Defeated Sanity - The Sanguinary Impetus

Review

Soundcheck Dezember 2020# 28

Zugegeben, im Soundcheck konnte sich scheinbar außer mir keiner so sehr für das neue Album „The Sanguinary Impetus“ der Tech-Deather DEFEATED SANITY begeistern. Aber was die Mannen um Lille Gruber, der sich dieses mal (erneut) kompositorisch für einen Großteil des Albums auszeichnet, hier mal wieder fabrizieren, findet in dem Genre schlicht keine Nachahmer. Nach dem Doppelschlag aus ganz klar einerseits am 90er Grottengrunzen und dem andererseits betreuten CYNIC’schen Proggen angelehnten „Dharmata/Disposal Of The Dead“ (2016) geht es von Sound über Coverartwork und Komposition ein wenig zurück zu den Frühwerken um das absolute Kultalbum „Chapters Of Repugnance„. So ganz aber auch nicht. Es gibt durchaus moderne Spitzen in diesem Album, das alles andere als ein lauwarmer Aufguss alter Großtaten ist.

„The Sanguinary Impetus“ ist Melange aus alter Attitüde und modernen Spitzen

Schon „Phytodigestion“ kommt mit langsamem Einstieg und einem Sound von Proberaumatmosphäre zum Einstieg daher, nur um später echt widerliche, gegenläufige Melodien parat zu haben, gefolgt von extrem fies platzierten Breaks und Slams. Überhaupt ist das Niveau aus fiesem Gefrickel und sehr groovigen oder auch einfach nur metzelnden Passagen extrem hoch. „Imposed Corporeal Inhabitation“ oder auch „Propelled Into Sacrilege“ schlagen in einem Moment alles klein, während dazwischen erklingende Riffs mich kurzzeitig nach meiner Türklingel haben umschauen lassen. Das wird vollkommen selbstverständlich von harten Mosh-Parts abgelöst, bei denen man sich fragen muss, wer danach live in Zukunft überhaupt noch stehen soll? Andere Brecher wie „Conceived Through Savagery“ oder „Entity Dissolving Entity“ sind durchaus geradliniger komponiert und die typischen Tracks zum Zimmer zerlegen und nicht Noten und Takte zählen.

„Insecta Incendium“ macht sich als technisches Zurschaustellen ebenso gut wie als Fingerübung für die fiesesten Slam-Breaks. „Arboreously Transfixed“ hat gleich auch noch Rim-Blasts als Überraschung auf Lager. Lyrisch geht es auf „The Sanguinary Impetus“ um allerhand morbide Überlebensmaßnahmen und Jagdstrategien der Lebewesen auf unserem Planeten. Von Insekten über Pflanzen und Mikroorganismen bis hin zu uns Menschen. Klar, DEFEATED SANITY sind speziell. Von lyrischem Thema hin zu den sehr verkopften Kompositionen bedienen die Deutschen eine sehr spezielle Hörerschaft, die wahrscheinlich eher aus den Spezialisten besteht, die sich beim Üben an den neuen Songs ihre Finger auf dem Griffbrett verknoten wollen. War damals schon so, ist heute immer noch so. In manche Dinge muss man erst rein wachsen. Ich fand früher auch schon Dinge scheiße, die ich heute höchst verehre (Black Metal und Kaffee etwa).

Aber das Hören macht einfach Spaß, egal ob fürs Bewundern der technischen Fähigkeiten oder die Zerstörung im Pit. Songs wie „Propelled Into Sacrilege“, die nach den überaus coolen rhythmischen Spielereien in der Mitte einfach DIE Moshpit-zerstörenden Monster-Riffs aufrufen, machen sich unnachahmlich gut in dieser Kombination. Darüberhinaus hat dieses Album einen umgekehrten Spannungsbogen: Während die meisten Alben nach hinten raus eher schwächer werden, verhält es sich hier genau andersherum. Die ersten Songs sind nett, aber haben noch Luft nach oben, während die Songs der zweiten Albenhälfte mit zum besten gehört, was DEFEATED SANITY je fabriziert haben.

Wie DEFEATED SANITY klingt niemand im Genre

Auf die Dauer wird die gesamte Frickelei natürlich ein wenig anstrengend, aber mit einer Laufzeit von nur etwas über einer halben Stunde und handlichen Songs wirken DEFEATED SANITY der Übermüdung gut entgegen. Dass die Grunzer von Jacob Welshman hier auch eher schmückendes Beiwerk als Textur für die Musik sind – geschenkt in diesem Genre. Das wären aber auch die einzigen zwei kleinen Kritikpunkte an einem sonst für das Genre einfach wahnsinnig fortschrittlich denkendem Album. Es gibt keine zweite Band im Brutal/Technical Death Metal die so klingt, spielt und komponiert wie DEFEATED SANITY. Und das höchste instrumentale Können wird dabei noch in gute und überzeugende Songs verpackt. Ein schöneres Kompliment kann es eigentlich gar nicht geben.

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06.12.2020

"You can't spell Funeral without Fun!"

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1 Kommentar zu Defeated Sanity - The Sanguinary Impetus

  1. Kropfverfechter sagt:

    Für das Genre durchaus sehr abwechslungsreich. Mich hat es gut im vergangenen Jahr begeleitet und würde es allen Freund*innen technischen DMs wärmstens empfehlen.

    9/10