
Firtan
"Wir sind keine Hit-Band"
Interview
Wir passen FIRTAN bei ihrem Konzert im LOGO in Hamburg ab, um mit Sänger Phillip über das neue Album „Helios“ zu sprechen. Dabei lassen wir kein Thema aus und reden nicht nur über die Sprache des Albums, das inhaltliche Konzept und Erleuchtung als Platzhalterwort, sondern auch über… Hello-Kitty-Gitarren?!
„Helios“ ist das erste Album, das ihr komplett auf Englisch gemacht habt. War das eine bewusste sprachliche Neuausrichtung?
Wirklich bewusst war es nicht. Es ist tatsächlich einfach passiert, weil ich angefangen habe, selbst wieder Texte zu schreiben. David, unser Schlagzeuger, hat viele Texte für die deutschsprachigen Alben geschrieben, seit „Okeanos“ zumindest. Irgendwie hat mich das dann mehr gekickt. Ich habe einen Text angefangen und habe gedacht: Dann müssen wir es auch konsequent weiterführen.
Ich wusste am Anfang gar nicht, ob ich das für FIRTAN oder für irgendwas anderes benutzen würde, aber da ich gerade nichts anderes habe, war das eine ganz natürliche Sache und hat auch vom textlichen Inhalt gut zu FIRTAN gepasst. Es war am Ende relativ homogen und hat auch thematisch, wie gesagt, gut gepasst, weil wir ja oft griechische und philosophische Themen aufgreifen.
Da bedienen wir uns ganz bewusst von verschiedenen Mythologien, weil die oftmals auf das gleiche Ding hinauswollen. Manchmal ist es für mich phonetisch interessanter, wenn man zum Beispiel was vom Hinduistischen nimmt, um ein Konzept zu beschreiben, das es vielleicht auch im Griechischen gibt – aber für was anderes finde ich dann das griechische Konzept interessanter.
Wir benutzen die Sprache als ein Werkzeug, um uns auszudrücken und auch ein bisschen poetisch zu sein. Nicht, um einfach nur plakativ zu sagen, wie es ist. Das hat nichts damit zu tun, dass wir wirklich in der Mythologie verwurzelt sind, aber es soll ja auch ein bisschen Interpretationsspielraum geben.
Wenn du jetzt zurückschaust, glaubst du, dass ihr mit „Helios“ etwas gemacht habt, das auf den vorherigen Alben noch nicht funktioniert hätte? Geht ihr die Dinge musikalisch oder thematisch anders an als vorher?
Wir hätten das Album bestimmt auch schon früher schreiben können, aber wir haben diesmal einfach ein anderes Gitarrentuning benutzt. Das ist auf jeden Fall etwas, das den Sound automatisch ein bisschen mehr Death Metal-lastig geprägt hat, weil es ein Droptuning ist, das an sich schon relativ heavy klingt, auch wenn man ein normales Riff schreibt oder spielt. Dadurch hat sich der Sound vielleicht ein bisschen geändert.
Aber wenn ich früher auf die Idee gekommen wäre, dieses Gitarrentuning zu benutzen, wäre der Charakter vielleicht schon früher entstanden.
Also war jetzt kein großer Reifeprozess involviert, der euch zu diesem Punkt gebracht hat …
Ja, doch, vielleicht thematisch. „Helios“ hat eine Selbstverbesserungsthematik und eigentlich eine positive Message.
Früher haben wir auch, wie viele Metalbands das machen und was auch gerechtfertigt ist, eher negative oder gesellschaftskritische Sachen gemacht. „Helios“ ist natürlich auch gesellschaftskritisch, aber wir haben diesmal versucht, nicht die Themen an und für sich einfach nur anzusprechen, sondern einen Weg da raus zu finden.
Einen sehr generischen Weg natürlich, weil der am Ende für jeden anders ist, aber es ist ein kleiner Lichtblick. Soll es auch sein, in der ganzen Negativität, mit der man sich so umgibt.

Hast du einfach die Schnauze voll von Black Metal Klischees?
Ne, Black Metal ist das, was es ist. Ich will da niemandem reinreden, was er gut oder schlecht zu finden hat. Für mich ist es auch okay, wenn es ein bisschen so ein Gatekeeping-Ding ist.
Ich habe nichts dagegen, wenn es ein paar Elitisten gibt. Die wird es immer geben und die dürfen auch existieren. Dadurch wird Black Metal vielleicht zu dem, was es im Endeffekt ist. Wenn du gewisse Komponenten wegnimmst von etwas, denkst du immer, jetzt müssen wir nur noch das eine Ding wegnehmen, dann ist es perfekt. Aber es wird dann nicht mehr das Ding sein.
Ich glaube, das gehört manchmal auch dazu. In dem thematischen Teil von „Helios“ geht es nicht darum, wir wollen uns jetzt verbessern und alles ist Friede, Freude, Eierkuchen. Nein, dieser Weg ist schwer, der ist mit Schmerz und mit vielen negativen Dingen behaftet.
Aber wir hören eben nicht da auf zu sagen, hey, der Schmerz, den fühlen wir alle, sondern wie kommen wir jetzt weiter? Wie können wir uns dadurch weiterentwickeln? Es soll eine Weiterentwicklung sein. Musikalisch haben wir das vielleicht auch gemacht, aber der kreative Prozess war eigentlich relativ ähnlich wie sonst auch.
Wie findest du denn „Helios“ bis jetzt?
Ich finde es super! Ich bringe ja nichts raus, was ich scheiße finde. Irgendwann hat man natürlich eine gewisse Distanz dazu aufgebaut, dann findet man es meistens auch wieder besser. Aber im Prozess, wenn man das aufnimmt, denkt man manchmal: „Ist das jetzt wirklich gut genug?“
Aber das hatte ich bei diesem Album tatsächlich viel weniger als bei allen davor und das hat mir ein gutes Gefühl gegeben. Ich bin sehr stolz auf das Album und deswegen ist mir auch egal, wer was dazu sagt.
Ich mache das auch ein Stück weit für mich selber. Es ist für mich auch eine seelische Reinigung, gerade mit diesem lyrischen Thema. Für mich ist das immer ein großes Thema gewesen, dass man eine Selbstverbesserung versucht – die beste Version von sich selbst zu werden. Früher nicht so stark, aber über die Reife, die ich jetzt erreicht habe.
Galerie mit 22 Bildern: Firtan – Zerfall Tour 2026

Mehr zu Firtan
| Band | |
|---|---|
| Stile | Black Metal |
Interessante Alben finden
Auf der Suche nach neuer Mucke? Durchsuche unser Review-Archiv mit aktuell 38830 Reviews und lass Dich inspirieren!
Firtan auf Tour
| 23.10.26 | Firtan - Helios Album Release Tour 2026Servant und FirtanFrom Hell, Erfurt |
| 24.10.26 | Firtan - Helios Album Release Tour 2026Servant und Firtans.v Jugendhaus Ost, Wolfsburg |
Louisa Esch
































Kommentare
Sag Deine Meinung!