber zu oft auf ausgetretenen, belanglosen Pfaden wandelt. Zieht man eine durchgehend solide Leistung und ein paar seltene Ausreißer nach oben in Betracht, gehört diese Veröffentlichung zu all denjenigen, die man mal gehört haben kann, die man sich aber keinesfalls über eine ganze Albumlänge geben muss.

Republic of Desire - Realpolitik
Republic of Desire,the - Realpolitik





























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