Wolves In The Throne Room - Primordial Arcana

Review

Soundcheck August 2021# 3 Galerie mit 15 Bildern: Wolves in the Throne Room - European Tour 2020 in Hannover

WOLVES IN THE THRONE ROOM sind ein Phänomen. Nicht nur, weil wir die Band offenbar so phänomenal finden, dass sie in unserem Soundcheck auf einem amtlichen dritten Platz gelandet sind. Sondern auch, weil es den Wölfen gelingt, eine der absoluten Konsensbands der Gegenwart zu sein: Black-Metal-Fans attestieren ihnen würdevolle Hommage an die frühen Neunziger. Doom- und Post-Fans mögen die weltvergessene Atmosphäre ihrer Alben. Der Feuilleton schätzt die umweltbewussten und spirituellen Inhalte ihrer Musik ebenso wie der Wald-Troll-und-Gedöns-Black-Metaller. Trotz allem Image und aller Legenden um sich selbst, schaffen es WOLVES IN THE THRONE ROOM in der Regel, mit (fast) jedem neuen Album eine kernige Glanzleistung abzuliefern, die ihnen die ehemalige Elite aus Norwegen so erst mal nachmachen muss. War der Vorgänger “Thrice Woven” möglicherweise einfach “nur” eine sehr gute Angelegenheit, geriert der aktuelle Output “Primordial Arcana” zum wahrhaftigen Meisterwerk. Völlig ohne Übertreibung. In der Geschichte der Band passiert das sogar schon zum wiederholten Male …

“Primordial Arcana”: Eine angenehme Form der Entführung …

“Primordial Arcana” ist vor allem Flucht. Eskapismus aus der dekadenten Moderne, der antispirituellen urbanen Umgebung möchte es sein und das ist den Weaver-Brüdern und ihrem Gitarristen Kody Keyworth vollends gelungen. Die beste Form, ein Album von WOLVES IN THE THRONE ROOM zu genießen ist immer noch, einfach nur die Augen zu schließen und sich für eine dreiviertel Stunde von allen Gedanken und Fesseln des Alltags loszulösen. Dann wird man belohnt mit monumentalen Gebirgsketten, unheimlichen Wäldern, unbehelligt lebenden Wildtieren und beängstigenden Schneelawinen. Oder was immer ihr euch dabei vorstellen möchtet. WOLVES IN THE THRONE ROOM haben nichts von ihrer suggestiven Macht verloren, einen beim Hören weiter weg zu tragen, als es irgendeine andere Black-Metal-Band momentan schaffen würde. Das allein würde schon für saubere acht Punkte reichen.

Acht Punkte und eine starke Atmosphäre machen aber trotz allem noch kein Meisterwerk. Davon kann hier nur die Rede sein, weil WOLVES IN THE THRONE ROOM in Sachen Songwriting mittlerweile ein Niveau erreicht haben, das mindestens so schwindelerregend ist wie die besungene “Mountain Magick” im Opener des Albums. Ob damit Rollenspiele oder beschwipst machende Pilzchen aus dem Wald gemeint sind: Völlig egal, mit diesem (auch als Single ausgekoppelten) Song eröffnet das Trio den Trip, dessen Intensität sich im Laufe des Albums noch steigern wird.

WOLVES IN THE THRONE ROOM begeistern mit mächtigen Hooks

Denn selten gelang es der Band aus Olympia (Washington), ihr Songmaterial mit unverschämt eingängigen melodischen Passagen anzureichern, ohne dabei eine Sekunde lang trivial zu werden. Natürlich war das Gespür der Band für Musik immer schon sehr gut, auf “Primordial Arcana” erreichen sie aber ihren bisherigen Zenit. Das gekonnt verhaltene “Spirit Of Lightning” und der Folgesong “Through Eternal Fields” verhärten diesen Eindruck.

Außerdem muss WOLVES IN THE THRONE ROOM ein weiterer Bonus zugesprochen werden: Seit Ewigkeiten hat niemand im Black Metal so schön authentische Neunziger-Jahre-Keyboardsounds untergebracht. Bei “Primal Chasm (Gift Of Fire)”, das von Klampfer Keyworth beigesteuert wurde, erinnern die Synths an EMPEROR zu “Anthems …”-Zeiten, bei “Underworld Aurora” und dem starken Finale “Masters Of Rain And Storm” an frühe GEHENNA und ihr wisst schon, an die Band, aus der mal ein verurteilter Mörder und peinlicher Survival-YouTuber hervorgehen sollte. Jeder einzelne Song auf “Primordial Arcana” ist in hohem Maße wiedererkennbar und einprägsam.

WOLVES IN THE THRONE ROOM untermauern ihren Status erneut

Einmal mehr haben WOLVES IN THE THRONE ROOM bewiesen, warum sie im Black Metal schon seit über zehn Jahren als Ausnahmeband gelten. Es ist ihnen gelungen, das Genre konsequent voran zu bringen und dabei rückwärts zu denken, was ihnen völlig berechtigte Sympathien von allen Seiten entgegenbringt. Dass die Band dabei Geheimniskrämerei, okkult-elitäres Gehabe oder Skandalsucht gar nicht nötig hat, ist nur die Spitze dieses verdammt eisigen Berges. Konsensband? Warum zum Henker denn auch nicht …

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13.08.2021

Redakteur | Koordination Themenplanung & Interviews

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Wolves In The Throne Room auf Tour

13.10.21Europe Fall 2021Wolves In The Throne Room und Blood IncantationKnust, Hamburg
27.10.21Europe Fall 2021Wolves In The Throne Room und Blood IncantationDie Stadtmitte, Karlsruhe
29.10.21Europe Fall 2021Wolves In The Throne Room und Blood IncantationSputnikhalle, Münster
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5 Kommentare zu Wolves In The Throne Room - Primordial Arcana

  1. der holgi sagt:

    Wieder einmal bin ich zunächst hin- und hergerissen, WITTR machen es auch hier, sich und dem Hörer nicht all zu leicht, sie wiederholen sich nie in Gänze, sie kopieren sich nicht, sie erfinden sich immer auch ein wenig neu, gerade so viel, das man sie zwar noch gut erkennt, aber auch genauer hinhören muss/möchte, es bleibt also spannend…man muss sich wirklich darauf einlassen, gut so.

    WITTR sind dem Black Metal noch immer nicht abhanden gekommen, Puristen mögen dies seit Jahren behaupten, dabei hat die Band es tatsächlich vermocht, sich eine Nische zu zimmern die mehr Platz bietet, als es braucht, um ein Dutzend ewig gestrige Bands zu beherbergen, wenn Black Metal eine Zukunft hat, dann klingst diese eben auch sehr deutlich nach WITTR. Dessen darf man sich sicher sein.

    Den alten Geist der späten 90er beschwört ohnehin niemand mehr glaubwürdig herauf, und das ist auch gut so, es braucht viel, um im Jahr 2021 aus der Masse an BM Bands herauszustechen, und dabei nicht wie ein müder Aufguss zu klingen, WITTR schaffen dies spielend, immer noch, und achten sehr darauf, nicht schablonenhaft und vorhersehbar zu klingen, die Band beweist dies wieder einmal und alleine dafür gebührt ihr Respekt.

    Ob Primordial Arcana auch mittel- und langfristig zu begeistern weiss, wird sich naturgemäss noch zeigen müssen, ich freue mich auf den noch ausstehenden Beweis.
    Und ich bin mir schon sehr sicher, das dies gelingt.

    10/10
  2. Watutinki sagt:

    Auf der Bandcamp Page lassen sich bereits einige Songs zu Gemüte führen. Persönlich muss ich sagen, dass die sogenannte Konsens Band, die ich sage mal BM Puristen, mit diesem Songmaterial verloren haben dürfte. Das klingt unheimlich kompetent, ambitioniert und durchaus auch weiterhin sehr gefühlvoll und tiefgründig, aber irgendwie habe ich auch das Gefühl, die Band verirrt sich mittlerweile darin, immer noch einen draufsetzen zu wollen. Natürlich ist es vermessen als Hörer zu erwarten, dass derart talentierte Musiker ihr Potentiel nicht voll ausschöpfen, aber das geht auf der anderen Seite eben zu Kosten der eigentlichen Essenz dieser Musik. Primordial Arcana scheint mir insgesamt zu überladen zu sein, zu hektisch, zu viele Experimente, einfach zu viel (in die mir bislang bekannten Songs) reingestopft, um ja keine Monotonie aufkommen zu lassen. Aber genau diese Monotonie sorgt eben auch dafür, dass man erst richtig in diese Musik eintauchen kann. Wenn alle paar Riffs neue Elemente aufgefahren werden, dann kann das am Ende ein starker Song werden, aber die eigentliche Essenz, die WITTR durchaus ausgemacht hat, geht dann halt verloren. Ich fremdel auch etwas mit der Produktion, besonders mit dem tlws. hektischen Schlagzeug.

    Also mein Fall schein das nicht zu werden, spontan züngel ich hier die 7 Punkte Marke. Ich war eigentlich nie der ganz große WITTR Fan, fand sie eher interessant, als dass ich ihre Musik groß gehört hätte. Mit Celestite und Thrice Woven hatten Sie mich aber dermaßen abgeholt, dass ich ihrem Hype ebenso verfallen war. Hier hat sich die Band bewusst zurückgenommen, was ihre technischen Superlativen angeht, zu Gunsten der Atmopshäre, die sie erschaffen wollten. Dieses Kapitel scheint nun mit Primodial Arcana zu Ende zu gehen. Ob das an den ausurfenden Live Touren mit der stumpfsinnigen Borgir Geldrausch Familie liegen mag, oder am neuen Label Signing, keine Ahnung. Auf jeden Fall möchten WITTR den nächsten kommerziellen Schritt nach oben gehen und mit diesem Album wird ihnen dann sehr wahrscheinlich auch gelingen. Von einem Konsens Album würde ich hier aber bei weitem nicht sprechen.

  3. Berthold.Brechteisen sagt:

    Starkes Album, sehr atmosphärisch, die Vorgänger (Celestite mal ausgenommen) haben mich irgendwie mehr begeistern können. Ist aber insgesamt meckern auf hohem Niveau.

    8/10
  4. Watutinki sagt:

    Persönlich muss ich nun nach einigen Durchläufen sagen, dass ich enttäuscht von dem Album bin und eigentlich auch von WITTR. Das Album richtet sich an eine neue Zielgruppe, die melodische, eingängige BM Songs im radiotauglichen, kompakten Format erwarten und bei jeder Riff-Wiederhoilung weiterzappen würden. Wenn man es dahingehend betrachtet, ist es ein starkes Album, aber eben nur, wenn man sich von WITTR ein sogenanntes Hit-Album wünscht, bei dem jeder Song für sich selbst steht und einzeln ausgekoppelt werden könnte. Primordial Arcana ist kein Album, dass man sich erarbeiten kann und sich nach und nach öffnet, sondern eine Einanderreihung von Hitformat tauglichen Songs die sofort zünden und daher auch Fast-Food tauglich schnell mal zwischendurch reigeschoben werden können, um sich die Kaffepause zu veredeln oder Non-BM Hörer an den Stoff zu gewöhnen. Für den Maßstab einer Band wie WITTR und ihrem Backkatalog, eine ziemlich enttäuschende Angelegenheit. Einigermnaßen objektiv gesehen 7 Punkte, meine subjektive Bewertung behalte ich lieber für mich.
    Immerhin spielen Sie noch BM und haben sich noch nicht dem totalen Klassik Bombast verschrieben, das war’s dann aber auch schon mit den Unterschieden zur ihrer Tour Partner Band Dimmu Borgir.

    7/10
  5. Lysolium 68 sagt:

    Geile Band. Phantastisches Album das nach einigen Umdrehungen wieder sehr vertraut wirkt. Für mich ein gutes Zeichen.
    „Underworld Aurora“ ist mein Hit dieses Albums bislang. Ich habe bislang aber von dieser Band auch nie etwas schlechtes
    gehört.

    9/10