Old Man's Child
Old Man's Child

Interview

Viele hätten nach Galders Einstieg bei den Bombast-Black-Metal-Anführern DIMMU BORGIR keinen Pfifferling mehr auf sein eigentliches Betätigungsfeld OLD MAN’S CHILD gesetzt, zumal er seit jeher mit Line-up-Problemen zu kämpfen hatte und quasi nur noch als Ein-Mann-Projekt mit in hübscher Regelmäßigkeit wechselnden Schlagzeugern fungiert. Doch Totgesagte leben bekanntlich länger. So erschien dieser Tage mit "Vermin" das mittlerweile sechste Studioalbum des Kindes des alten Mannes, das sich überraschenderweise wieder wesentlich bodenständiger, old-schooliger und endgültig fernab von jeglichem DIMMU-Bombast ansiedelt. Mainman Galder sieht dies ähnlich, wie er in einem gemütlichen Plausch nur zu gerne bekräftigte.

Old Man's ChildDirekt mal herzlichen Glückwunsch zum neuen Album, dem stärksten seit „Ill-Natured Spiritual Invasion“.

Cool, danke! Das Freut zu hören!

Es geht ein wenig back to the roots.

Ja, vielleicht. Das hängt alles vom Sound ab. Du kannst ein- und demselben Song einen Black Metal- oder einen Death Metal-Sound verpassen. Das Ergebnis klingt völlig verschieden, obwohl die Noten dieselben sind. Es war nicht meine Absicht, „Vermin“ old-schoolig klingen zu lassen. Das hat sich einfach so ergeben. Außerdem ist es in der Gesamtheit gesehen ein langsameres Album mit mehr Atmosphäre.

Ich denke, du wirst die Vergleiche zwischen OMC und DIMMU BORGIR ständig hören, aber eigentlich ohne Grund. Denn eigentlich hast du dich seit „Revelation 666“ immer weiter weg von DIMMU entwickelt.

Das ist schön zu hören, vor allem, weil es das erste Mal ist, dass dies jemand zu mir sagt.

Das überrascht mich. Denn wo findet man bitte diesen Bombast, der DIMMU auszeichnet, bei OMC?

OMC sind sehr gitarrenorientiert. Die Keyboards sind nur dazu da, um Atmosphäre zu erzeugen. Würde ich sie weglassen, würde alles noch mehr nach Death und Thrash klingen. Damit dies nicht passiert, habe ich die Keys dabei.

Warum hast du dir „Born Of The Flickering“ für eine Neuaufnahme ausgesucht?

In Japan braucht man immer einen Bonustrack. Zusätzlich wird er noch auf einigen ltd. Editions in den nächsten Jahren erscheinen. Jeder wird also Möglichkeit bekommen, sich das Teil in den Schrank zu stellen. Ziel war es für mich dabei, einfach eine bessere Version dieses Songs abzuliefern. Ich hatte schon lange darüber nachgedacht. Ich habe alle cleanen Vocals gekickt und eine Version gemacht, die einfach nur nach vorne geht. Zerstören wollte ich das alte Feeling aber keinesfalls.

Hältst du es für möglich, dass es irgendwann mal wieder ein OMC-Album gibt, das klingt wie euer Debüt?

Ja, das kann durchaus passieren. Das erste Werk ist bei vielen Bands das, wo am meisten experimentiert wird, wo die verschiedenartigsten Parts vermischt werden. Ganz am Anfang der Karriere traut man sich noch, alles Mögliche zu erforschen. Je älter und reifer man als Musiker wird, desto mehr Angst hat man davor, verrücktes Zeug auszuprobieren. Nimm mal den Herzschlag am Anfang von „Born of The Flickering“. Das würde ich heute nie mehr verwenden, weil ich für dämlich halte, obwohl es cool klingt. Zehn Jahre später denkt man halt anders. Aber dass ich nochmals eine Platte mit vielen Experimenten rausbringe, kann ich nicht ausschließen.

Gibt es noch weitere Gründe für die Angst vor dem Experiment, wenn man älter ist? Liegt es vielleicht auch daran, dass mit jedem weiteren Album die Erwartungshaltung der Leute steigt und man sich einem gewissen Druck ausgesetzt fühlt?

Ja, das spielt natürlich auch eine Rolle.

Wen genau meinst du mit dem Albumtitel „Vermin“?

Ich habe ein passendes Wort gesucht, um die heutige Menschheit zu beschreiben. Da ich hauptsächlich über die schlechten Seiten unserer heutigen Gesellschaft schreibe, paßt das ganz gut. Außerdem sollte der Titel diesmal nur aus einem einzigen, einprägsamen Wort bestehen.

Kannst du bitte mal die Unterschiede zwischen der Arbeit für DIMMU und der Arbeit für OMC beschrieben?

Bei DIMMU ist es viel einfacher, Musik zu machen und zu kreieren, weil sich jeder in die Band einbringt und verschiedene Ideen mitbringt. Da fließt die Arbeit einfach. Bei OMC gestaltet sich das schwieriger, weil ich alles alleine machen muss. Auf der anderen Seite kann ich aber genau das machen, was ich will. Keiner redet mir rein.

Aber vermißt du nicht ein gewisses Bandfeeling, wenn es um OMC geht?

Wenn ich touren würde, dann würde ich das bestimmt. Aber das, was ich momentan am meisten mag, ist in meinem Zimmer am PC zu sitzen und Songs zusammen zu basteln. Ich toure sehr viel mit DIMMU. Wäre das auch mit OMC so, dann hätte ich ja für gar nichts mehr Zeit. Deshalb bin ich eigentlich recht zufrieden mit meiner jetzigen Situation. Natürlich wäre es mit einer Band manchmal einfacher. Dann müßte ich jetzt z.B. auch nicht alle Interviews selbst geben und hätte noch kreativen Input von außen. Aber genau aus diesen Gründen ist OMC mittlerweile ein Soloprojekt. Ich hatte öfters Pech mit meinen Mitstreitern.

Glaubst du, „Vermin“ hätte anders geklungen, wenn fünf Leute daran beteiligt gewesen wären?

Es wären bestimmt noch dieselben Songs, bei denen sich vielleicht nur das ein oder andere Riff unterschieden hätte. Ich selbst weiß ganz genau, wie meine Riffs zu klingen haben. Aber insgesamt ist das schwer zu beurteilen.

Der einzige anderweitig beteiligte Musiker war Reno Killerich an den Drums. Hast Du ihm gesagt, wie er die Sachen zu spielen hat oder hast du ihm völlig freie Hand bei der Interpretation deines Materials gelassen?

So ein Mittelding. Ich habe ihm zwei CDs zukommen lassen. Auf einer waren die Drums in einer Rohfassung angedeutet, auf der anderen haben sie völlig gefehlt. Er hat dann quasi sein Drumming aus beidem zusammengesetzt.

Hattest du durch ihn andere Möglichkeiten, die Drums einzusetzen, als du es mit Nick Barker hattest?

Nein, nicht wirklich!

Warum hat er dann diesmal die Drums nicht eingespielt?

Ich hatte gar nicht mit ihm darüber geredet. Als er DIMMU verlassen hat, ist er, glaube ich, in die USA gezogen. Reno habe auf der DIMMU-Tour kennen gelernt und sein Drumming hat mir gefallen. Er ist verdammt schnell. Außerdem mag ich es, ständig verschiedene Drummer auszuprobieren, hehe.

Ja, es scheint eine Tradition im Hause OMC zu sein, auf jedem Album einen anderen Drummer zu haben.

Ja, aber das ist auch gut so, da ich auf diese Weise immer wieder frischen Input bekomme.

Hast du auch frischen Input durch den Gastauftritt von Eric Peterson bekommen?

Ich habe ihn öfters getroffen, wenn wir auf Tour waren. Durch Zufall war er zur selben Zeit mit DRAGONLORD im Studio Fredman, als wir dort auch aufgenommen haben. Also haben wir angefangen, uns über einen Gastauftritt zu unterhalten. Kurze Zeit später machte ich eine Pause und war in Norwegen. In dieser Zeit hat er dann etwas aufgenommen. Ich habe es zum ersten Mal gehört, als wir die Scheibe abgemischt haben. Seine andere Band TESTAMENT war ein großer Einfluß für mich, als ich groß geworden bin.

Hast du im Gegenzug auch etwas für DRAGONLORD eingespielt?

Hehe, nein!

Wenn ich mich richtig erinnere, müßte nach „Vermin“ noch eine Platte folgen und dann ist der Vertrag mit Century Media ausgelaufen. Wird es OMC danach noch geben?

Ja, wir unterhalten uns gerade über eine Verlängerung um zwei Scheiben. Der Vertrag wird ein wenig abgeändert und verbessert und ich bin wieder mehr motiviert, hehe.

Das hört sich gut an. Ich denke, viele Leute hatten erwartet, dass dein Einstieg bei DIMMU den Tod von OMC bedeutete.

Sie haben falsch gelegen.

Glücklicherweise! Abschließend knalle ich dir noch ein paar Stichwörter um die Ohren. Bitte antworte spontan, ohne groß nachzudenken! Los geht es mit Beständigkeit!

Du mußt sie als einen deiner Charakterzüge haben, um in diesem Business zu überleben. Niemals aufgeben, immer fokussiert arbeiten!

Business?

Plattenfirmen.

Religion?

Sie inspiriert mich zu meinen Texten.

Hast du in den neuen Texten wieder ausschließlich religiöse Dinge verarbeitet?

Nein, nicht nur. Diesmal habe ich mich auch viel mit der Natur des Menschen befaßt. Religion ist natürlich ein großer Teil von ihr, wenn wegen ihr sogar Kriege ausgetragen werden.

Wird Religion dieser Tage immer wichtiger und immer gefährlicher?

Nein, sie wird es nicht. Sie war das schon immer. Zwar tauchen in den Nachrichten immer mehr Meldungen über den Islam und seine Terrorgruppen auf. Aber selbige waren schon immer da und haben auch schon immer gehaßt. Und die Christen haben schon immer die Moslems gehaßt. Genau das wird auf dem Album verarbeitet.

Mal wieder ein Beispiel dafür, wie sehr sich jede Religion doch widerspricht, in dem sie eine andere haßt.

Absolut!

Ok, weiter geht es mit Politik.

Verfolge ich kaum. Außer vielleicht jetzt, wo in Norwegen Wahlen anstehen. Ich meine, es ist interessant, Politik im TV zu verfolgen. Aber im Endeffekt ist es egal, welche Partei du wählst, für dich selbst wird sich absolut nichts verändern. Es geht nur um Geld.

Tattoos

Cool!

Wann hast du dich zum ersten mal stechen lassen?

Vor ein paar Jahren.

Ist das für dich Kunst oder eher ein Trend, dem momentan jeder hinterherläuft?

Mich haben Tattoos schon immer fasziniert. Ich wollte schon in der sechsten Klasse meine Arme zugekleistert haben. Aber bis vor kurzem war ich immer zu faul, mir das machen zu lassen. Dann war ich jedoch der letzte aus der Band, dessen haut noch jungfräulich war. Also habe ich verdammt viel Bier getrunken, den Tätowierer angerufen und mir besoffen mein erstes Tattoo stechen lassen, hehe.

Betrunken? Du hast bestimmt geblutet wie ein Schwein.

Nein, überraschenderweise überhaupt nicht.

Sollte mir mal passieren. Nächstes Stichwort: Black Metal.

Seit über 15 Jahren ein sehr wichtiger Teil meines Lebens, mit dem ich quasi aufgewachsen bin. Die Szene ist leider nicht mehr so stark wie früher. Aber das ist mit jedem Musikstil so. Wenn kein frischer Atem in die Szene gehaucht wird, stirbt sie irgendwann aus. Die alten Platten von DARKTHRONE oder IMMORTAL laufen bei mir trotzdem immer noch rauf und runter. Vielleicht ist dieses Aussterben gar nicht so schlecht. Alles bewegt sich in Zyklen, was bedeutet, dass der Black Metal irgendwann wieder kommt und dann hoffentlich wieder ganz am Anfang beginnt.

Moderne Metal-Stile?

Mag ich nicht.

Deine Gitarre.

Mein bester Freund. Sie ist immer da, wenn ich sie brauche. Und sie enttäuscht dich nie. Wenn ich down bin, gibt sie mir die passenden Riffs dazu. Wenn es mir gut geht, ebenso. Ich verbringe mehr Stunden mit ihr als mit meiner Freundin.

Was bedeutet dir der Metal?

Hmm…irgendwie ist es komisch, den Metal eine Lebensweise zu nennen. Aber er ist es nun mal, da er schon immer ein großer Teil meines Lebens war. Der Metal repräsentiert alles, wofür ich stehe. Ich lebe mein Leben nach dem Metal-Buch.

Ein schöner Schlußpunkt. Hast du trotzdem noch ein paar Worte an deine deutschen Fans?

Ich hoffe, ich bekomme in nächster Zeit ein temporäres Line-up zusammen. Ich möchte mal wieder in Deutschland spielen. Das letzte Mal war, glaube ich, vor sechs Jahren. Da freue ich mich drauf!

13.11.2005

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