Die 10 ...
besten Death-Metal-Drummer

Special

Zugegeben, die Idee habe ich mir von Kollege Rothe nach seiner Thrash-Serie geklaut. Aber der Sport in den beinahe schon olympischen Sphären, der Extreme-Metal-Drumming mittlerweile geworden ist, gebührt schon auch einmal genauerer Betrachtung. Abseits jeglicher Trigger-Diskussionen und persönlicher Befindlichkeiten sollen hier außergewöhnliche Drummer gewürdigt werden, wobei natürlich nur ein kleiner Ausschnitt gegeben werden kann, da einfach SO VIELE heutzutage existieren, die eine Erwähnung mehr als verdient gehabt hätten. Somit sollte auch der Titel ein wenig metaphorisch verstanden werden: Musik ist kein Sport, Können sollte nicht pur nach technischen Fähigkeiten ermittelt werden, Geschmäcker sind verschieden. Trotzdem, im folgenden gibt es 10 mal Blast-Beats, Triplets, krumme Takte!

Schreibt eure Favoriten doch einfach unten mit in die Kommentare, vielleicht mit kurzer Begründung, warum gerade der/diejenige DrummerIn auch hätte erwähnt werden sollen (Um hier für ein wenig Geschlechterausgleich zu sorgen, folgt in Zukunft auch eine Serie mit Drummerinnen, die naturgemäß in großer Anzahl aber schwerer in den extremen Genres, die noch eine durchgängige Männerdomäne darstellen, zu finden sind).

 

Lille Gruber – DEFEATED SANITY

Mit berühmtem Vater im Nacken, kann sich eine Musikerkarriere schon manchmal schwer ausnehmen. Aber Lille Gruber hat nicht nur wahnsinnig viel gelernt und gespielt, sondern setzt mit Bands wie DEFEATED SANITY und INGURGITATING OBLIVION selber mittlerweile Akzente und Maßstäbe in Sachen Innovation und Technik im Genre. Auch wenn die Hauptzutaten gleich bleiben –  Blasts, Doublebass, aggressiver Vorwärtsdrang – sind es vor allem die rhythmischen Spielereien, aber auch die Akzentsetzung und das Beckenspiel die Alleinstellungsmerkmale. Ach ja, für DEFEATED SANITY aber auch andere Bands zeigte er sich schon in der Vergangenheit ebenfalls für die Gitarrenarbeit zuständig, beim neuesten Album „The Sanguinary Impetus“ sogar komplett. Zur Entspannung gibt es dann manchmal ganz klassisch Bach auf der Akustikgitarre

Lyle Cooper – THE FACELESS

Lyle Cooper ist gerade einmal 20, als er für das zweite Album  „Planetary Duality“ von THE FACELESS 2008 den Posten hinter der Schießbude ausfüllen soll. Das wurde mit “Autotheism” vier Jahre später bereits beendet. Was er in dem Alter darauf aufführt, ist bemerkenswert. Zwar stammen die ursprünglichen Drumspuren von Michael Keene, dass er diese aber scheinbar mühelos nachbildet und auch noch durch seine eigenen Ideen ergänzt, mit noch nicht einmal dem legalen Alter fürs Trinken in den USA, ist außerordentlich.  Aber mit ABHORRENT und ABSVRDIST hat er ja noch andere Aufgabengebiete gefunden, neben dem Covern von solchen Armverrenkern wie MESHUGGAHs “Nostrum” oder eben einen Lille Gruber von DEFEATED SANITY, obwohl er sich vom festen Touren oder Spielen in Bands mittlerweile komplett zurück gezogen hat, auch um mehr Zeit für Arbeit und Familie zu haben. 

Hannes Grossman – ALKALOID, Ex-NECROPHAGIST, Ex-OBSCURA

Fotocredit: Deceitful Tranquility Photography

Hannes Grossmann ist ähnlich wie Lyle Cooper ein Student in der Mitte seiner 20er, als er auf einmal einen Drum-Computer ersetzen muss. Und das macht er scheinbar ohne große Mühe für Muhammed Suiçmez und NECROPHAGIST auf „Epitaph„. Kurze Zeit später geht es für ihn zu OBSCURA, wo er nicht “nur” Drummer ist, sondern auch ganz entscheidend am Songwriting mitgewirkt hat, was eher ungewöhnlich für einen Schlagzeuger ist. Das merkt man nämlich spätestens bei seinen Solo-Ausflügen und auch dem neuen Projekt ALKALOID, wo auch einige andere ehemalige OBSCURA-Mitglieder mitwirken. Neben seinem mittlerweile bekannt gewordenen Hybrid-Spiel, das die Blast-Beats in Sachen Power in ungeahnte Höhen katapultiert, sind es auch Hannes Offenheit gegenüber anderen Stilen und seine Liebe für andere Künstler etwa aus dem Jazz- oder Fusion-Bereich, die sein Schlagzeugspiel so brachial, andererseits so feinfühlig, interessant und abwechslungsreich machen. 

Patrice Hamelin – BENEATH THE MASSACRE, GORGUTS

Fotocredit: Infernale Photography

Patrice Hamelin dürfte selbst im extremen Metalkosmos noch unbekannter als so manch andere Namen dort sein. Seine Arbeit mit der Band MARTYR oder BENEATH THE MASSACRE war bereits trotzdem sehr bemerkenswert und “geadelt” wurde er mit dem Album “Colored Sands” von GORGUTS 2013, worauf zwar noch John Longstreth gespielt hat, aber für die Liveaktivitäten zeigte sich dann Patrice Hamelin komplett zuständig. Jazzige Einflüsse bis hin zu erbarmungslosen Geprügel sind beides keine großen Probleme für den Frankokanadier gewesen, der auch schon etwa bei CEPHALIC CARNAGE live ausgeholfen hat. Als ehemaliger Sportler (u.a. Triathlon) kommt die körperliche Ausdauer ihm für die Gigs sicherlich zu Gute. 

Mario Duplantier – GOJIRA

Fotocredit: Eckart Maronde

Bei den französischen Ausnahme-Talenten GOJIRA kommt Mario als Drummer eine große Rolle zu: Der groovige Metal der Franzosen gewinnt erst durch sein brachiales, aber auch sehr feingeistiges und geschmackvolles Spiel seine Effektivität. Ob das die Doublebass-Eskapaden bei “From The Sky” oder “Flying Whales” sind, die einen sich fragen lassen, ob da überhaupt noch ein Mensch hinter sitzt, oder die tollen Paradiddle-Kombinationen in “The Art Of Dying” oder “Explosia”. Solch “musikalische” Drummer wie Mario findet man in einem Genre, das sonst oftmals eher für seine Sterilität und Gleichförmigkeit berühmt-berüchtigt ist, selten. Darüber hinaus hat Mario auch eine andere künstlerische Ader: Er malt, was auch schon in Merch, Covern oder sogar als Drumfell für GOJIRA sich bemerkbar gemacht hat. 

Sean Reinert – Ex-DEATH, CYNIC

Ähnlich wie ein Lyle Cooper hat auch Sean Reinert mit nur 20 Jahren auf “Human” für DEATH neben der Brachialität ebenfalls Raffinesse ins Schlagzeugspiel für ein Death-Metal-Album gehoben und gezeigt, dass beide sich keineswegs gegenseitig ausschliessen. Durch die Anhebung im Level zu jener Zeit im Genre war er quasi das Pendant zu Chuck an der Gitarre. Auch mit CYNIC beschreitete er sehr progressive und ausgefeilte Wege, aber auch andere Nebenprojekte wie AGHORA oder AEON SPOKE zeigten eine rockigere und groovigere Seite an seinem Spiel. Ähnlich wie Rob Halford oder Gaahl  hatte auch sein Coming-Out eine Welle an Unterstützung und mehr Toleranz für Homosexuelle innerhalb der Metalszene ausgelöst, aber auch Ablehnung bei einigen Fans. Der plötzliche Herztod am 24 Januar diesen Jahre riss ein Loch in die Herzen aller Drummer. Definitiv ein Verlust, der von vielen Musikfans und auch anderen, selbst Weltklasse-Drummern, heute und auch sicherlich in Zukunft immens bedauert wird.


Jesse Beahler – THY ART IS MURDER, Ex-BLACK CROWN INITIATE

Thy Art Is Murder – Human Target EU/UK Tour 2020

Und ein weiterer Jungspund: Jesse Beahler hat mit JUNGLE ROT  in Sachen Bekanntheit angefangen und sich seine Sporen verdient, die vielleicht Death-Metal-Fans ein Begriff sind, aber selbst dort nun nicht gerade jedem geläufig sind. Von da hat es ihn zu diversen Session-Jobs, aber auch Live-Aushilfen, unter anderem bis hin zu THY ART IS MURDER, getrieben, aber auch mit BLACK CROWN INITIATE zu einer Band, die sehr von seinem gefühlvollen bis hin zu explosivem Spiel lebt. Jesse Beahler ist trotz seines jungen Alters, aber ebenso wahnsinnigen  Talents und auch Arbeitswillens (Zitat von Bands die mit ihm auf Tour waren: “Ich hab ihn nie ohne sein Übungs-Pad gesehen”) definitiv mittlerweile einer von den ganz Großen und man kann nur staunen, was da in Zukunft noch so kommen wird.

Trey Williams – DYING FETUS

Dying Fetus live im Astra Kulturhaus Berlin am 15.04.2017 Fotocredit: Infernale Photography

Die Band DYING FETUS ist ein schwer zu bändigendes Bündel Energie, also muss Trey Williams als Drummer sich ranhalten, um da mitzuhalten. Und das schafft er seit über 14 Jahren, in denen er dabei ist und auf den letzten drei Alben „Descend Into Depravity„, „Reign Supreme“ und „Wrong One To Fuck With“ der Band spielte, ohne Mühe. Dabei ist das unglaubliche Tourpensum der Band noch unerwähnt geblieben. Neben seiner Präzision, Schnelligkeit und Ausdauer ist sein Drumming gerade in DYING FETUS auch oftmals unglaublich groovig und lässt Tugenden von Punk und Grind-Bands erkennen. Auch abseits der Bühne ein herzlicher Mensch mit tollem Humor. 

Stefan “Stocki” Stockburger – CYTOTOXIN

Musik-Lehrer und früher sogar Hersteller von Snares bei Tag, Super(-Drummer)-Man bei Nacht? Obwohl der Abstecher in Metal nicht neu ist, der Einsatz bei CYTOTOXIN ist die erste “feste” Band für “Stocki” über einen längeren Zeitraum, der über Sessionwork oder live aushelfen hinaus geht. Als ungeplante Challenge kann man halt auch einfach mal vergessen, die Hi-Hat mitzunehmen und dann Wege drum rum finden, das auf dem Album trotzdem abwechslungsreich zu gestalten. Trotz dem brachialen Spiel im Death Metal sind es vor allem rhythmische Spielereien abseits der Norm und eben interessante Entscheidungen hinsichtlich Nutzung von sowohl Material als auch Spielweise, die Stefan Stockburger aus der Masse an technisch wirklich guten Drummern im Metal und auch darüber hinaus herausstechen lassen. Da es leider keine besonders guten Videos mit CYTOTOXIN gibt, lasst euch doch einfach mal zeigen, was man alles schönes mit Triplets in hohen Geschwindigkeiten anstellen kann: 


Andrew Baird – FALLUJAH

Fallujah Summerbreeze 2017 Fotocredit: Larissa Reiter

Als erstes wortwörtlich dem Prostata-Krebs in die Eier treten und danach noch dem Schlagzeug: Nicht nur ist die persönliche, von Schicksalsschlägen durchzogene Geschichte von Drummer Andrew Baird bemerkenswert, auch der überaus loungige, beinahe relaxt daher kommende Atmospheric/Progressive-Tech-Death von FALLUJAH lebt von Andrews einfallsreichem und beeindruckendem Drumming. Präzise ausgeführteste Double-Strokes genauso wie tolle Beckenarbeit sind hier besonders hervorzuheben und ein Paradebeispiel ist der unten verlinkte Song dafür. Ach ja, Deadlifting betreibt der gute Mann auch noch, daher die dicken Oberarme. Könnte natürlich auch von den Blasts kommen. 

27.04.2021
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