Thenighttimeproject - Pale Season

Review

Soundcheck Juni 2019# 3

Der ehemalige KATATONIA-Gitarrist Fredrik Norrman mutiert derzeit wohl zum absoluten Workaholic. Gerade erst erschien ein, äußerst gelungenes, neues Album seiner derzeitigen Hauptband OCTOBER TIDE. Aber dann gibt es ja auch noch THENIGHTTIMEPROJECT, jene Band mit der er statt der Death-Doom-Vergangenheit seiner ex-Truppe eher in Sphären von deren aktuellem Sound wandelt. Nach dem Debüt von 2016 wurde es erst einmal etwas stiller, zumal auch der damalige Sänger Tobias Netzell (IN MOURNING, ex-OCTOBER TIDE) mittlerweile ausgestiegen ist. Mit neuem Frontmann soll es nun aber weiter gehen, der neue Longplayer „Pale Season“ steht in den Startlöchern.

THENIGHTTIMEPROJECT – Depressive Rock mit Songwriting-Schwäche

Der Promo-Zettel spricht stilistisch von einer Mischung aus Alternative-, Progressive- und Post-Rock mit weiteren Einflüssen, u.a. aus Gothic und Doom. Da mag zwar etwas dran sein, ehrlicherweise könnte man das dargebotene aber auch einfach „Depressive Rock“ nennen, womit der Kreis zu KATATONIA sich wieder komplett schließt. Dies wird auch bereits im eröffnenden „Hound“ deutlich, das sich auf ruhige Akustik-Klänge beschränkt. Noch größer werden die Parallelen aber, wenn in „Rotting Eden“ das erste Mal E-Gitarren zum Einsatz kommen, auch wenn ganz vereinzelt gutturaler Gesang eingestreut wird.

Im weiteren Verlauf des Albums wird es dann immer schwieriger, einzelne Nummern heraus zu greifen. Vieles plätschert vor sich hin, ohne wirklich schlecht zu sein oder unbedingt zum Betätigen der Skip-Taste zu verleiten. Dennoch zeigt sich ganz klar, dass Fredrik Norrman in puncto Songwriting mit dem Duo Nyström/Renkse einfach nicht mithalten kann. Die Songs sind zwar schön mit Keyboards, cleanen Leads und vereinzelt sogar einer Hammond-Orgel ausgeschmückt, achtet man aber auf die Basis, nämlich die verwendeten Riffs, kann es ganz schön langweilig werden.

Ein weiteres großes Problem von „Pale Season“: Die Vocals. Alexander Backlund (LETTERS FROM THE COLONY) kann singen, keine Frage. Beschränkt er sich auf düsteres Raunen, wie zu Beginn von „Hound“ oder darauf, möglichst wie Jonas Renkse zu klingen, passt das auch noch sehr gut zur Stimmung des Songmaterials. Legt er sich allerdings mehr ins Zeug, klingt seine Stimme aber einfach extrem poppig und würde wohl am ehesten zu einer amerikanischen College-Rock-Band passen. Somit kommt Backlund leider weder an seinen Vorgänger Netzell und natürlich erst Recht nicht an die zerbrechlich-verzweifelte Sangesleistung von Renkse heran, da seine Vocals oftmals einen Teil der düsteren Atmosphäre wieder relativieren. Das zeigt sich auch gen Ende noch einmal dadurch, dass die Gast-Vocals von Heike Langhans (DRACONIAN) den Song „Signals In The Sky“ direkt deutlich aufwerten.

Keine Totalausfälle, keine wirklichen Highlights – „Pale Season“

Handwerklich ist bei THENIGHTTIMEPROJECT sicherlich alles im grünen Bereich. Zweitweise schafft man es auch, eine düstere Grundstimmung aufzubauen. Leider berührt „Pale Season“ aber auf Albumlänge einfach nicht, was in dieser Stilrichtung ein ziemliches K.O.-Kriterium darstellt, da die Musik ja kaum dazu dienen soll, mal richtig abzugehen oder einfach nur Ohrwürmer zu erschaffen. Ja, Totalausfälle finden sich zwar überhaupt nicht, Highlights haben aber auch Seltenheitswert.

Manch einer mag sich an den ständigen KATATONIA-Vergleichen dieser Rezension stören. Wer sich aber stilistisch von vornherein so offensichtlich an seiner ehemaligen Kapelle orientiert, der muss sich eben auch an deren Qualität messen lassen. Und während diese sich – wenn auch nicht immer zur Freude der Fans – stetig weiterentwickelt hat und zuletzt ihren Stil verstärkt für komplexere, progressive Elemente öffnete, treten THENIGHTTIMEPROJECT eher auf der Stelle und versteifen sich irgendwo in der Ecke von „Night Is The New Day“. Zugegeben, ein tolles Album, aber eben bereits existent.

Wer unbedingt Ersatz für die, neben ein paar Touraktivitäten, gerade auf Eis liegenden KATATONIA sucht, der kann hier durchaus mal ein Ohr riskieren, da „Pale Season“ zumindest ein durchschnittliches Album ist und in einigen Momenten sogar ein klein wenig mehr ist. Wirkliche Eigenständigkeit oder einen qualitativ mit dem Original vergleichbaren Gesang sollte man aber lieber nicht erwarten.

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20.06.2019

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