Twilight Force - At The Heart Of Wintervale

Review

Soundcheck Januar 2023# 16 Galerie mit 8 Bildern: Twilight Force - Summer Breeze Open Air 2023

TWILIGHT FORCE melden sich mit ihrem vierten Album „At The Heart Of Wintervale“ zurück und liefern ein post-weihnachtliches Fantasy-Spektakel ab, dass die Glocken süßer nie klingen. Doch seid vorgewarnt! Wer Heavy Metal grundsätzlich mit speckigem Leder, Dreck und roher Gewalt verbindet, wer an chronischer Laktoseintoleranz und/oder Metal-Diabetes leidet, wem sich bereits bei RHAPSODY OF FIRE die Fußnägel hochrollen und wer bei unserer Review zur aktuellen FELLOWSHIP Tod und Teufel zeterte: einfach nicht weiterlesen. Es wird zuckrig und auch eine ordentliche Portion Käse wird gereicht.

TWILIGHT FORCE lassen die Glocken klingen

Schon der Opener „Twilight Force“ macht mit Glöckchen, Keyboards und allerlei anderem Hintergrundgeklimper klar, dass wir im metallischen Märchenwald angekommen sind. Dabei halten sich die Schweden bei der flotten Euro-Power-Metal-Nummer sogar noch vergleichsweise mit bombastischem Symphonie-Overkill zurück. Der RHAPSODY-Einfluss ist dabei natürlich allgegenwärtig, was ja auch nicht verwunderlich ist, hat der 2018 dazugestoßene Frontmann Alessandro Conti doch zuvor für LUCA TURILLIs Inkarnation der italienischen Institution geträllert.

Der Titeltrack zieht das Bombast-Level dann graduell weiter an, während sich immer mehr orchestrale Elemente ihren Weg bahnen. Spätestens beim richtiggehend aggressiv fröhlichen „Dragonborn“ fallen dann mit Vivaldi-Reminiszenzen sowie einem unfassbar süßlichen und theatralischen Refrain alle Hemmungen. Trveheimer werden kotzen, Spaß macht das aber schon irgendwie. Gute Laune soll ja ansteckend sein.

Mit „Highlands of the Elder Dragon“ und „The Last Crystal Bearer“ befinden sich gleich zwei ausufernde Zehnminüter auf dem Album, welche die volle Breitseite aus Pathos, orchestraler Opulenz, wieselflinken Soli und schmachtendem Hochton-Gesang abfeuern. Grade bei „The Last Crystal Bearer“ wird geklotzt und nicht gekleckert, wobei „Skyknights of Aldaria“ und das quietschvergnügte „The Sunlight Knight“ zeigen, dass man auch in der Hälfte der Spielzeit mindestens genauso ordentlich auf die Kacke hauen kann.

Eine Verschnaufpause von Bombast-Dauerbeschuss und gut gelauntem Happy Metal gibt es eigentlich erst zum Schluss mit dem Versuch einer Irish-Folk-Ballade in Form von „The Sapphire Dragon of Arcane Might is Back Again“. Auf instrumentaler Seite klappt das auch ganz gut; aber ausgerechnet Allessandro Conti, der selbst in den höchsten Tönen fest im Sattel sitzt, gerät in der ruhigeren Stimmlage ins Wanken und liefert hier eine erschreckend kraftlose Performance ab. Das soll allerdings sein einziger Ausrutscher bleiben.

Darf es auch ein bisschen mehr sein?

Im Grunde kriegt man auf „At the Heart Of Wintervale“ genau das, was man von TWILIGHT FORCE erwartet: bombastischen und hochmelodischen Euro Power Metal, dem allerdings jede Aggressivität abgeht und der stattdessen auf einen latenten Disney-Flair setzt. Gefühlt tragen die Schweden dabei sogar noch etwas dicker auf als zuvor, weshalb man schon eine ausgesprochene Toleranz für den diesem Genre ohnehin schon inhärenten Kitsch und Käse mitbringen muss.

So man sich aber mit derartigen Tönen anfreunden kann und Heavy Metal nicht zwangsweise über Härte oder Aggressivität definiert, kann man sich von TWILIGHT FORCE für eine gute Stunde ins Wintermärchenland entführen lassen und wird dabei gut unterhalten. Die technischen Fähigkeiten der Musiker stehen dabei so oder so außer Zweifel.

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13.01.2023

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2 Kommentare zu Twilight Force - At The Heart Of Wintervale

  1. Legdrasil sagt:

    Für Leute die sich im Power- und Symphonic Metal zu Hause fühlen ist das Album ein Fest! Jeder Sobg hat eine Melodie die sofort hängen bleibt und die Thematik ist für Fantasy Fans einfach extrem ansprechend. Definitiv eine Empfehlung!

    8/10
  2. Nici67 sagt:

    In der Tat ein gelungenes Album, aber es braucht kein Song 10 Minuten lang sein, wenn keine Abwechslung vorhanden ist. Highlands of the Elder Dragon ist so ein Kandidat, The Last Crystal Bearer macht es dann schon besser. Auch auf A Familiar Memory hätte man verzichten können. Sonst finden sich aber starke Power Metal Tracks wie Twilight Force oder der Titeltrack.

    7/10