



TUSMØRKE spannen auf ihrem dreizehnten Studioalbum „Balderdom“ wieder die großen Bögen: Im Mittelpunkt steht der Lauf der Zeit, die sich wie ein rollendes Rad bewegt, die Zukunft, die erst zur Gegenwart und schließlich zur Vergangenheit wird, Werden und Vergehen, symbolisiert durch den nordischen Gott Balder, der von den Norwegern als Vegetationsgottheit interpretiert wird.
TUSMØRKE bewegen sich durch Raum und Zeit
Mit ebenso großen Schritten bewegen sich TUSMØRKE durch Raum und Zeit: Ausgehend von einer Wintersonnenwendfeier in der Sauna träumen sie sich nach Schweden zurück („Svensk drøm“), bündeln Vergangenheit und Vorvergangenheit zur Gegenwart, sprich: Vier der auf „Balderdom“ enthaltenen Stücke erschufen sie beim gemeinsamen Schwitzen im Winter 2022, das abschließende „Lidskjalv“ überdauerte bereits die Neunziger im Demostadium, während alle Songs jetzt von einem Line-Up eingespielt wurde, das nunmehr der Vergangenheit angehört, hat doch Tastenmann Selve Kraften mittlerweile seinen Abschied verkündet.
Ganz zeitlos präsentieren sich die Norweger hingegen in ihrer Musik: Das ist Progrock mit Instrumenten der Siebziger und dem räumlichen Studiosound der Sechziger; das ist Musik, die in der Halle des Bergkönigs ihren Anfang nimmt, zwischenzeitlich Copacabana-Flair am Oslofjord atmet, die Ernsthaftigkeit Stravinskys auf eine verspielte Weise adaptiert und letztlich als Rauschverstärker auf dem Kopf einer Wasserpfeife endet.
„Balderdom“ spannt die großen Bögen
Das ist bisweilen eingängig und einprägsam, wenngleich manchmal auf eine sehr einlullende Art, dann wieder behende und leichtfüßig, dass man den Pfaden kaum folgen kann. TUSMØRKE interpretieren ihren Progrock auch auf „Balderdom“ wieder knorzig und individuell. Wer sich bislang mit dem Wirken der Norweger auseinandergesetzt hat, wird sich schnell zurechtfinden und die Songs liebkosend umarmen, selbst wenn – und jetzt spannen wir selbst einen Bogen – die vorangegangenen Alben bisweilen noch einen Ticken pointierter klangen.

Tusmörke - Balderdom
Eckart Maronde































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