Kampfar
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Interview

Nachdem sich KAMPFAR 2006 mit "Kvass" nach sieben Jahren Funkstille eindrucksvoll zurückgemeldet haben, steht nun, Ende September, der Nachfolger "Heimgang" ins Haus. Frontmann und Metal-Traditionalist Dolk über das Konzept hinter "Heimgang" und die Essenz KAMPFARs.

KampfarAuf den ersten Blick sieht das Cover von „Heimgang“ ein bisschen seltsam aus mit diesen verschwommenen Grün-Schwarz-Kontrasten.

Ja, lass mich dazu ein bisschen was erklären. Das Cover trägt ja den Titel „Heimgang“. Es bildet eine vollkommen norwegische Welt ab, wie es in Norwegen vor einigen hundert Jahren war und erklärt die Verbindung zwischen der Unterwelt und dieser Welt. Das Bild stellt eine Art Pfad dar und verdeutlicht auf diese Weise die andere Welt.

Auf „Heimgang“ wurde der Anteil der Folk-Instrumente wieder reduziert, die Lieder scheinen irgendwie kompakter und direkter.

Als „Kvass“ herauskam, hatte ich ungefähr sieben Jahre voller Probleme mit persönlichen Angelegenheiten hinter mir. Als wir also „Kvass“ veröffentlichten, war das eher ein Zeichen, dass wir zurückkommen. Wir versuchten, zu erklären, wo KAMPFAR gewesen war. „Kvass“ war für mich mehr eine Autobahn, eine offene Strecke, und wir wollten zeigen, welche Musik KAMPFAR zu dieser Zeit gemacht haben. Letztlich würde ich nicht sagen, dass wir es geschafft haben, die Essenz dessen zu bekommen, das KAMPFAR zu dem Zeitpunkt war. „Heimgang“ ist für mich näher an dem, was wir jetzt sind, weil es so viel mehr Tiefe besitzt als „Kvass“ sie hatte. Wir probierten auch mehrere Dinge aus, was die Folklore-Instrumente auf dem Album angeht. Wir hatten eine ziemlich klare Idee und sind damit ins Studio gegangen, aber nach einer Weile stellte sich heraus, dass es vielleicht das Beste ist, es etwas einfacher zu gestalten. Und dann sind viele von diesen Folkinstrumenten unnötig, weil wir Folklore nicht einbinden wollen, nur um sie eben einzubinden.

„Heimgang“ fängt die Essenz KAMPARs also besser ein als „Kvass“? Warum?

Ja, ich denke, das tut es auf alle Fälle. Die Erklärung liegt darin, dass, als wir an „Kvass“ arbeiteten, jeder in der Band wusste, dass zum Beispiel das Lied „Ravenheart“ ziemlich hervorstach und sich vollkommen vom Rest des Albums unterschied. Aber dieses Mal ist es anders. Dieses Mal haben wir mehrere Dinge verändert. Wir sind jetzt nicht mehr in der Lage, ein Lied eindeutig für das stärkste des Albums zu erklären, dieses Album ist um so viel mehr eine ganze Einheit, ein so starkes Album, wenigstens meiner Meinung nach. Deswegen können wir auch definitiv sagen, dass wir mehr von der Essenz KAMPFARs eingefangen haben, wenigstens davon, wie KAMPFAR im Jahre 2008 ist.

Ihr habt auch auf „Heimgang“ wieder diesen speziellen KAMPFAR-Sound behalten, den ihr seit eurer ersten Veröffentlichung habt. Fürchtet ihr manchmal Stagnation?

Ja, natürlich, wir haben da eigentlich immer Angst und wir diskutieren auch innerhalb der Band eine Menge deswegen. Aber schlussendlich zieht man eben sein Ding durch und es wird dann so, wie es eben geworden ist. Für mich ist es immer noch so, auch heute noch, wie vor 15 Jahren: Für mich lebt jedes Lied sein eigenes Leben und wenn sie dann fertig sind, wissen wir das alle; aber natürlich haben wir auch ein bisschen Angst vor Stagnation. Trotzdem sind wir meiner Meinung nach nicht stehen geblieben, wir haben unseren Stil eher noch weiter entwickelt. Was andere Hörer denken, ist natürlich ihre Sache.

„Heimgang“ ist nicht so aggressiv wie „Kvass“ es war oder auch „Fra Underverdenen“, es geht mehr um Aberglaube und Volksmythologie.

Ja, da hast du Recht. „Heimgang“ ist wirklich nicht so aggressiv, aber dafür hat es auch mehr Tiefe als jemals zuvor. Was wir erreichen wollten, war eben genau, dem Album viel Tiefe zu geben. Das gilt natürlich auch für die Lyrics, da ist viel die Rede von Aberglaube und den dunklen Kräfte der Natur. Und dazu passt eben auch die Musik. Sie ist auch, wenigstens ein ganz kleines bisschen, melancholischer als sonst.

Welche Faszination kommt von solchen alten Geschichten und Mythen?

Ich war davon schon immer fasziniert, schon seit ich ein kleines Kind war. Ja, man kann es wohl „Faszination“ nennen. Dazu zählt auch Geschichte im Allgemeinen, besonders norwegische Geschichte. Ich komme aus Westnorwegen und viele der Texte und der Lieder beziehen sich direkt auf historische Dinge dort oder zumindest so, wie ich sie sehe. Für mich ist das ein sehr viel persönlicheres Album, sowohl auf textlicher wie auch auf musikalischer Ebene.

Wie bei KAMPFAR üblich, sind die Texte wieder auf Norwegisch verfasst. Abgesehen von der Tatsache, dass es deine Muttersprache ist, hat die norwegische Sprache einen eigenen Charakter, den z.B. Englisch nicht ausdrücken kann?

Ja, auf jeden Fall. Das ist einer der Hauptgründe, warum wir das immer noch tun. Natürlich, wie du gesagt hast, ist es meine Muttersprache, aber das ist nicht der Grund dafür. Ich denke… Eigentlich habe ich da gar keine so ausgeprägte Meinung drüber, ich bin nicht der Typ Mensch, der Norwegisch für das einzig Wahre auf der Welt hält. Das Album klingt eben, wie es ist, und zu diesen Liedern passt Norwegisch am besten – im Moment, ich möchte für die Zukunft andere Dinge nicht ausschließen. Wie ich sagte, jedes Lied hat sein eigenes Leben. Vielleicht gibt es ja nächstes Mal ein paar englische Lieder, ich weiß es nicht. Genau wie bei „Ravenheart“ und „Norse“, die sich einfach als Englisch entpuppt haben, weil ich es da als passend empfunden habe. Das könnte in der Zukunft wieder passieren.

Auf älteren Alben habt ihr ja schon altnordische Texte verwendet, geschah das auf „Heimgang“ wieder?

Nein. Wie ich sagte, dieses Mal ist das Album so viel persönlicher, auf musikalischer wie auf textlicher Ebene, ganz besonders auf textlicher Ebene; jedes Lied entstand eher in meinem Kopf. Die Sprache, die Art, sie auszudrücken, kommt mehr aus meinem eigenen Kopf, zum Beispiel in Hinsicht auf historische Ereignisse, die ich aus einer persönlichen Sicht beschreibe. Deswegen ist es auch einfacher, Norwegisch zu benutzen, im Gegensatz zum Altnordischen.

KAMPFAR ist also mehr dein eigenes Projekt für deine eigenen Ideen? Oder mehr eine Band, in der alle zusammenarbeiten?

Zu Beginn war es wirklich meine und nur meine Sache. Aber bei KAMPFAR haben sich einige Dinge auf jeden Fall geändert und ich würde sagen, dass wir zu diesem Zeitpunkt wirklich vier Mitglieder einer echten Band sind. Wir arbeiten zusammen so viel besser und die Essenz, die man auf „Heimgang“ hört, sind genau diese vier Mitglieder – nicht nur ich und die anderen, die es spielen. Ich finde das super, wir sind nicht mehr der das Zweiergespann (gemeint sind Thomas und Dolk – Anm. d. Red.) nur mit Sessionmusikern.

KAMPFARs Besetzung ist seit der Gründung beständig gewachsen und ich glaube sogar, dass niemals jemand die Band verlassen hat. Ist KAMPFAR daran gewachsen und hat sich mitentwickelt?

Exakt. Das ist eine tolle Sache, denke ich; wir sind sehr zusammengewachsen. Das kann sich jetzt abgedroschen anhören, aber es ist die Wahrheit. Wir sind jetzt wie eine Familie.

Aber wie habt ihr es dann geschafft, eurem Stil und den Wurzeln von KAMPFAR so treu zu bleiben?

Das ist eine sehr schwierige Frage, ehrlich gesagt. Wie ich schon früher versucht habe zu erklären, machen wir einfach unsere Musik und am Schluss ist es einfach so, als ob sie sich selbstständig gemacht hätte (lacht). Wir haben viele Ideen, wie der Sound hinterher sein sollte, bevor wir ins Studio gehen. Und dann gehen wir ins Studio und die Lieder sind dann irgendwie einfach so, wie sie sind. Vielleicht hatten wir ein paar besondere Ideen, die wir da auf dem Synthesizer ausprobieren mussten und so weiter, aber letztlich passierte es einfach irgendwie. Schlussendlich klingt die Musik dann so, wie wir das wollten. Wir verlieren ja nicht einfach die Wurzeln, die wir immer hatten.

Deine Heimatstadt Fredriksstad ist ein Stückchen weg von Oslo und Bergen, den beiden norwegischen Black-Metal-Hochburgen, wenn man so sagen möchte. Gibt es in Fredriksstad eine eigene Metalszene, die unabhängig von den anderen ist?

Eine Sache, die ich zuerst korrigieren möchte, ist, dass Fredriksstad 33 jahre lang meine Heimatstadt war, ich bin jetzt weiter weg in den Westen Norwegens gezogen, in eine Stadt namens Larvik. Das ist ein sehr kleiner Ort, verglichen mit Fredriksstad, es gibt da viel mehr Seen und Wälder und weniger Leute. Die Dinge liegen also ein bisschen anders als in Fredriksstad. Zur Szene in Fredriksstad: Die war nie gut, muss ich sagen, was Black Metal angeht. Wir waren immer eine Band, die irgendwie allein stand und ihr eigenes Ding gedreht hat. Im Rückblick muss ich aber sagen, dass das gut war, weil wir so die Freiheit hatten, uns auf uns selbst und unsere Musik zu konzentrieren, anstatt die ganze Zeit mit anderen zu konkurrieren.

Bis Fredriksstad ist es dann ja jetzt ein weiter Weg. Findest du da genug Zeit, um mit den anderen zu proben?

Ja, die Zeit finden wir! Das größte Problem ist vielleicht nicht, dass ich in Larvik lebe, weil der Schlagzeuger selbst in den Niederlanden lebt. Aber wir haben das trotzdem hinbekommen, weil er normalerweise das ganze Jahr über eine Woche pro Monat nach Norwegen kommt. Wir treffen uns auf halber Strecke bei mir und gehen zusammen in den Proberaum. Da bleiben wir dann vier Tage, schließen uns ein und sind allein mit der Musik. Für uns war das eine Wohltat, würde ich sagen, weil wir normalwerweise in unseren frühen Tagen drei- oder fünfmal pro Woche geprobt haben. Jetzt ist es so, dass wir alle einzeln daheim sind und da Sachen im Voraus tun können. Wir schreiben Teile der Lieder daheim und wenn wir uns treffen, arbeiten wir zusammen daran. Letztlich war das sehr positiv für uns, weil wir uns dann viel besser konzentrieren können, wenn wir mal zusammen sind.

Ok, das war es dann von meiner Seite aus. Hast du letzte Worte?

Nein, eigentlich nicht. Ich habe diese Woche mit einigen Magazinen geredet… Doch, eine Sache gibt es da, die ich erwähnen möchte. Alles auf „Heimgang“ ist das, was wir spielen und zwar in Echtzeit und nicht irgendwie durch anderes ersetzt. So hat sich der Metal heute entwickelt und ich mag das nicht so sehr, weil Metal für mich immer schon bedeutet hat, Musik direkt zu spielen. Dass alles auf „Heimgang“ echt ist, ist einfach wichtig festzuhalten unter diesem Umständen. Du verstehst hoffentlich, was ich meine. Ich hoffe, der Metal kann wieder in eine andere Richtung gehen, als das in den letzten Jahren der Fall war.

Galerie mit 22 Bildern: Kampfar - Rockharz Open Air 2016
13.09.2008

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