Mudface
MUDFACE - Interview mit Rich PIa

Interview

Mudface

Die Tatsache, dass Gründungsmitglied Ted Aguilar längst nicht mehr mit von der Partie ist und seit längerer Zeit schon für DEATH ANGEL in die Saiten langt, war mit Sicherheit ebenso kein Hindernis für MUDFACE. Ebenso die Tatsache, dass Schlagzeuger Pete Bostaph der Bruder von Drum-Ikone Paul ist, um erstmals ins Gespräch zu kommen. Doch auch in diesem Fall lässt sich festhalten, dass Vitamin B zwar durchaus hilfreich, aber nicht noch lange nicht alles ist. Auch wenn sich der Status dieser Truppe wohl schon sehr bald ändern wird, muss zu Beginn unseres Gesprächs zunächst einmal die Band-Geschichte aufgerollt werden.

Rich Pia, einer der beiden Gitarristen, der von seinen Bandkollegen auf Grund seiner energiegeladenen Art als „unbändig“ beschrieben wird, stellte sich mutig dem Fragen-Marathon und hatte überhaupt kein Problem damit, uns mit Details zu versorgen.

Der Stein kam im Sommer 2005 ins Rollen, als sich Ted und unser Sänger Chris Dinsmore für ein neues Projekt zusammentaten. Die beiden hatten zuvor bereits gemeinsam bei [SIFT] gespielt und wollten nach einer kurzen kreativen Pause wieder etwas auf die Beine stellen. Die Bedingung war jedoch, fortan deutlich heftigere und groovigere Musik zu machen. Nachdem das Line-Up komplettiert wurde, begaben wir uns als MUDFACE recht fix ins Studio, um ein erstes Demo aufzunehmen. Zeitgleich starten jedoch DEATH ANGEL eben mit „Killing Season“ amtlich durch und Ted musste sich in aller Freundschaft von uns verabschieden, um sich nicht zu übernehmen. Für uns war klar, dass er seinen Fokus auf DEATH ANGEL legte, wir hätten wohl alle so gehandelt. Als Quartett ging es danach an die Aufnahmen zu unserer selbstbetitelten EP, ehe wir mit Brett Cane als zweiten Gitarristen, sowie mit Hugo Calderon am Bass und Drummer Pete Bostaph verstärken konnten. Diese Besetzung hat aktuell auch „Anti-“ eingespielt und freut sich momentan über die ausschließlich positiven Rückmeldung auf das Album.

Zu euren Fans zähle auch ich, wobei mich vor allem die perfekte Mischung aus Old School-Bay Area-Thrash und 90er Groove in den Wahnsinn treibt. Wie würdet ihr denn eure Musik einem Unbedarften beschrieben?

Wer in der Bay Area aufgewachsen ist und seit frühester Jugend an mit diesem Stil konfrontiert wurde, kann wohl gar nicht anders, als Thrash Metal zu spielen. Dennoch sind wir bestrebt, unsere eigene Linie zu finden. Das ist uns offenbar durch die vielen Groove- Passagen sowie die dynamische Vortragsweise auch ganz gut gelungen. Jedenfalls wurden bisher zwar schon sehr viele Bands als Einflüsse angegeben, was auch vollkommen in Ordnung geht, ein direkter Vergleich aber noch nicht angesetzt, was für uns spricht.

Trotz vorhandener musikalischer Eigenständigkeit scheint ihr aber verdammt tief in der Bay Area-Szene verwurzelt zu sein, oder irre ich mich da?

Überhaupt nicht. Zum einen, weil wir hier groß geworden sind und es uns ehrt, als Teil dieser Bewegung angesehen zu werden. Außerdem ist es ein verdammt gutes Gefühl, von den Jugendhelden zu lernen, denn hier bei uns herrscht noch echter Zusammenhalt. Jeder unterstützt den anderen so gut er kann, egal wie berühmt er ist.

So etwas kann aber durchaus auch Druck auf eine Band ausüben. Gab es eine bestimmte Intention für dieses Album?

Nicht wirklich, aber ich wäre ein Lügner, wenn ich behaupten würde, die Songs sind uns einfach so ‘passiert‘. Als Ursache kann, nein, muss man sehr wohl die langjährige Szene-Zugehörigkeit, aber auch unsere aktuelle Traum-Konstellation bezeichnen, die sich gegenseitig zu Glanzleistungen aufstachelt. Mittlerweile haben wir das Album draußen und sehen zuversichtlich nach vorne. Die ersten Reaktionen jedenfalls lassen uns durchaus darauf hoffen, dass wir einen großen Schritt tätigen können.

„Anti-“ klingt obendrein auch wie aus einem Guss. Das lässt auf Teamwork schließen, sind denn alle Musiker in das Komponieren involviert?

Meistens. Denn auch wenn Chris und ich meistens den Startschuss geben, sind binnen kurzer Zeit alle mit ihren Vorstellungen dabei, was aus den ursprünglichen Ideen werden könnte. Chris arbeitet dann zudem zumeist zeitgleich auch an den Texten, lässt uns dabei aber auch von Beginn wissen, worum es gehen wird.

Diese Arbeitsweise scheint sich gut zu bewähren. Wogegen ist denn der unmissverständliche Titel „Anti-“ eigentlich gerichtet?

Wir wollen damit vordergründig zum Nachdenken anregen. Im Prinzip bleibt es jedem selbst überlassen, in welche Richtung seine Interpretation geht. Nichts zu rütteln gibt es jedoch an der Tatsache, dass es im Leben nicht immer nur perfekt läuft und man sich durchaus auch mit sehr negativen, schwer zu bewältigenden Tatsachen konfrontiert sieht, bevor es weitergeht.

Interpretationsfreiraum lässt auch das Artwork zu. Wer hatte denn die Idee dafür?

Das Cover geht auf Chris‘ Kappe, genauer gesagt auf ein Halloween-Kostüm von ihm. Als er damit bei einer Party aufgetaucht war, wurde es verdammt schnell leise. Brett meinte nur kurz und knapp, dass diese Verkleidung wohl perfekt die personifizierte Angst darstellt.

Habt denn auf Grund der guten Reaktionen auf das Album auch schon Anfragen von etwaigen Interessenten für zukünftige Kooperationen erhalten?

Noch nicht, aber dennoch sind wir geradezu überwältigt von den bisher ausschließlich positiven Reaktionen! Speziell von euch in Europa kam dermaßen viel an positivem Feedback. So etwas motiviert natürlich ungemein. Wir hoffen aber natürlich, dass der Erfolgslauf auch noch weitergeht. Doch ganz egal, ob und in welcher Form uns eine Geschäftsbeziehung offeriert werden wird, wir fühlen uns als Band auf jeden Fall darin bestärkt, das Bestmögliche aus unseren Songideen gemacht zu haben.

Bei der ganzen Euphorie, die ihr in unseren Breiten auslöst, wäre es doch nur logisch, sich auch auf den hiesigen Bühnen zu präsentieren. Ist da schon etwas geplant?

Das wäre selbstverständlich eine ganz fantastische Geschichte, aber im Moment läuft da leider noch nichts bei euch. Wir wollen aber keineswegs schwarzmalen, sondern müssen einfach die Geduld aufbringen und abwarten. Sicher ist aber auf jeden Fall, dass wir Sommer aufbrechen und hier in den Staaten eine Tournee absolvieren. Vielleicht gelingt es uns ja damit, auch den einen oder anderen europäischen Veranstalter auf uns aufmerksam zu machen.

Stichwort Live-Gigs: Die Liste an Bands mit denen ihr bereits die Bretter teilen dürfte, wird wohl nicht nur bei mir für heftige Gefühlsregungen sorgen. Konntet ihr denn auch von den Auftritten mit Helden wie DEATH ANGEL, OVERKILL, EXODUS und TESTAMENT profitieren?

Ganz bestimmt und zwar eine Menge! Wir sind nämlich nicht nur Musiker, sondern darüber hinaus auch immer noch Fans und zwar von genau diesen Bands. Von daher war es nicht nur inspirierend, sondern – nicht zuletzt auf Grund der bereits von mir erwähnten überaus positiven Einstellung, die ‘unsere Helden‘ an den Tag legen, auch hinsichtlich des sozialen Aspekts absolut gewinnbringend für uns als Menschen.

Seid ihr eigentlich auch noch anderwärtig in Nebenprojekte involviert?

Doch, doch, einige von uns haben auch noch ihr eigenes Süppchen am Köcheln, doch etwas Nennenswertes ist aktuell noch nicht dabei. Zum einen befinden sich diese Baustellen allesamt erst im Aufbau und zweitens liegt der Fokus von uns allen momentan ganz klar und ausschließlich bei MUDFACE. Wir sind wirklich zufrieden mit unserem Status und wissen auch, wo wir den Hebel anzusetzen haben, um noch ein bisschen weiter zu kommen.

Dann lassen wir uns überraschen, womit ihr uns als Nächstes die Ehre erweisen werdet. Gibt es denn schon konkrete Pläne für zukünftige Aktivitäten?

Klar doch! Wir werden weiterhin hart an uns als Musiker arbeiten und versuchen, uns als Band weiterzuentwickeln, wobei wir aber weder unsere Fans vergraulen wollen, noch uns anbiedern werden. Sicher wäre es fein, mit Musik erfolgreich sein zu können, doch wir sind uns der Sache bewusst, dass es jeder Menge an mühevoller und aufwändiger Aktivitäten bedarf, um wirklich reüssieren zu können. Von Nichts kommt nämlich Nichts, da helfen dir auch die besten Freunde und Beziehungen nichts! Dennoch bleibt es unser erklärtes Ziel, irgendwann einmal zu einer international renommierten Formation zu werden, die überall auf dieser Welt bekannt ist und Konzerte in allen nur erdenklichen Regionen gibt. Speziell das würde es uns auch ermöglichen, all unseren Fans persönlich zu danken, denn sie sind es, die es durch ihre Liebe zum Heavy Metal erst möglich machen, dass es um unsere Szene dermaßen gut bestellt ist.

 

15.07.2012

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