Mantic Ritual
Mantic Ritual

Interview

Mit dem aktuellen “Executioner“ haben die vier Jungs von Mantic Ritual ein wahres Thrash-Feuerwerk der alten Schule abgebrannt und klingen dabei auch noch so unverbraucht und frisch wie Metallica in den frühen Achtzigern. Logisch, dass man dieser neuen Hoffnung der Knüppel-Bewegung spätestens jetzt mit ein paar Fragen nach musikalischen Vorbildern, dem Thrash-Revival, der US-Szene und dem anstehenden Nachfolger der Prachtscheibe auf den Pelz rücken muss. Antworten erhielten wir vom sympathischen Fellverdrescher Adam Haritan.

Mantic RitualZunächst einmal: Glückwunsch! Eure aktuelle Scheibe ballert mächtig! Hinsichtlich der Veröffentlichungen der alten Thash-Helden wie Exodus, Death Angel und Konsorten ist festzuhalten, dass es euer Album ist, welches den alten Geist und die unbestreitbar authentische Attitüde widerspiegelt. Ich nehme mal vorsichtig an, dass ihr schwer zufrieden mit der Platte seid…

Ja, natürlich! Wir sind wirklich sehr damit zufrieden, wie sich alles entwickelt hat. “Executioner“ enthält all die rauen Elemente, die den Heavy Metal auszeichnen, ohne dabei wie die meisten modernen Produktionen steril zu klingen. Wir wollten auf jeden Fall sicherstellen, dass das Album unseren wahren Sound festhält – und ich denke, dass es das auf jeden Fall tut. Es ist sehr aggressiv, heavy und doch eben authentisch und stellt die Chance dar, der Welt unsere Kreativität näherzubringen. Ich hoffe, die Fans wissen es ebenso zu schätzen.

”Executioner” ist ein sehr old-schooliges Metal-Album geworden, wobei hier recht schnell Einflüsse wie Exodus und Metallica auszumachen sind. Denkst du, die alten Zeiten könnten wieder aufleben, nachdem ja stets von einem Thrash-Revival die Rede ist?

Ich glaube nicht, dass die Vergangenheit je wieder hergestellt werden kann, unter keinen Umständen. Sicherlich kann man Elemente aus der Vergangenheit in die Gegenwart transportieren, aber Dinge von gestern werden heutzutage nie dieselben sein. Daran glaube ich fest und bringe dies in Mantic Ritual ein. Wir versuchen nicht, den Thrash der Achtziger wiederzubeleben oder als Kopie irgendeiner bestimmten Band aus der Vergangenheit in Erscheinung zu treten. Wir nehmen eher das Essentielle, was den Metal in seinen frühen Jahren so großartig gemacht hat, bringen das dann auf einen neueren Stand, während wir unsere eigene Schiene fahren. Dabei versuchen wir, der Musik den alten Geist des Metal zurückzugeben, um ihn für das Heute interessant zu gestalten. Und ich denke nicht, dass der Thrash wieder zurück ist, vielmehr denke ich, er war nie richtig weg! Er hat sich verändert und die unterschiedlichsten Wege eingeschlagen, aber er war immer da. Thrash war nie verloren – es waren nur ein paar Bands nötig, um wieder für eine Durchzündung zu sorgen. Überdies denke ich, dass man immer den Fortschritt im Auge haben sollte. Ich sehe Mantic Ritual als eine frische Combo, die der Welt viel zu bieten hat.

Was bedeutet Dir der Metal im Allgemeinen und der Thrash im Besonderen?

Metal ist Attitüde und Aggression, die in die Musik gesteckt werden. Es stellt für mich eine Möglichkeit dar, meine Energie und Emotionen zu etwas Kreativem zu bündeln. Gleichzeitig muss natürlich auch Spaß dabei sein und es darf nicht alles zu ernst genommen werden. Metal sollte immer für eine gute Zeit stehen und Leute nicht runterziehen. Sicher kann er ernst sein; aber mal ehrlich, wenn es keinen Spaß dabei gibt, wieso sollte man es dann mögen? Thrash Metal ist einfach Metal auf Speed, haha. Es ist ein bisschen schneller und natürlich auch ein bisschen aggressiver. Ich denke nicht, dass es irgendwas mit Mode zu tun hat, aber auch nicht mit dem Underground – es ist einfach nur Heavy Metal, der nen Zahn zugelegt hat.

Welche Vorbilder sprich welche Bands haben euch/dich und euer Songwriting besonders beeinflusst?

Meine Vorbilder in der Musikwelt sind einfach die, die großartige Songs schreiben. Die mögen nicht immer die besten Musiker sein, aber sobald sie die Fähigkeit besitzen, brillante Songs zu schreiben, habe ich den größten Respekt vor ihnen. Bands, von denen ich das behaupten kann und die uns auch stark beeinflusst haben, sind Metallica, Diamond Head und Mercyful Fate. Ich mag ihre recht einfachen und sehr eingängigen Songs, die doch aggressiv sind und auf den Punkt kommen. Es ist nichts Schrilles daran. Es ist einfach gute Musik und wir versuchen, Songs mit einer ähnlichen Einstellung zu schreiben. Andere Metal-Einflüsse sind Sepultura, Morbid Angel, Judas Priest und die Scorpions. Ich persönlich höre mir zudem eine Menge alten Punk an, besonders die Ramones. Auch hier sind die Songs simpel und eingängig, aber dabei so kraftvoll, dass sie in der Lage sind, den Hörer direkt anzusprechen. Sicher sind die Metal-Einflüsse die wichtigsten, aber wir ziehen uns eine Vielzahl an musikalischen Spielarten rein, darunter klassischer Rock, Fünfziger-Rock’n’Roll und die Beatles!

Wer trägt denn diese überzeugenden und eingängigen Riffs zu eurer Mucke bei?

Dan (Wetmore, Klampfe + Gesang – Anm.d.Verf.) kommt mit den meisten Riffs an, aber wir tragen alle etwas zum Songwriting-Prozess bei. Und ich stimme zu, unser Zeug ist sehr eingängig. Mantic Ritual sind eine äußerst Gitarren-orientierte Band (traurig, das als Drummer zugeben zu müssen, haha), also versuchen wir auch, erinnerungswürdige Riffs zu schreiben, die sich im Kopf des Hörers festsetzen. Meiner Meinung nach hat die Klampfe bei den meisten modernen Metal-Bands ein wenig an Bedeutung verloren, gerade weil sie meist zu tief gestimmt wird oder das Schlagzeug ihren Platz beansprucht. Wir trachten danach, unsere Klampfen soweit im Vordergrund wie möglich zu halten und stimmen sie auf E.

Wie sieht es mit neuen Songs aus? Wann könnte ein neues Album veröffentlicht werden? Und wie wird dieses klingen? Wird es wieder an den alten Bay Area-Sound angelehnt sein oder wird es eine Entwicklung im Songwriting geben, etwa durch Hinzunahme neuer Einflüsse?

Wir sind eigentlich ständig mit neuem Material beschäftigt. Ende dieses Jahres oder Anfang des nächsten können wir dann davon sprechen, ein zweites Album einzuspielen. Unser erstes Album “Executioner“ ist das Resultat der ersten drei Jahre Mantic-Ritual-Songwritings. “Panic“ ist wohl während unserer ersten Probe 2004 enstanden, haha. Alle Songs sind schon etwas älter und schwer von Metallica und Diamond Head beeinflusst. Das neue Album wird definitiv unsere Entwicklung als Band widerspiegeln. Wir werden die Eingängigkeit von “Executioner“ mit ernsteren und aufwändigeren Songs verbinden, die Lyrics werden aussagekräftiger und die Songstruktur als solche wird weiterentwickelt. Es wird immer noch heavy, rau und aggressiv sein. Ich bin sehr mit der Richtung, die unsere Band eingeschlagen hat zufrieden und denke, die Fans werden dem zustimmen.

Welche anderen Metal-Spielarten sind deiner Meinung nach hörenswert und welche gehen dir in der lokalen und internationalen Szene auf den Sack?

Ich war noch nie ein Fan von MetalCore. Es gab da für ein paar Jahre einen großen Trend in Amerika, aber das hat sich ein bisschen beruhigt. Ansonsten kann ich mich mit jedem anderen Metal-Genre anfreunden. Wenn’s gut geschrieben ist und gute Songs zu hören gibt, bin ich immer ein Fan. Natürlich gibt es scheußliche Bands in jedem Genre, aber diejenigen, die wissen, was sie tun, gleichen das wieder aus, haha.
Was mir zurzeit auf den Sack geht, ist die moderne kommerzielle Musik – das meiste Radio-Zeugs also. Ich kann es nicht nachvollziehen, dass sich die Leute so was gerne anhören. Das Meiste ist poliert, überproduziert und völlig steril. Da gibt es keine Aufrichtigkeit oder gar Feeling mehr. Die einzigen Radiosender, die ich leiden mag, sind die Klassik- und Oldieskanäle. Das ist gute Mucke!

Denkst du, dass Nuclear Blast eine geeignetes Label ist, um eure Musik zu promoten? Bist du mit deren Arbeit zufrieden; natürlich sind sie so was wie der Major der Indies…

Nuclear Blast ist das perfekte Label für uns. Wir könnten nicht glücklicher sein, ein Teil ihres Teams zu sein. Eine Menge großer Namen werden mit NB in Verbindung gebracht und es ist eine Ehre, daran teilzunehmen. Zu meinen Jugendjahren im Metal hat mich NB schon angezogen. Ich mochte ihre Bands und erkannte den starken Einfluss, den sie auf die Musikszene hatten. Ein Traum wurde wahr, als wir bei ihnen unterschrieben und wir sehen als Nuclear-Blast-Künstler erwartungsvoll in die Zukunft.

Gib uns doch mal ein paar Hintergrundinformationen zu eurem Namenswechsel. Wofür steht Mantic Ritual? Welches Ritual zieht ihr denn durch, um prophetisch zu werden?

Wir opfern einen ausgestopften Teddybär vor jeder Show und zeigen unsere ehrerbietige Bescheidenheit, wenn wir dann prophezeien können. Kleiner Scherz! Wir haben unseren Namen von Meltdown zu Mantic Ritual im September 2008 geändert. Meltdown war ein verdammt geläufiger Name, der von anderen Bands und Firmen geführt wurde, also haben wir ihn, um Verwirrung und rechtliche Streitigkeiten zu vermeiden, geändert. Dan kam mit Mantic Ritual an und wir haben den neuen Namen alle für gut befunden. Und du hast recht: “Mantic“ bedeutet prophetisch. Es hat nichts mit irgendeinem Ritual zu tun, welches wir vollziehen, es geht eher darum, wie wir die Welt und den Weg, den sie nimmt, sehen. Die Leute werden immer blöder, leben ihr Leben unbewusst und sind ganz realitätsvergessen.
Es ist zu einem Ritual geworden, nicht mehr für sich selbst zu denken und sich stattdessen mit Mittelmäßigkeit zufrieden stellen zu lassen. Das ist ein recht wichtiges Thema für uns, gerade hinsichtlich unserer Lyrics, also halte ich den Namen für sehr passend.

Wie wird der Thrash in ein paar Jahren aussehen? Prophezeie uns etwas!

Haha, du magst das Wort “prophetisch”, was? Es ist schwer zu sagen, wo der Thrash mal enden wird. Zurzeit boomt er natürlich. Es gibt weltweit ne ganze Welle junger Leute, die Bands im Geiste der Vergangenheit gründen. Das ist gerade an der Westküste der USA ein großer Trend. Es wird sich jedoch wie alles andere auch ein wenig totlaufen. Es gibt einen Grund, warum Bands wie Metallica, Megadeth und Slayer in den Achtzigern groß wurden und überlebt haben – sie haben ihren Stil erweitert und sind in der Lage, weite Teile der Hörerschaft zu binden. Sie sind niemandes Regeln gefolgt. Das gilt für heute auch noch. Diejenigen Bands, die ihren eigenen Sound entwickeln, diesen dann auf neue Stufen heben können und sich selbst keinen Genre-Regeln unterwerfen werden erfolgreich wie zeitlos sein. Wenn es soweit ist, soll Mantic Ritual als großartige wie kreative Heavy-Metal-Band in Erinnerung bleiben.

Es muss recht enervierend gewesen sein, solange auf die Veröffentlichung von ”Executioner“ zu warten, welche auf den 27.02.2009 verschoben wurde…

Das hat mich nicht allzu betroffen gemacht. Der Namenswechsel war nicht der einzige Grund, aus dem die Veröffentlichung verschoben wurde, wenn er auch eine große Rolle gespielt hat. Wir wollten sicher gehen, dass das Artwork genauso perfekt ist, also hat’s ein wenig gedauert. Wie dem auch sei, “Executioner“ wird am 27.02.2009 veröffentlicht und daran kann nicht mehr geändert werden!

Das Artwork eurer Platte wurde geändert. Warum? Ist das ursprüngliche zu brutal ausgefallen? (abgeschlagener Kopf wird vom ”Executioner” in die Höhe gehalten).

Eigentlich war es zu geil! Der “Executioner“ war nämlich nackt! Das hat zuviel über uns ausgesagt. Ok, das war ein weiterer Scherz. Wir wollten einfach nur ein perfektes Album, von den Songs über die Produktion bis hin zum Layout und dem Cover. Nichts sollte dem Zufall überlassen sein und ein paar der anderen Entwürfe haben uns einfach nicht richtig repräsentiert. Das endgültige Cover hat Colin Marks mit Hilfe von Dan Wetmore fertiggestellt und es passt ausgezeichnet. Ich mag die Farben, das Arrangement der Objekte und das ganze Thema überhaupt. Die Fans scheinen das ebenso zu sehen.

Nachdem ihr das Album veröffentlicht habt, bedeutet Mantic Ritual genau was für dich? Was wollt ihr noch erreichen?

Mantic Ritual wird immer eine große Priorität in meinem Leben haben und es ist eine Möglichkeit, mich der Welt kreativ mitzuteilen. Im Moment möchte ich natürlich so viel wie möglich touren, um neue Fans zu gewinnen. Es ist wichtig für uns, für jeden offen zu bleiben, egal wer es auch sein mag, welche Mucke er gerne hört und wie er aussieht. Wir wollen keinen von unserer Mucke entfremden. Wir werden neues Material schreiben und mit der Zeit unsere Fähigkeiten als Mucker und unseren Stil ausbauen. Die Dinge laufen derzeit prima und ich hoffe, das wird so bleiben.

Wann – falls möglich- werden euch die deutschen Fans mal auf Tour erleben?

Leider haben wir noch keine Europa-Shows auf dem Plan. Hoffentlich werden wir Ende des Jahres mal rüberkommen. Wenn nicht dieses Jahr, dann definitiv nächstes Jahr. In Europa und vor allem in Deutschland zu spielen, ist sehr wichtig für uns. Wir haben nämlich eine Menge deutscher Fans, die uns von der ersten Stunde an unterstützt haben. Ich verspreche, dass wir bald bei euch sein werden.

Nenne mal ein paar Festivals, auf denen ihr gerne zocken würdet!

Wacken natürlich! Bang Your Head hört sich auch gut an, genauso wie das Rock Hard und Keep it True. Ich vermute, jedes Festival in Europa wäre eine hervorragende Erfahrung für uns. Die Festival-Szene in Amerika ist eher mau, also sieht’s so aus, als ob wir mal über den Teich machen müssten, um ein bisschen Spaß zu haben.

Und wie sieht es mit Bands aus, mit denen ihr mal gerne touren würdet, vielleicht als Support?

Toxic Holocaust ist eine großartige Band und es würde ne Wucht sein, mit denen zu touren. Carcass wäre auch nicht schlecht. Vielleicht Opeth und die Scorpions! Solange die Band mannigfaltige und auch viele Fans anzieht, ist sie die richtige!

Vielleicht noch ein paar Bands, die eigentlich nie mehr auf eine Bühne dürften:…

Oh, ich denke nicht, dass es an mir ist, zu sagen, wer nicht mehr auf die Bühne darf. Aber falls man mehr als 100 Pfund seit dem ersten Album zugelegt hat, sollte man es sich überlegen, ob man die Bühne entert.

Diesbezüglich die Frage, welche Metal-Szene die beste für dich ist – die US oder die europäische Szene? In welchen Punkten unterscheiden sie sich?

Ich bin natürlich befangen, wenn ich behaupte, die amerikanische wirklich zu mögen. Ich weiß ehrlich gesagt über die europäische gar nicht so sehr bescheid. Wir haben bis dato noch keine Show dort gespielt oder hatten je die Chance, die dortige Metal-Kultur kennenzulernen. Ich glaube aber, dass die Leute in Europa leidenschaftlicher sind und die Sache ernster nehmen, als es in den Staaten der Fall ist. Die Möglichkeit, die besseren Shows und Festivals zu spielen, ist ganz klar in Europa gegeben. In Amerika bleibt Metal zumeist im Underground. Es wird kaum im Radio oder Fernsehen gespielt und ist kaum in den Medien präsent. In Europa wird es wohl etwas kommerzieller zugehen, was für die Aufmerksamkeit für eine Band natürlich zuträglich ist. Um erfolgreich zu werden, ist wohl eine gesunde Balance zwischen US und europäischer Aufmerksamkeit angeraten.

Vielen Dank für die Beantwortung meiner Fragen. Jetzt hast du die Möglichkeit, ein paar Worte an die werte Leserschaft von metal.de zu richten:…

Danke an dich, dass du dir Zeit genommen hast, mich zu interviewen. Ich mochte die Fragen. An all unsere Fans: Danke für den Support, den ihr uns über die Jahre habt zukommen lassen. Wenn ihr noch nichts von uns gehört habt, testet uns auf myspace an und lasst uns wissen, was ihr denkt. “Executioner“ wird am 27. Februar veröffentlicht, also besorgt euch ne Kopie und rastet aus! Wir hoffen, euch bekloppte Headbanger bald mal zu sehen! Cheers!

26.02.2009

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