Pripjat
Ein Zeichen der Menschlichkeit! - Interview mit Eugen Dude Lyubavskyy zum Solidaritätskonzert "Köln hat ein Musikherz"

Interview

Welch ein Zeichen der Solidarität und der Anteilnahme: Nach den schrecklichen Terroranschlägen in Paris, bei denen allein beim Konzert der EAGLES OF DEATH METAL im Bataclan 89 Menschen ums Leben kamen, hat die Band weitere Konzerte verständlicherweise abgesagt. Am Dienstag Abend (17.11.2015) hätte sie in der Kölner Essigfabrik gespielt – stattdessen hat Veranstalter Sergio Sotric das Solidaritätskonzert „Köln hat ein Musikherz“ mit den Bands PRIPJAT, NEVERLAND IN ASHES, HOPELEZZ, SUSIGOES18, LAYMENT und THE LEGION:GHOST auf die Beine gestellt: Einmal, um zugunsten der Opfer in Paris Geld zu sammeln – alle Bands verzichteten auf ihre Gage wie alle Mitarbeiter auf ihren Lohn. Außerdem konnten die Zuschauer statt eines Eintritts Geld spenden. Zum anderen, um zu zeigen, dass Musik und Freiheit stärker sind als Terror, Fanatismus und Hass.

Wir sprachen mit PRIPJAT-Gitarrist Eugen Dude Lyubavskyy über das Konzert.

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Wessen Idee war es, anstatt des abgesagten EAGLES OF DEATH METAL-Konzerts dieses Konzert auf die Beine zu stellen?

Das Ganze ist von Sergio, dem Besitzer der Essigfabrik ausgegangen. Ich kenne den Mann leider nicht persönlich, er hat aber scheinbar bereits von uns gehört und über Bekannte bei uns angefragt. Wir haben sofort zugesagt, jedoch erst am Tag des Konzerts irgendwelche Infos bekommen. Das Ganze war sehr „on the fly“ mit einer Menge guten Willen seitens aller Beteiligter. Bei mir glühte den ganzen Tag das Telefon – WDR, Tageszeitungen, Metalportale, Freunde. Es war schon sehr abgefahren – normalerweise geht dem Mainstream ein Gig von uns ja ziemlich am Arsch vorbei. 

Welche Idee steckt dahinter?

Sergio wollte seinerseits ein deutliches Zeichen gegen den Terrorismus und die Angst davor setzen. Das Licht in der Venue sollte angehen. Wir alle fanden die Idee hervorragend – das passt einfach so sehr zu dieser Stadt! Ich hoffe, dass die Menschen weltweit sich nicht vom Terror und dem Aktionismus der Regierung einschüchtern lassen. Es kommen dunkle Zeiten auf uns zu, und es ist schön zu sehen, dass Menschen im Rahmen solcher Veranstaltung zusammenrücken. Das bedeutet viel, auch wenn es sich im Vergleich zu dem ganzen Elend in den Nachrichten nach wenig anhört.

Für uns als Band war gab es nochmal den Faktor, dass Kirill (Sänger und Gitarrist von PRIPJAT, Anm. d. Red.) und ich beide Auswanderer sind. Heute würden einige Arschlöcher uns wohl Wirtschaftsflüchtlinge nennen. Als wäre es ein Verbrechen, sich frei in der Welt in der Hoffnung auf ein gutes Leben zu bewegen. Im Zuge der Anschläge wird es für diese armen Menschen auf der Flucht um einiges härter werden. Ob er von Ideologien (Rechts und Links), Religion (Christen oder Muslime) oder Regierungen (Amerika oder Russland) kommt – Terror bleibt Terror. Wir sind für Menschlichkeit – das war am Dienstag auch unsere Hauptbotschaft.

Wie habt Ihr Euch in der Band gefühlt, anstatt einer international renommierten Rockband selbst auf die Bühne steigen zu dürfen?

Um ehrlich zu sein, haben wir nicht so sehr daran gedacht. Ob es jetzt die EAGLES waren, die da hätten spielen sollen, BUSHIDO, SLAYER oder HELENE FISCHER – hätte man uns gefragt, wären wir gekommen. Ob international renommiert oder komplett Underground – da sind Menschen abgeschlachtet worden, die einfach eine gute Zeit haben wollten. Für sowas gibt es kein Verständnis – das ist der blanke Horror.

Angesichts der Terroranschläge in Paris, hattet Ihr ein mulmiges Gefühl, auf die Bühne zu gehen?

Nicht im Sinne von Angst. Ich habe den ganzen Tag davor keine Ruhe gefunden, den Jungs ging es überwiegend ähnlich. Da gehen einem so viele Dinge durch den Kopf: Darf man auf der Bühne lächeln? Muss man den Anschlag ansprechen oder die Show wie immer durchziehen? Wie werden die Leute auf unsere Musik reagieren? Im Endeffekt haben wir uns für einen Mittelweg entschieden. Wir haben geschlossen Schwarz getragen, einige Songs aufgrund ihrer Lyrics über Bier und Spaß nicht gespielt und die Ansagen knapp, aber themenbezogen gehalten. Es war einer der härtesten Konzerte, die wir je gespielt haben. Und selbst vor unserem Auftritt auf dem Summer Breeze – unser bis dato größtes Ding – war ich nicht so nervös. Als Statement war es aber wichtig, und wir sind sehr geehrt, ein Teil davon gewesen zu sein.

Wie war die Atmosphäre unter den Zuschauern?

Die Leute waren großartig! Es gab keine wilden Moshs und fliegende Bierbecher, obwohl auch geheadbangt wurde. Jedoch haben alle Anwesenden ausgestrahlt: „Wir sind hier, haben keine Angst und leben unser Leben wie WIR es wollen.“ Ich möchte mich hier nochmals bei allen bedanken, die dort waren. Ihr seid der Grund, warum die Welt nicht vor die Hunde gehen wird, Freunde!

Galerie mit 10 Bildern: Pripjat - Skate Metal Fest 2016
19.11.2015

- Dreaming in Red -

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