Nexus Inferis
Interview mit O. S. Entity

Interview

Nexus Inferis

Die Briten von NEXUS INFERIS haben, nachdem sie letztes Jahr den Rock The Nation-Award einheimsen konnten, mit „A Vision Of The Final Earth“ ihr Debut veröffentlicht. Anlässlich ihres „Future Extreme Metals“ habe ich das Gespräch mit Mastermind O. S. Entity gesucht, der ein paar Einblicke in das Schaffen des Dreiers gibt:

Lass mich euch zuerst zu „A Vision Of The Final Earth“ gratulieren – wie sind die Reaktionen bisher?

Danke! Die Reaktionen bisher sind großartig. Die Leute mögen das Album scheinbar, was fantastisch ist; wir bekommen als Teil der NoiseArt- und Rock The Nation-Familie eine Menge Aufmerksamkeit und das Feedback ist rundum positiv. Viele scheinen von uns echt fasziniert zu sein, vom Klang, der Botschaft, der Machart und so weiter.

Leider hat das Informationsmaterial von NoiseArt nicht wirklich viel hergegeben, außer dass ihr den Rock The Nation Award gewonnen habt. Wärst du bereits, mich und unsere Leser mit ein paar zusätzlichen Informationen zu euch zu versorgen?

Aber klar! Zunächst haben wir den Award nicht allein gewonnen, sondern zusammen mit einer italienischen Band namens KRAMPUS. Der Kern unserer Band bin ich (Gitarre, Synthetizer und Klang-Design), Lyn Jeffs (Drums) und Veracity (Vocals). NEXUS INFERIS gibt es in dieser Form seit 2010, wir haben also in relativ kurzer Zeit relativ viel erreichen können. Momentan bereiten wir uns auf die Europa-Tour mit BEHEMOTH und CANNIBAL CORPSE vor, 2012 beginnt also sehr aktiv und positiv.

Da du gerade die Full Of Hate-Tour 2012 erwähnst: Du hast eben nur drei feste Mitglieder aufgezählt – das ist bei eurer Musik live ja gar nicht zu schaffen! Habt ihr Gastmusiker oder werdet ihr bei den elektronischen Elementen auf Playbacks zurückgreifen?

Wir werden mit zwei zusätzlichen Musikern auftreten, und zwar mit Myk (Gitarre) und Scriv (Bass). Die beiden spielen auch bei SATURNIAN. Wir werden alle Elemente des Albums in unsere Bühnen-Show integrieren. Das Teil wird live ein unbarmherziges Panorama eines dystopischen Chaos!

Ok, dann lass uns über „A Vision Of The Final Earth“ quatschen: Wie ich lesen konnte, ist das Album ein bisschen wie eine „aufgehübschte“ EP, die ursprünglich nur fünf Songs enthielt. Welche waren das, beziehungsweise welche Songs habt ihr später aufgenommen?

Das ist richtig, ja. Als wir noch alles selbst finanziert haben, sollte es nur eine 5-Track-EP geben. Später sind dann die Songs „Perspective“ [das Intro – Anm. d. Verf.], „The New Strain“, „Beyond Evolution Rubicon“, „Destroyed Aperture“ und „Through My Conscious One Last Time“ dazugekommen. Zurückblickend war es eine gute Entscheidung, das Ganze zur Full Length auszubauen. Es war großartig, die Möglichkeit zu bekommen, unseren Ansatz zu erweitern und dem Album noch mehr Tiefe zu geben.

Ihr nennt euren Stil „Future Extreme Metal“, was ja suggeriert, dass „A Vision Of The Final Earth“ eine eigene Duftmarke setzt. Ein Leser eures Reviews merkte jedoch an, dass er keine großen Unterschiede zu TRISTWOODs „The Delphic Doctrine“ erkennen könne. Ich kenne das Album bisher nicht, aber du vielleicht!? Was sagst du dazu?

Nun, die Evolution der Musik weist Parallelen zur Evolution der Technologie auf, und wir versuchen mit NEXUS INFERIS, dieses zu reflektieren – das ist der eigentliche Grund für den Term „Future Extreme Metal“. Es beschreibt unseren Klang, unsere Texte und unsere Intentionen am besten. Das Album von TRISTWOOD kenne ich nicht, ich kann die Äußerung eures Lesers also nicht kommentieren – aber der Vergleich macht mich neugierig, ich muss wohl mal reinhören!

„A Vision Of The Final Earth“ weist eine extrem sterile Produktion auf, speziell die Drums sind geradwegs klinisch. Nicht, dass mir das nicht gefallen würde (im Gegenteil!), aber mich würde interessieren, ob ihr überhaupt mal darüber nachgedacht habt, dem Schlagzeug einen „organischeren“ Klang zu verleihen…

Darüber nachgedacht schon. Aber das ist der Klang, den wir von Anfang an wollten – mechanisch, unbarmherzig, so wie das gesamte Album. Das Resultat hat aber auch damit zu tun, dass unser Drummer extrem exakt spielt. Unser Produzent liebt es, mit ihm zu arbeiten, weil er so wenig quantisieren muss, haha.

Apropos steril und „anorganisch“: Mich haben die synthetischen Klänge echt beeindruckt – welche Software und welche Synthesizer hast du benutzt?

Danke dir! Ich habe verschiede Dinge ausprobiert. Natürlich habe ich einige Hardware-Synthesizer verwendet – Access Virus, Novation und andere. Ein Großteil ist aber das Resultat von Sample-Manipulationen. Dafür habe ich hauptsächlich Apple Logic mit einigen Plug-Ins verwendet. Dabei würde ich zeitgenössische Klang-Designer und Elektronik-Künstler wie Richard Divine als Inspirationsquelle nennen. Was ich an dem Prozess sehr bemerkenswert fand, ist, dass die Maschine den Klang nach einigem menschlichen Input fast wie von selbst an neue Orte führt.

Denkst du denn, dass „A Vision Of The Final Earth“ ohne Synthetik eine vergleichbare Atmosphäre hätte erreichen können?

Natürlich ist es immer möglich, das Erlebnis von Klang auch ohne Elektronik in seiner Tiefe zu erforschen. Das ist so oder so ein großer Bestandteil von NEXUS INFERIS. Es war von Anfang an unser Ziel, verschiedene klangliche Elemente so zu verknüpfen, dass etwas Einzigartiges entsteht. Unter diesem Gesichtspunkt ist die Atmosphäre des Album das Resultat der verschiedenen Nuancen, die zusammenarbeiten. Es würde dich wahrscheinlich wundern, wie viel von dem, was du als elektronisch erzeugte Klänge wahrnimmst, ursprünglich Gitarren sind.

Da muss ich wohl nochmal genauer hinhören, was!? Ein anderer Aspekt des Albums, den ich sehr schätze, sind die Stimm-Effekte: Die weibliche(?) Stimme in „The New Strain“ (meine Frau meinte, den „Dreckweg 08/17“ aus Super Mario Sunshine für den Gamecube zu erkennen…), den Beginn des Titeltracks klingt wie ein Film-Sample (oder ist es sogar?)… Wie viel Arbeit habt ihr in diese Effekte gesteckt, oder habt ihr den Weg intuitiv gefunden?

Das ist natürlich immer die Herausforderung für Musiker: Die Reichweite zu besitzen, die Vorstellungskraft walten zu lassen, neue Ideen zu skizzieren – aber man muss auch die Möglichkeit haben, diese Ideen wirklich umzusetzen! Die weibliche Stimme in „The New Strain“, die du erwähnst – der Song ist inspiriert von Ray Kurzweil, einem großartigen Technik-Pionier. Er ist für seine Haltung bekannt, dass Maschinen irgendwann die dominierende Spezies auf unserem Planeten sein werden, die in unermesslichen Formen alles durchdringen. Der Stimm-Effekt in „The New Strain“ spiegelt genau diese maschinelle Perspektive wider [also war Super Mario Sunshine gar nicht sooo weit weg – Anm. d. Verf.].

Aus einer breiteren Perspektive betrachtet, haben wir natürlich allen Details des Albums grpße Aufmerksamkeit gewidmet: Komposition, Klang-Design, Produktion etc. – das schließt natürlich auch die Stimm-Effekte ein. Wir vefolgen mit NEXUS INFERIS einen sehr holistischen Ansatz.

Was können wir denn als Nächstes von NEXUS INFERIS erwarten? Gibt es schon Ideen für den Nachfolger? Gibt es neue inhaltliche Welten, die ihr erforschen wollt?

Absolut! Ich werde an dieser Stelle nicht ins Detail gehen, weil wir noch in den Zügen von „A Vision Of The Final Earth“ liegen – aber ich weiß schon, wie es weitergeht. Ich fühle, dass es dort draußen ein ganzes Multiversum an Möglichkeiten gibt. Es gibt so viel zu erforschen, so viel Raum für diese Band, sich zu entwickeln, zu evolvieren. Die Tore sind offen! Ich halte das für eine sehr gute Sache, denn es ist das beste Fundament für Langlebigkeit.

Was man von diesem Interview nun nicht mehr behaupten kann, denn das war tatsächlich meine letzte Frage an dich. Ich danke dir für deine Zeit, wünsche euch viel Erfolg mit „A Vision Of The Final Earth“ und überlasse dir das Schlusswort:

Es war mir ein Vergnügen! Danke, dass ihr uns euren Lesern vorstellt und ein Riesen-Dankeschön an alle, die uns bisher unterstützen! Es ist schon jetzt ein verrückter Ritt – und wir fangen gerade erst an. Unser Album erscheint am 27. Januar – hört es euch an! Besucht auch unsere Facebook-Seite und unsere Konzerte!

Over and out.

24.01.2012

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