SorgSvart
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Interview

SorgSvarts kürzlich erschienenes Zweitwerk "Vikingtid Og AnArki" setzt neue Maßstäbe im Pagan Metal. Wir nutzten die Gelegenheit, dem Mastermind hinter SorgSvart und gleichzeitig einzigem Mitglied der Formation, dem vielseitigen Musiker Sorg, einige Fragen zu stellen. Lest selbst, was der exzentrische Eigenbrötler über sich, seinen musikalische Werdegang, sein neues Album und zu seiner persönlichen Lebenseinstellung so vom Stapel lässt.

SorgSvartHallo Sorg! Ich habe vor einigen Tagen dein Album „Wikingtid Og AnArki“ reviewed und es hat mir sehr gut gefallen. Gerne möchte ich dir auch einige Fragen stellen und freue mich, dass du dich zu einem Interview bereit erklärt hast.
Kannst du dich unseren Lesern erstmal vorstellen. Wer ist Sorg und woher kommst du?

Grüße nach Deutschland! Es ist mir eine Ehre, Interviews mit eurem Magazin zu machen. Mein Name ist Sorg und ich komme aus den tiefen norwegischen Wäldern Haglands, an der Westküste Norwegens. Das ist in der Nähe von Bergen. Was kann ich sagen, ohne zuviel meines Individuums preiszugeben? Am Besten gar nichts, denn durch die Augen eines Normalsterblichen betrachtet, bin ich wohl ein langweiliger Mensch. Eigentlich würde ich mich aber als Freidenker und aufrichtiger Mensch bezeichnen. Ein Mensch, der allein im Krieg mit Konformität und der Popularkultur ist, einer Kultur, in der jeder versucht sich so gut wie möglich an die Regeln anzupassen, um zu vermeiden, als Freak zu gelten. Um Odins Willen, Mensch, die Freaks sind die Gewinner dieser Gesellschaft! Jeder, der intelligent und mutig ist, eine eigene Persönlichkeit basierend auf eigenen Werten aufzubauen ist in meinen Augen ein Held. Nun, meine gewöhnlicheren Interessen sind neben der Kritik an der Menschheit und der Gesellschaft , Musik zu erschaffen, zu Wandern und einfach in meiner Einsamkeit zu existieren. Mit anderen Menschen zusammen zu sein, empfinde ich als Rückschritt, zumindest wenn man die heutige Gesellschaft als Maßstab nimmt. Jeder ist nur noch Mitläufer, ohne einen Hauch von Individualität.

Seit wann machst du Musik? Wie bist du zur Musik gekommen? Hast du einen Beruf erlernt, oder war dir von Anfang an klar, dass du den Weg der Künste wählen würdest?

Es liegt eine Zeitspanne zwischen der Zeit, in der ich anfing Musik zu machen und der, in der ich begann Songs zu schreiben. Natürlich braucht es eine gewisse Basis, bevor man Stimmungen erschaffen kann. Daher lernte ich nacheinander die Instrumente und als ich mich gut genug fühlte, begann ich Songs zu schreiben.
Der erste Song den ich schrieb und bei dem ich alle Instrumente bediente war „Hagland – Mitt Land“ ( Hagland – My Land ) aus dem Jahre 1999. Da war ich ungefähr 15 Jahre alt. Vorher schrieb ich nur Keyboarmelodien wie beispielsweise „Min grav i Ensomhet“ ( My grave og loss and Solitude ), was mein erster Song überhaupt war. Ein sehr einfaches Stück Musik, aber man kann sicherlich die schmerzvolle Stimmung spüren. Ich fing mit dem Piano an, da war ich 5 oder 6; mit 12 kam die Gitarre dazu und seitdem hatte ich das Verlangen mehr und mehr zu lernen.
Ich nutze das Spielen als eine Art geistige Erlösung; darum fing ich überhaupt erst an Songs, zu schreiben. Davor schrieb ich eher, um runter zu kommen, wenn mich etwas aufregte. Im Schreiben von Songs konnte ich nun meine Gedanken zusammen fassen und ganz für mich sein. Ich habe große Probleme mit anderen Menschen zusammen zu sein. Ich habe keinen normalen Job, ich arbeite daheim, auf der Farm, auf der ich lebe.

Welche Musiker bzw. Bands siehst du als Vorbilder oder haben dich sowohl durch die Ideologie und den Stil beeinflusst?

Ich habe keine Idole außer mir selbst.

Du spielst deine Alben ja praktisch im Alleingang ein. Welche musikalische Grundbildung hast du genossen, um alle Instrumente zu beherrschen?

Ich habe eine musikalisch Ausbildung, ich bin sogar Musiklehrer. Ich habe aber NIEMALS Kurse besucht, in denen man beigebracht bekommt, wie man Instrumente bedient. Ich war mir der Gefahren dieser Kurse bewusst, denn ich bin der Meinung, dass man Kreativität nicht lernen kann. Wenn man von Anderen zu spielen lernt, tötet man dabei seine eigene Kreativität, anstatt sie durch spirituelle Einflüsse wie die Natur oder Philosophie zu vergrößern.
Was ich damit sagen möchte ist, dass ich stolz darauf bin, mir alles selber beigebracht zu haben. Nur durch meinen freien Geist und nur so kann ich als unabhängiger Künstler arbeiten. Meine Fähigkeiten an den Instrumenten wachsen, hoffe ich zumindest, mit meiner Entwicklung, meinem Intellekt und meiner Kreativität

Wie lange dauert es, alleine ein ganzes Album einzuspielen? Ich stelle mir dies sehr zeitaufwendig vor. Oder ist es sogar ein Vorteil ein Album im Alleingang aufzunehmen?

Ich kenne keine anderen Arbeitsweise als die meinige. Ich könnte nie mit anderen an sowas Persönlichem wie Musik arbeiten, das steht außer Frage. Der einzige Weg ein Höchstmaß an Aufrichtigkeit zu erlangen, ist es allein und unabhängig zu tun. Wenn jemand anders Einfluss auf deine Musik hat, dann wird sie falsch, denn die Musik stammt nicht mehr von einem Herzen und einer Seele, sondern wurde auf Kompromissen und Ärger einer Gruppe gebildet. Das hat nichts mit Unabhängigkeit und Ehrlichkeit zu tun.

Zu deinem neuen Album: Soweit ich weiß, bedeutet der Titel „Wikingerzeit und Anarchie“. Was steckt hinter diesem Titel? Wie ist der Zusammenhang zu verstehen?

Ja, du hast recht, der Titel kling albern in Englisch, hehe. Ich bevorzuge die Übersetzung “The Era of The Vikings and AnArchy”. Was deine eigentliche Frage angeht, so möchte ich, dass der Hörer den Sinn durch intensives Hören selbst heraus findet und sich seine eigenen Gedanken macht.

Und, da unsere Leser des norwegischen nicht allzu befließen sind, kannst du kurz zu den Lyrics der einzelnen Songs eingehen?

Auf meinem vorherigen Album habe ich einige Texte ins Englische übersetzt, aber ich halte dies mittlerweile für sinnlos, da die Wörter, Metaphern und Ausdrücke im Englischen nicht den selben Sinn ergeben. Die Kraft der norwegischen Worte haben ihren eigenen Sinn und der kann durch eine Übersetzung nicht weitergeben werden, insbesondere, wenn ich die Texte in meinem Dialekt schreibe. Ich kann dir aber wenigstens eine halbwegs genaue Übersetzung der Titel geben:
1: Vikingtid Og AnArki = The Era Of Vikings And AnArchy
2: (gleicher Titel; Instrumentalstück – Anm. d. Verfassers)
3: Hedersmann = The Man Of Honour
4: Trøst = Solace
5: Bleivikmaen Ein Haglandsfaen = The Man From Bleivik, The Damn Of Hagland
6: Opp Kamerat! = Rise Comrade!
7: KråkAvisO = The Hymn Of The Crow
8: UnderligtVidunderligt = WhimsicalWonderful

Norwegisch ist meiner Meinung nach eine Sprache, die gerade zum Pagan Metal sehr gut passt. Werden deine zukünftigen Alben auch weiterhin auf norwegisch sein, oder gibt es auch Überlegungen, mal englische Texte zu verwenden?

Ich komme aus Norwegen und in Norwegen sprechen wir norwegisch. Die Engländer können englischsprachigen Black Metal machen.

Welche Emotionen drückt deine Musik aus deiner persönlichen Perspektive her aus? Was willst du den Menschen durch deine Musik mitteilen?

Meine Emotionen sind immer am Stärksten, wenn ich Komponiere. Für mich ist das Schaffen einer Stimmung wie eine innere Erlösung. Viele Songs des neuen Album wurden vor einiger Zeit geschrieben und ich hab nur noch Erinnerungen an die schmerzvollen Momente von damals, die ich aber nicht noch einmal durchleben möchte, die auf der anderen Seite aber sehr lehrreich waren. Wie sicherlich jeder weiß, lernt der aufmerksame Mensch aus seinen Fehlern, wie ein Kind, das das erste Mal auf den heißen Ofen fasst. Man tut es nicht noch einmal, doch jedes Mal, wenn man den Ofen sieht, erinnert man sich daran.
Keins meiner Stücke gleicht dem anderen. Viele sind das Ergebnis meiner Erlebnisse in und mit der Natur und wenn ich gelegentlich an Orte zurückkehre, an denen mir eine Melodie einfiel, so ist dies immer ein sehr starkes Erlebnis.
Die Antwort auf deine zweite Frage ist einfach: Ehrliche Emotion eines ehrlichen, rebellischen und wütenden Individuums. Ja, ich bin ein Anarchist, aber auf einem anderen ideologischen und religiösen Standpunkt. Ich möchte meinen Glauben anderen nicht aufzwängen. Ich will, dass die Leute ihre eigenen Individualität entdecken und ihren eigenen Ideen folgen. Sie sollen keine Sklaven anderer sein. Solche Menschen nehme ich nicht ernst. Das Individuum ist überlegen!

„Wikingtid Og AnArki“ ist etwas härter als dein erstes Werk. In welche Richtung wird Album Nummer 3 gehen? Gibt es vielleicht schon ein Konzept oder hast du sogar schon Songs dafür komponiert?

Wie in Interviews bezüglich des Vorgängeralbum „Fortapt fra Verden i Vakkert Selvmord“ angekündigt, wurde das jetzige Werk nicht so “soft”. Es enthält mehr Temperament und Aggression. Ich kann auch schon sagen, dass mein nächstes Album – bisher trägt es den Arbeitstitel “K.U.K.” – sehr abwechslungsreich sein wird. Es wird Black-Metal-lastige Stücke geben, auf der anderen Seite aber auch progressive Folk-Stücke mit vielen Flöten und norwegischen Instrumenten. Dies ist übrigens bereits ein wichtiger Hinweis darauf wie ich das nächste Album arrangieren werde. Die letzten Jahre meines Lebens habe ich viel in den Bergen und nebligen Höhen verbracht, und da ich dort nicht Klampfen oder Keys mit hinnehmen kann, war die Flöte immer meine einzige Begleitung. Viele Songs für das neue Album wurden tatsächlich auf verschiedenen Flöten komponiert.

Es ist sehr schade, dass man dich nicht mal Live sehen kann. Oder gibt es von deiner Seite möglicherweise Überlegungen über Live-Auftritte mit einigen Session-Musikern?

Nein, SorgSvart ist eine wirkliche Einmannband und wird niemals eine Bühne betreten. Meine Musik ist für einsame Wichser, nicht für Leute, die sich versammeln um jemanden zu finden, den sie in ihrem neuen Marylin Manson-Shirt ficken können.

Du distanzierst dich gerne von der Komerzgesellschaft. Bist du durch deine Albumveröffentlichungen aber nicht ein Teil davon geworden?

Auch wenn ich es mir noch so sehr wünsche, ich kann mich nie der gesamten Gesellschaft entziehen. Obwohl die Gesellschaft es schon fast geschafft hat, mich sowohl mental als auch physisch zu töten, so kann ich stolz sagen, dass ich immer noch genug Kraft habe, meine Pflicht zu tun: Musik zu schreiben, die die westliche Falschheit und kapitalistische Diktatur angreift. Jeder meiner Songs ist eine wütende Armee, die auf den Barrikaden unter dem schwarzen Banner der Anarchie steht, und jeder einzelne Ton meiner Kompositionen ist ein Krieger, die in den Kampf ziehen um die Herrscher zu zerstören und unsere Freiheit zurückzugewinnen!

Und zuguterletzt die Frage, die dir in ähnlicher Form bestimmt immer wieder gestellt wird: Du bezeichnest dich selbst als Anarchist. Was genau verstehst du darunter?

Meinst du ideologisch oder so wie es wirklich ist? Es ist unmöglich den anarchistischen Traum in einer kapitalistischen Gesellschaft auszuleben. Das ist ein Widerspruch in sich.

Vielen Dank für die geduldige Beantwortung meiner Fragen. Gibt es noch etwas, dass du unseren Lesern mit auf den Weg geben möchtest?

Die Großen sind lediglich groß, weil wir auf unseren Knien sind. Erhebt euch! Bleibt ehrlich, Kameraden!

07.05.2008

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