Traitor - Thrash Command (Re-Release)

Review

Galerie mit 11 Bildern: Traitor auf dem Summer Breeze Open Air 2016

„Thrash Command“, das 2012er Debüt-Album der Balinger TRAITOR, gibt es nun neu aufgelegt mit einer Live-DVD des Titels „Beyond The Command“ als Bonus. Leichte Ernüchterung kommt indes schon beim Auspacken der Scheibe: FSK 0. Da hatte der klassische Poser-Pulverisator vom Cover aus der Feder von Andreas Marschall UND Andrei Bouzikov (?) mehr versprochen. Der Konzertfilm zeigt allerdings eine routiniert aufspielende Band mit singendem Schlagzeuger (EXCITER anyone?), die eine knappe Dreiviertelstunde keine Gefangenen nimmt. Nette Zugabe. Und die Shirts der vier Jungs weisen auch dem Tauben präzise den Weg: EXUMER, WARBRINGER und zwei Mal frühe KREATOR.

Im Titeltrack „Thrash Command“ heißt es im Refrain zudem „Bonded by blood, in union we stand“. Stilistische Ziellosigkeit gibt es bei TRAITOR nicht. Originalität andererseits auch nicht. Auf dem Album der Süddeutschen bekommt der rückwärtsgewandte Freund von Röhre und Basketball-Latschen wuchtig produziert ohne Experimente und Kompromisse, was er erhofft, was er erwartet. Exemplarisch sei „Spiritual Warfare“ genannt, welches bis zum EXODUS-Gangshout melodisch-böse auch von Hanneman und King hätte sein können, sich dann aber bis zur erneut SLAYEResken Solo-Miniatur zu einem soliden KREATOR-Song entwickelt.

Ja, in seinen besten Momenten erreicht „Thrash Command“, auch durch das Gekeife Andreas Mozers, tatsächlich annähernd die Intensität früher KREATOR; insgesamt hätte der Scheibe etwas mehr eigenes Profil – ich weiß, das war wohl nicht das erste Ziel – aber gutgetan. (Der melodische Mittelteil von „Temples Of Doom“ immerhin lässt aufhorchen.) Denn Platten mit skizziertem Sound gibt nun mal containerweise. Und seien letztere auch – Ehrensache – nuklear verseucht: Ohne Champions-League-Songwriting, echten Wahnsinn oder ungehörte Endgegner-Killerriffs entwickeln solcherart Scheiben 2015 nur noch begrenzte Strahlkraft. Laune macht „Thrash Command“ nichtsdestoweniger.

Fazit: Knappe Wertung, da überdurchschnittlich, aber nicht überragend. Und: In dubio pro!

Zweierlei noch zu den Lyrics: Natürlich haben TRAITOR, wie auch im Booklet vermerkt, keinerlei unlautere Absichten. Aber einen schmissigen Thrash-Song über die SS zu schreiben („Death Division“), auf die Idee wäre ich nicht gekommen. Das eingedeutschte „Thrash Kommando“ als Bonus muss mit seinem Bollo-Text dagegen eigentlich sogar dem jeweiligen Opfer ein Lächeln in die (nun wohl zahnlose) Visage zaubern: „Es schallt ein Schrei vom Scheiterhaufen, die Poser können nicht weglaufen, das Urteil lautet ‚Tod durch Feuer‘, das Gepose wird für sie jetzt teuer.“ Man stelle sich vor, Metal würde immer in der Muttersprache…

09.03.2015

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