Unleashed - As Yggdrasil Trembles

Review

Bei einem solch vollmundigen Albumtitel kommt man ja kaum umher, sich eingangs zu fragen, ob die schwedische Todesstahl-Legende UNLEASHED mit ihrer zehnten Full-Length-Gabe “As Yggdrasil Trembles“ tatsächlich (noch einmal) solch einen Death-Metal-Hammer auf Midgard hernieder gehen lässt, dass der Weltenbaum erzittert. Denn waren “Where No Life Dwells“ und “Shadows In The Deep“, die ersten beiden Alben der Truppe um den ehemaligen NIHILIST-Viersaiter Johnny Hedlund, Anfang der Neunziger Jahre absolute Genre-Perlen, lieferten UNLEASHED in der Folge einige weniger zwingende Scheiben ab, wenngleich die letzten Werke “Midvinterblod“ und “Hammer Battalion“ die Nordmänner wieder auf Kurs zeigten.

Bevor “As Yggdrasil Trembles“ der genaueren Prüfung und Bewertung unterzogen wird, sollte bei einer so altgedienten Band wie UNLEASHED kurz die Erwartungshaltung abgesteckt werden: Erhofft man sich die Neuerfindung des Rades, Innovation und Blicke weit über den Tellerrand hinaus oder schlicht und einfach eine knackige Ausführung dessen, was die Schweden schon seit zwei Jahrzehnten abliefern – schnörkellosen Death Metal. Nun, aller Wahrscheinlichkeit nach wünscht sich der gemeine UNLEASHED-Fan Letzteres und das – soviel sei vorweg genommen – bekommt er auch.

Das Album bietet keine Stilmodifizierungen, dafür sind alle altbekannten Markenzeichen der Band mit an Bord: Hedlunds charismatischer, rauer Gesang, das präzise Gitarrenspiel der Herren Masgard und Folkare, gewürzt mit feinen Melodien und Soli, und dazu das simple, aber treibende Schlagzeug.
Das melodisch-rasende “So It Begins“ kann vollends überzeugen und ist ein erster Höhepunkt. Der Titeltrack schlägt in eine ähnliche Kerbe, ist aber nicht ganz so stark. Das teilweise mit deutschsprachigem Text bestückte, wahlweise kultige oder etwas peinliche “Wir kapitulieren niemals“ (“Was andere sagen, ist uns scheiß egal – wir kapitulieren niemals!“) stellt sich als eine der weniger zündenden Nummern auf einer Scheibe ohne echte Ausfälle heraus.
Als über dem eigentlich mächtigen, aber leider einen Tick zu eingängigen und Chorus-lastigen “Master Of The Ancient Art“ zwischenzeitlich der Gedanke aufkommt, ob die Wikinger vielleicht doch etwas altersmilde geworden sind und beim Sturm auf Lindisfarne von einem Haufen wehrhafter Mönchen abgeschmettert worden wären, wird in der zweiten Albumhälfte mit den wahrlich entfesselt klingenden “Chief Einherjar“, “Return Fire“, “Far Beyond Hell“ und “Dead To Me“ fast nur noch Gas gegeben und gezeigt, dass die Äxte immer noch scharf genug sind, um jeden Schädel zu spalten.
Die beiden mächtig groovenden “Yahweh And the Chosen Ones“ und “Cannibalistic Epidemic Continues“ – letztere Nummer mit besonders fiesen Vocals – setzen dann einen starken Schlusspunkt.

Um zur Ausgangsfrage zurück zu kommen: Erzittert die Weltenesche nun? Ja, auch in ihrer zehnten großen Schlacht lässt der immer noch erstaunlich vehemente Ansturm der Death-Metal-Krieger die Erde erbeben, wenngleich nach zwei Dekaden (natürlich) nicht mehr durchgehend jugendliche Wildheit, sondern eine gewisse Abgeklärtheit beim Blutvergießen regiert.
UNLEASHED erklimmen mit “As Yggdrasil Trembles“ nicht mehr ganz die Höhen ihrer ersten Veröffentlichungen mit Hits vom Kaliber “Before The Creation Of Time“ oder “Shadows In The Deep“. Dafür gibt es beim qualitativ recht homogenen Material keine nennenswerten Ausreißer nach unten, viel Zufriedenstellendes und ein paar wirklich furiose Attacken. Die Schweden bestätigen das Niveau der beiden gutklassigen Vorgänger, warten mit allen altgedienten Trademarks auf und schaffen es dabei trotzdem, frisch zu klingen.

04.03.2010
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