
Soundcheck Oktober 2026# 1
Galerie mit 8 Bildern: Wolves In The Throne Room - Summer Breeze Open Air 2026


WOLVES IN THE THRONE ROOM machen auf ihrem achten Langspieler „Estuary“ einen Zeitsprung von schlappen 1000 Jahren. Das Konzeptalbum unserer Soundcheck-Sieger entführt uns in eine postapokalyptische Zukunft voller gespenstischer Ruinen, mutierter Kreaturen und wilder Magie, in der sich die Überlebenden einer neuen Religion zuwenden. Und auch musikalisch ist der Blick der US-Black-Metaller nach vorne gewandt, ohne dabei jedoch die Vergangenheit zu verleugnen.
WOLVES IN THE THRONE ROOM schreiten durch die Ruinen
Tatsächlich schaffen es die Weaver-Brüder und ihre Kollaborateure nämlich erneut, ihren ureigenen Sound mit neuen Impulsen zu füttern und dabei doch zu jeder Zeit nach WOLVES IN THE THRONE ROOM zu klingen. Schon mit dem das Album eröffnenden Titeltrack fällt auf, wie mächtig und finster „Estuary“ besonders im Vergleich mit dem fast schon luftigen Vorgänger klingt. Dies liegt nicht etwa an einer besonders fetten Produktion, die fühlt sich nämlich genau so urwüchsig an, wie man es sich von den Amis wünscht. Viel mehr vermittelt das Songwriting eine düstere Schwere und Epik, die sich durch das gesamte Album zieht. Untermauert wird dieser Eindruck sowohl von wuchtigen Schlagzeug-Arrangements als auch von punktuell verstärkt eingesetzten Growls, durch die sich der Gesang insgesamt etwas vielseitiger gestaltet.
Dass WOLVES IN THE THRONE ROOM trotzdem noch ordentlich schwarzmetallisch brettern können und zugleich ein Händchen für feine Melodien haben, zeigen sie im gleichen Atemzug und auch beim folgenden „Knights Of Tiamat“. Zudem verstehen es die Wölfe weiterhin wie sonst nur die alten Norweger, ihren Sound mit stimmungsvollen Synthesizer- und Keyboard-Teppichen zu unterfüttern, ohne ihm dabei die raue Urgewalt zu nehmen. Hintergründig eingesetzte Chöre sorgen zusätzlich für Gänsehautstimmung.
Zwischen Altbewährtem und Wiedergeburt
Beim fast zehnminütigen „Foretold In Reflections“ werden Tempo und Melodik zugunsten doomig schleppender Schwere zurückgeschraubt. Zwar bricht zur Mitte hin auch mal kurzzeitig schwarze Raserei aus, vor allem sorgen aber tiefergestimmte Gitarren, schaurige Keyboards und rituelle Schlagzeug-Rhythmen für eine unheimliche, bedrückende Stimmung. Bei „The Orca Cliffs“ setzten WOLVES IN THE THRONE ROOM daraufhin wieder verstärkt auf schwelgerische Melodien sowie auf ein oft durchgetretenes Gaspedal, wenngleich auch hier das Tempo variiert wird und atmosphärische Breaks ein Gefühl von Weite vermitteln, das den Blick von mächtigen Klippen hinab auf eine schäumende See emuliert.
Durch diese fast greifbare Räumlichkeit zeichnet sich auch „Ghosts Among The Obelisks“ aus, welches erneut perlende Leads und verwunschene Tastenzauberei geschickt miteinander verwebt. Zwischenzeitlich sorgt eine tiefstimmige Spoken-Word-Passage außerdem für Gothic-Vibes und zum Ende hin regiert zunehmend König Doom. Ganz ähnlich verhält es sich mit dem finalen „Wretched Spirits, Land Of Light“, dessen furioser Hauptteil ein Stück weit zurück zu den Wurzel geht, während im letzten Drittel schleppende, stark verzerrte Riffs und maschinelle Synthesizer einen Schlenker in Richtung Industrial Metal machen.
„Estuary“ ist das bisher vielseitigste Album der Amis
WOLVES IN THE THRONE ROOM beweisen also mal wieder, dass Stillstand für sie keine Option ist. Dabei klingt „Estuary“ gleichermaßen archaisch wie experimentierfreudig und den Amerikanern gelingt es wie nur ganz wenigen Bands, sich im Kern treu zu bleiben und sich dabei trotzdem immer wieder ein Stück weit neu zu erfinden. In der Folge ist „Estuary“ das bisher wohl vielseitigste Album der Band und bietet sowohl für Langzeit-Fans als auch für Neuentdeckende spannenden Stoff.

Hans Völkel































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