Sengaia
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Interview

Die niederländische Untergrundband SENGAIA hat mit ihrem Output "Maelstrom EP" eine etwas andere Genre-Schublade geöffnet. Metalcore trifft hier auf Jazz und Death Metal auf Pop. Stimmlich hat man sich auf eine gesunde Mischung aus Death Metal-Growls, Metalcore-Shouts und stellenweise eingestreuten cleanen Vocals geeinigt. Was die Jungs über eine Tour denken, was ihre Inspirationsquellen sind oder was sie so über die Fußballfehde zwischen Deutschland und der Niederlande zu sagen haben, beantwortet uns Michel Nienhuis, seines Zeichens Gitarrist bei SENGAIA.

SengaiaDa den meisten Lesern der Name SENGAIA vermutlich nicht viel sagen wird, schlage ich vor, dass ihr euch zuerst unseren Lesern vorstellt. Wer seid ihr, wo kommt ihr her, wo wollt ihr hin?

Wir sind SENGAIA aus Tilburg, Niederlande. Wir fingen im September 2003 als eine fünfköpfige Band an, bestehend aus Mitgliedern von 37 STABWOUNDZ, TEXTURES und BLIND SIGHT und unser Ziel war es, fette, vielschichtige Songs zu schreiben. Das bedeutet, dass wir uns keinem musikalischen Einfluss verschließen, jedoch war der Ausgangspunkt Metal bzw. Hardcore. Wir lieben experimentell veranlagte Bands wie THE DILLINGER ESCAPE PLAN, THE END und MESHUGGAH. Diese Bands haben uns beeinflusst. 2004 nahmen wir fünf Songs auf, die nun zur „Maelstrom EP“ wurden. Wir hoffen, dass wir mit unserer Musik viele Leute begeistern können und sie soweit wie möglich bekannt machen. Daran werden wir in der Zukunft arbeiten, Konzerte spielen und mehr Songs für einen alles vernichtenden Longplayer schreiben.

Euer Debüt „Maelstrom“ ist jetzt erst seit etwa einem Monat raus. Wie sind bis jetzt die Reaktionen auf euren etwas ungewöhnlichen Genremix seitens der Presse und der Fans ausgefallen?

Tatsächlich ist der vollständige Titel „Maelstrom EP“. Die Reaktionen sind soweit ziemlich gut! Die meisten Leute schätzen unsere Ansicht über Musik und lieben die Songs auf der EP. Ein Kommentar, welchen ich einige Male hörte, war, dass Kritiker lieber nur tiefe Grunz- und Kreischvocals statt der Clean-Vocals hören möchten (die wir allerdings nur sporadisch verwenden). Wir betrachten das als eine nette Ergänzung, die den härteren Parts einen zusätzlichen Antrieb gibt. Aber jene Kritiker sollten sich keine Sorgen machen – wir haben einige neue aggressive Songs ohne klaren Gesang!

Wie würdet ihr selbst eure Musik klassifizieren?

Nun, es gibt Einflüsse von Metalbands, von Hardcorebands und anderen musikalischen Genres. Die Songs auf der „Maelstrom EP“ mögen vielleicht manchmal etwas ungewöhnlich klingen, aber ich würde unsere Musik dennoch nicht als progressiv bezeichnen. Deathcore könnte man es eventuell nennen, aber vielleicht haben wir dafür auch nicht genug Death-Metal-Einflüsse. Meiner Meinung nach sind Bands wie THE RED CHORD Deathcore, auch sie sind eine Inspirationsquelle für uns – also vielleicht Deathcore oder experimenteller Metalcore.

Was sind eure Inspirationsquellen?

Die bereits erwähnten Bands sind uns sehr wichtig. Ich könnte noch CRYPTOPSY, FANTOMAS und MAYHEM als meine persönlichen Favoriten hinzufügen. Neben diesen Bands sind auch viele andere unsere Inspirationsquellen. Unser Sänger und Texter Eric Kalsbeek wird zum Beispiel inspiriert von der Arbeit von Edgar Allan Poe. Ich sehe auch viele Dinge in der Gesellschaft, die mir missfallen. Das sind ebenfalls Inspirationsquellen, die mich dazu bringen aggressive Musik zu schaffen.

War dieser Genremix so gewollt oder ergab sich das aufgrund der einzelnen Vorlieben der Bandmitglieder?

Eigentlich beides. Als es die ersten Überlegungen bezüglich der Band gab, wollten wir aggressiven Death/ Grind machen, aber während des Songwritings, kamen viele andere Einflüsse hinzu und veränderten das Gesamtbild. Und als wir zu Proben begannen, unterschied sich das Endprodukt von dem der anderen Death/Grind-Bands. Der Stil unseres Schlagzeugers Roy Moonen ist sehr stark im groovigen Metalcore verwurzelt, das macht den Sound auch so anders. Zum Beispiel ist es schwer knifflige Gitarrenriffs mit einem sehr dreckigen Grindcore-Sound zu spielen. Aus diesem Grund reduzierte ich die Verzerrung der Gitarren nach und nach. Als wir erkannten, dass es uns möglich war, viele verschiedene Dinge in unsere Musik mit einfließen zu lassen, gaben wir es auf, uns auf ein bestimmtes Genre zu beschränken. So öffneten wir uns sehr verschiedenen Einflüssen.

Welche Zuhörerschichten wollt ihr mit eurer Musik erreichen?

Alle die unsere Musik mögen! Leute aus beiden Szenen – sowohl die aus der Hardcore- als auch aus der Metalecke, die in ihren Musikvorstellungen nicht allzu konservativ sind, werden unsere Musik hoffentlich gut finden, denn diese Leute wollen wir erreichen.

Ihr habt ja jetzt ein Label hinter euch. Wie sehen nun eure nächsten Schritte aus? Kommt jetzt eventuell eine ausgedehnte Tour?

Zurzeit haben wir keine Pläne auf Tour zu gehen. Wir wollen es zwar sehr gerne, aber das ist keine Sache, die leicht von der Hand geht. Wir haben Bandmitglieder, die drei verschiedenen Bands angehören und die haben natürlich auch ihre Termine, an die sie sich halten müssen. Wir versuchen aber so viele Shows zu spielen, wie wir können um unsere Platte an den Mann zu bringen!

Wie stehen die Chancen, dass man euch in Kürze mal auf einer deutschen Bühne antrifft?

Nun, unsere Plattenfirma Garden of Exile hat einige Kontakte nach Deutschland, so haben sie vor kurzem eine deutsche Kultband namens MÖRSER unter Vertrag genommen und wir würden uns sehr freuen mit ihnen in Deutschland spielen zu können. Noch haben wir keine Auftrittmöglichkeiten in Deutschland, aber ich hoffe, dass sich das bald ändern wird.

Wann können wir mit einem Longplayer rechnen?

Diese Frage kann ich dir nicht beantworten, denn zuerst müssen wir genug Songs für eine LP schreiben. Ich hoffe, dass wir 2006 etwas unter Dach und Fach bringen können, doch ich kann zum derzeitigen Zeitpunkt noch nichts sagen.

Besonders geil fand ich den Gegensatz zwischen der Erststimme und der Zweitstimme. So zum Beispiel beim Song „Hydra Guillotine“, welcher meiner Meinung nach der stärkste auf der EP ist. Wollt ihr das beibehalten oder geht ihr auf dem nächsten Output neue Wege?

Wie ich bereits sagte, werden die neuen Songs, die wir schon fertiggestellt haben, weniger klaren Gesang aufweisen als zum Beispiel „Hydra Guillotine“. Wir wollen zwar unseren musikalischen Weitblick beibehalten, aber ich kann dir gegenwärtig noch nicht sagen, wie das auf dem neuen Album aussehen wird. Eric hat eine großartige cleane Stimme, also ist es sehr wahrscheinlich, dass er diese auch auf dem neuen Album verwenden wird.

Man findet auf eurer EP auch Jazz- und sogar Popelemente. Wie wichtig sind diese für euch?

Wenn man Jazz oder Pop machen will, braucht man einen anderen musikalischen Blickwinkel als zum Beispiel um Metall oder Hardcore zu komponieren. Ich finde das sehr interessant, daher ist es mir wichtig. Aber es ist uns wichtiger, die Musik zu spielen und zu schreiben, die wir selber auch lieben und hören wollen. Wenn ein jazziger oder popiger Part angemessen erscheint, kann man ihn auch verwenden, aber uns ist es wichtiger aggressive, extreme Musik zu schaffen und das, denke ich, ist eine viel wahrscheinlichere Marschrichtung für SENGAIA.

So jetzt gebe ich euch ein paar Stichworte und ihr kommentiert diese einfach mal…

Metal ist für mich… die beste Art, extreme Emotionen ohne jegliche Einschränkung auszudrücken.

Die derzeitige „Metalcoreplage“ auf dem Musikmarkt… ist ein Ausdruck, den ich bis dato noch nicht gehört habe. Ich hoffe, dass die Leute nicht meinen, dass SENGAIA diese Plage darstellt! Sollte es so sein, lass es mich wissen, damit ich ein Feedback darauf geben kann.

Die niederländische Musikszene … könnte einige Verbesserungen vertragen.

Die Fußballfehde zwischen Deutschland und der Niederlande… is fucking great! Nicht viele Fußballspiele sind so interessant anzugucken.

Danke für das Interview! Die abschließenden Worte gehören dir!

Ich hoffe, dass die Leute nach diesem Interview an SENGAIA interessiert sind. „Wir wollen gerne die Deutsche bühnen kaputrammen! Herzlichen Dank für dieses Interview und auf wiedersehen“.

03.08.2005

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