Cheeno
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Interview

Mit ihrem Debütalbum "The Next Step Will Be The Hardest" und ihrer tollen Mischung aus Alternative, Rock und Metal präsentieren uns CHEENO ein Hitpotential sondergleichen, ohne dass es der Musik an Tiefgang und Seele fehlen würde. Eine echte Überraschung und Bereicherung unserer Musiklandschaft. Wie es dazu kam und was dahinter steckt, erzählen uns Gitarrist Joey Siedl, Sängerin Jennie Kloos und Bassist Carsten Pinkle.

CheenoCHEENO entstand ja im August 2005 und setzte sich aus Live- und Studiomusikern der Band AUTUMNBLAZE zusammen. Wie kam es zu der Entscheidung, diese Band zu gründen?

Joey: Jennie, Phil und ich kennen uns schon weit länger als es AUTUMNBLAZE überhaupt gab. 2002 stießen dort mit Carsten und Mike zwei richtige Freunde zur Band. AUTUMNBLAZE machten wir eigentlich eh nur nebenbei. Irgendwann nahm die Vision dann Gott sei Dank Gestalt an…

Jennie: Das war damals im Italien Urlaub mit einer Menge Wein im Gepäck. 2005 fingen wir dann an und merkten, dass das unsere Bestimmung sein soll.

Carsten: Wir haben lange Zeit auf AUTUMNBLAZE unser Hauptaugenmerk gelegt und es wurde Zeit, unserer angestauten songschreiberischen Kreativität freien Lauf zu lassen. CHEENO war unser Ventil einfach das zu machen, was wir wollten, ohne irgendwelche Begrenzungen oder Regeln.

AUTUMNBLAZE haben sich ja im Juni dieses Jahres wieder zusammengefunden. Ist jemand von euch noch dort aktiv?

Joey: Nein. Wir waren trotz aller Livekonzerte, Festivals und Produktionen nie ein solch fester Bestandteil dieser Band, als dass es da auch irgendwann mal zu einer Reunion kommen könnte. Mit den Leuten, die da jetzt dabei sind, macht das mehr Sinn. Ich persönlich freue mich sogar, dass es die Reunion gab. „Bleak“ war ein cooles Werk. Würde mich als Hörer freuen, wenn sie diese Stimmung wieder umsetzen könnten. Insgesamt wollen wir uns jedoch von dem Namen AUTUMNBLAZE weitestgehend distanzieren, da wir verschiedene Musikstile fahren. Ich denke, die Jungs können ihren Bandnamen im Atemzug mit uns auch nicht mehr hören. Klar wir Jungs von CHEENO haben uns größtenteils dadurch kennen gelernt, und wir haben insgesamt einiges erlebt. Firmen mögen auch gerne solche Referenzen, aber das Kapitel ist für uns abgeschlossen, und das ist auch gut so für alle.

Carsten: Ich denke, wir haben mit AUTUMNBLAZE viele gute und auch schlechte Zeiten erlebt. Alles in allem ist es ein Teil der Geschichte von Joey, Mike, Phil und mir. Aber es ist knapp 3 Jahre oder so her und wir sollten das Thema einfach auf sich beruhen lassen. Vom künstlerischen Standpunkt hat CHEENO mit AUTUMNBLAZE soviel gemein, wie „Kuchen backen“ mit „Arschbacken“.

Eine Frage an Jennie: Du hast ja schon vorher in einigen Projekten mitgewirkt. Welche waren dies im Einzelnen?

Jennie: Ich war zuvor schon bei Fernsehproduktionen als Backgroundsängerin tätig, oder habe meine Stimme einigen Werbesendungen geliehen. Außerdem wirkte ich bei „Salto Vocale“ im Dortmunder Konzerthaus sowie bei „Carneval de Venezia“ im Münchener Gasteig mit. Als Gastsängerin bin ich auch bei TOMMORROW’S EVE oder bei PHILOSOPHOBIA zu hören; um nur einige zu nennen.

Du verfügst über eine wirklich tolle, ausdrucksstarke Stimme. Wie konnten dich die Jungs für CHEENO gewinnen?

Joey: Jennie oder die Stimme? Haha… Ich persönlich kenne Jennie schon länger als ich die anderen aus der Band kenne… War damals ’ne kultige Teenager Party. Da hatte sie auch schon gesungen. Ihr Talent wurde, mir zumindest, aber erst während der ersten Proben sichtbar, da ich sie vorher nie wirklich gehört habe.

Jennie: In dem Fall kann man eher nicht von Gewinnen sprechen, denn ich war mit treibende Kraft bei der Bandgründung.

War von Anfang an geplant, einer Frau das Mikro zu überlassen?

Carsten: Nö eigentlich nicht. Das hat sich einfach so ergeben. Jennie ist einfach eine der besten und ausdrucksstärksten Stimmen, die wir in den letzten Jahren gehört haben. Wir wussten, dass sie Gefühle mit ihrer Stimme transportieren und die Leute emotional bewegen kann, wie kaum ein anderer. Ich persönlich bin noch nie ein Fan von… wie nennt man die heutzutage… „female fronted bands“ gewesen. Das Konzept, ne hübsche Dame in geschmacklosen Koksnuttenklamotten vorne hin zu stellen und zu hoffen, dass keiner auf Intonation achtet, ist echt voll für’n Anus.

Joey: Wie gesagt: die Vision einer eigenen Band geisterte schon länger in unseren Köpfen. Als Jennie dann anfing, war es zwar Anfangs noch ein Stück Arbeit eine tolle weibliche Stimme in unsere Musik einzufügen, doch die Arbeit an Musik, Gesang und Produktion kreierte letztendlich dieses neue Sounderlebnis, worauf wir ziemlich stolz sind.

Jennie: Die Entscheidung hatte wohl auch nichts damit zu tun, dass ich eine Frau bin, sondern nur damit, dass wir ähnliche Visionen hatten.

Joey: Doch, also ich wollte unbedingt ’ne Frau… Wenn man nur mit Männern auf Konzerten oder Tourneen ist, mutiert man immer so schnell zu einem Steinzeitmenschen, der sich überall SLAYER auf die Haut schreibt… ok… war’n Spaß 😉

Kommen wir doch mal zu eurem Debütalbum „The Next Step Will Be The Hardest“. Ich habe gelesen, dass das Album einem Textkonzept von Joey folgt, welches auch separat als Buch veröffentlicht werden soll. Kannst du uns bitte dieses Konzept näher erläutern, auch was es mit den recht kryptischen Songtiteln auf sich hat!

Joey: Das Album folgt nicht meinem Textkonzept. Eher folgt mein Roman dem Textkonzept des Albums. Da ich beim Schreiben des Skriptes für unser Video „@“ erkannte, dass alle unsere Songs irgendwo einem roten Faden folgen, entschied ich, diese Songs zu einer spannenden Geschichte in Romanform zu verbinden. Unsere Songs weisen oft eine versteckte Unzufriedenheit der Menschheit auf. Oftmals schon krankhaft können wir die Leute um uns herum jammern sehen und hören. Der Roman behandelt eine Ursache dafür, warum oft die Wahrnehmung der Realität so gestört ist und solche kranken, morbiden Welten entstehen können. Ich versuche, ohne den Aha-Effekt des Buches zu zerstören, es mal auf die Bandbreite von Drogen jeglicher Art zu schieben. Und noch weiter, die Gleichgültigkeit der meisten Menschen sich selbst gegenüber. Wir sind die Protagonisten im Mittelpunkt, die versuchen dieses Gefühl wieder an die Leute zu bringen, ihr monotones Leben zu hinterfragen und das Träumen wieder zu erlernen.

Die kryptischen Songtitel sind auf der einen Seite zu einem festen Bestandteil von uns geworden. Zum anderen macht es auch mehr Spaß, wenn man sich beim Songtitel auch noch mal was einfallen lässt. Du denkst drüber nach, oder? Ist doch schön, wenn das Kulturgut Musik ein wenig zum Nachdenken animiert. Die Bezüge zwischen Text und Titel werden im Roman klarer.

Eure Musik ist wirklich beeindruckend, Ohrwurm reiht sich an Ohrwurm, und doch fällt es recht schwer, euren Sound wirklich einzuordnen. Wie würdet ihr eure Musik mit einigen Worten umreißen?

Joey: Da sind wir doch bei diesem Schubladending. Die Leute da draußen wollen jetzt was hören, damit sie sich was vorstellen können. Wir haben das Universum als Input und somit einen Arsch voll an Output. Warum nennen wir das Alternative/Rock/Metal? Auf der einen Seite sind Dinge wie Cheenorock als Name keinem ein Begriff, auf der anderen sind die meisten Musikstilbezeichnungen total abgelutscht. Prog? Das war in den 70ern cool. Heutzutage macht vom schüchternen Musikstudent bis zu irgendwelchen Pilze rauchenden Pseudointellektuellen jeder Prog. Dann gibt es diese tollen Zeitangaben mit Nu (klingt wie Mikrowellenmusik) oder Post… Die Post bringt die Briefe, und wenn ich mit Latein prahlen wollte, hätte ich in der Schule besser aufpassen sollen.
Alternative Rock Metal weil wir ein Alternative Schreibstil auf rockendem Boden oft nach Metal klingen lassen.

Jennie: Versuchen wir das Ganze mal einfach: rockig, abwechslungsreich, gefühlvoll. Alles Weitere sollte man selbst herausfinden.

Welches sind eure hauptsächlichen musikalischen Einflüsse?

Joey: Die ganze Welt kann einen Einfluss darstellen.

Wie waren denn eigentlich im Gesamten die Reaktionen auf „The Next Step Will Be The Hardest“?

Joey: Bisher bin ich sehr positiv überrascht, dass die Scheibe oft eine anerkennende Wahrnehmung bekommt, aber es kommt ja noch einiges…

Jennie: Die bisherigen Reaktionen waren überdurchschnittlich gut. Das hätten wir selbst nie zu träumen gewagt. Es ist schön, zu sehen, bzw. zu lesen, dass unsere harte Arbeit anerkannt wird.

Carsten: Wir freuen uns darüber wie kleine Kinder, dass die Redakteure die Zeit finden, sich mit unserem Debüt, was uns 2 Jahre intensive Arbeit gekostet hat, zu beschäftigen und das Ergebnis auch zu würdigen wissen. Mit solchen positiven Reaktionen hätten wir nicht gerechnet. Nur einen sehr häufigen seltsamen Spruch kann ich noch nicht verstehen: „Weil es ein Debütalbum ist, ziehe ich einen Punkt ab.“. Warum? Wenn jemand ne Antwort weiß, bitte bei unserem Label Prevision melden.

Tja, vielleicht weil sie noch so viel von euch erwarten, dass sie nicht gleich die volle Punktzahl geben wollen, wer weiß? Über welchen Zeitraum entstanden die aktuellen Stücke, und wie entstehen bei euch neue Songs?

Joey: Ein richtig geiler Song entsteht, wenn jeder von uns einfach anfängt seinen Part zu spielen, und sozusagen beim Jammen schreibt. Die Songs haben dann was…

Carsten: Die aktuellen Stücke sind eigentlich schon recht „alt“. Wir haben im Anschluss an die EP die meisten Sachen schon angefangen zu schreiben. Ich denke, der eigentliche Schreibprozess hat nicht so wirklich lang gedauert, einen Monat oder so… Später kamen noch die Interludes dazu und der Titeltrack.

Was könnt ihr uns über die Aufnahmen im Su2-Studio berichten?

Joey: Phil ist unser Gitarrist. Das macht es für uns natürlich angenehm zu arbeiten, da er ja auch Teil des kreativen Entstehens ist…

Jennie: Das hat natürlich den großen Vorteil, dass das Endprodukt genau so klingt wie wir es haben wollten.

Wie verlief eure Release-Party?

Joey: Ja ich bin zufrieden.

Jennie: Wir hatten einen tollen Abend, ne tolle Party, schöne Reaktionen und es war ausverkauft. Da darf man dann auch zufrieden sein ;o)

Carsten: Das Konzert war ausverkauft. Wir haben das Album am Stück gespielt. Die Stimmung war gut. Wir haben viel Merch verkauft. Und wir waren am Ende mal wieder die total besoffenen Libellen. Aber es hat keiner gekotzt…

Joey: Bin mir nicht mehr sicher… 😉

Ihr habt ja den ersten Platz als „Best Alternative Act“ beim Deutschen Rock- und Poppreis erreicht. Was bedeutet euch solch eine Auszeichnung?

Carsten: Na ja, was bedeutet einem so eine Auszeichnung!? Schwieriges Thema!? Es war wieder mal ein guter Grund für uns, Party zu machen und das Hotel zu verwüsten. Natürlich haben wir uns auch über diese Anerkennung sehr gefreut, aber die Medaille hat auch immer noch ne Kehrseite. Es kommen auf einmal Leute mit Verträgen auf einen zu, die einem einen Stück Scheiße als Gold verkaufen wollen. Wir haben zum Glück so ziemlich alles abgelehnt und das hat sich im Nachhinein auch als richtig herausgestellt.

Jennie: In erster Linie war es ’ne nette Anerkennung und ’ne Bestätigung, dass wir in die richtige Richtung blicken. Aber er war auch ein Ansporn noch härter zu arbeiten, um unsere Ziele zu erreichen. Und diese arbeiten wir nun Schritt für Schritt ab.

Was steht in nächster Zukunft bei euch so alles an?

Joey: Rock’n’Roll. Wie in der letzten Zeit auch. Weiter arbeiten und weiter Spaß haben.
Was steht in nächster Zukunft bei euch so alles an?

Carsten: Wir haben uns schon einen Termin für das Su2 gebucht und werden dann den Nachfolger zu „The Next Step…“ aufnehmen. Vorher werden wir wie immer so viele Konzerte spielen wie möglich…

Vielen Dank für das Interview! Die letzten Worte gehören euch!

Joey: Obligatorisch, plakativ – kauft euch unsere CD verdammt noch mal… Auf amazon, EMP usw. oder auch direkt über www.cheeno.de oder www.prevision-music.com
Wer ein Album aus dem Internet zieht hat keine Freunde und erfährt nur Liebe aus Internetseiten ab 18 😉

04.01.2009

Geschäftsführender Redakteur (News-Leitung)

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