Taskforce Toxicator
"Auf keinen Fall wollten wir einfach nur eine Kopie unseres Debütalbums machen."

Interview

TASKFORCE TOXICATOR sind die nächste Thrash-Hoffnung aus Münster und Umgebung. Mit „Countdown To Death“ veröffentlichte die Band kürzlich ihr zweites Album. Wir nahmen das zum Anlass, um Gitarrist und metal.de-Kollege Dominik Rothe ein paar Fragen zur Platte, Live-Auftritten, kommenden Plänen für die Gruppe und seiner Gesichtsbehaarung zu stellen.

Moin Leute, ich hoffe, es geht euch gut und ihr habt Bock auf den Release eurer neuen Platte.

Hey Jannik, aber sicher doch! Nach zwei Jahren, in denen wir insgesamt an dem Album gearbeitet haben, sind wir richtig heiß darauf, die Platte endlich auf den Rest der Menschheit loszulassen, haha.

Wie würdet ihr „Countdown To Death“ im Vergleich zu euren bisherigen Veröffentlichungen beschreiben?

Ausgereifter und durchdachter, dabei gleichzeitig härter und melodischer als alles, was wir zuvor gemacht haben. Beim Songwriting haben wir intensiv darauf geachtet, jegliche Längen aus den Songs zu streichen. Rückblickend ist uns das auf „Laser Samurai“ nicht immer ganz so gut gelungen. Der eine oder andere Song hätte sicherlich eine Straffung vertragen können.

Dafür habe ich mich während der Vorproduktion regelmäßig mit Milan Steinbach von Pointbreak Recordings zusammengesetzt, dem Co-Produzenten des Albums. Milan hat durchweg schlüssiges Feedback zu den Songs gegeben, das wir anschließend umgesetzt haben. Das hat die Songs besser gemacht und war wirklich sehr hilfreich.

Davon abgesehen haben wir die Extreme in unserem Sound weiter ausgelotet. Wenn es hart zur Sache geht, dann mit noch mehr musikalischer Gewalt als zuvor. Gleichzeitig haben wir den Melodieanteil in unserer Musik ausgebaut. Auf solche Kontraste zu setzen, ist uns wichtig, um den Songs eine gute Portion Abwechslung zu verpassen. Bei zwölf Songs in knapp 40 Minuten besteht durchaus die Gefahr, dass es irgendwann langweilig wird, wenn es durchgehend nur auf die Kauleiste gibt. Das wollten wir um jeden Preis verhindern.

Der Albumtitel klingt nach einer ziemlich düsteren Ansage. Welche Idee steckt hinter „Countdown To Death“?

Beim Arbeitstitel dachte ich ursprünglich an das drohende Ende der Welt durch den Klimawandel. Fabian hat das Ganze textlich allerdings etwas anders interpretiert. Im finalen Song geht es eher um das drohende Ende im Rahmen eines Krieges oder einer einzelnen Schlacht. Den groben Gedankengang hat Fabian beim Texten also übernommen, aber sein ganz eigenes Ding daraus gemacht.

Düster ist der Text so oder so. Wir können nicht leugnen, dass die gesellschaftspolitischen Entwicklungen der vergangenen Jahre ihre Spuren in den neuen Songs hinterlassen haben. Der Titeltrack ist einer davon.

Welche Themen und persönlichen oder gesellschaftlichen Beobachtungen haben die Songs auf dem Album geprägt?

Das ist sehr vielfältig. Wir haben natürlich wieder das Sci-Fi-Thema aufgegriffen, das uns seit der ersten Veröffentlichung begleitet. Am deutlichsten schlägt es sich in „Intergalactic War“ nieder.

Ansonsten gibt es eine gute Mischung aus ernsteren und weniger schweren Themen. In „Mental Agony“ geht es um mentale Probleme und das Gefühl, von den eigenen Gedanken, aber auch von äußeren Einwirkungen immer weiter in psychische Abgründe getrieben zu werden. Der Text bietet am Ende allerdings auch einen Lichtblick. Das war uns wichtig. Wir möchten damit klar sagen, dass es für alle Probleme eine Lösung gibt, egal, wie schwerwiegend sie erscheinen mögen.

„Midnight Mass“ wiederum ist eine Horrorgeschichte, die sich mit Religion und falschen Propheten auseinandersetzt. Der Text ist von der gleichnamigen Netflix-Miniserie inspiriert, die ich während der Entstehung des Albums nachgeholt habe. Nach wenigen Folgen schrieb ich Fabian, dass das eine Idee für einen Song sein könnte. Die Handlung der Serie passt perfekt zur musikalischen Stimmung, die ebenfalls sehr düster ist.

In „Revived Scum“ rechnen wir mit dem Wiedererstarken rechtsextremer Bewegungen weltweit ab. Natürlich gibt es aber auch die üblichen Metal-Fantasien, beispielsweise den Rachetext von „Die Alone“.

War es eines eurer Ziele, den klassischen Thrash-Metal-Sound mit modernen Einflüssen zu verbinden?

Ja und nein. Wir haben uns nicht hingesetzt und bewusst moderne Einflüsse in die neuen Songs eingebaut. Wir verstehen uns nach wie vor als Thrash-Metal-Band, deren Wurzeln im klassischen Sound der Achtziger liegen. Diesen wollen wir allerdings nicht einfach nur kopieren. Deshalb schauen wir beim Songwriting immer wieder über den Tellerrand und lassen auch Einflüsse aus anderen Genres zu. Das hält die Sache sowohl für uns als auch für das Publikum spannend.

Songs wie „Midnight Mass“ oder „End Of All Life“ stechen musikalisch deutlich aus dem hervor, was wir bisher gemacht haben. Mit „The Necromancer“ oder „Rebellion Strikes Back“ gibt es hingegen auch klassische TASKFORCE TOXICATOR-Kost.

Schließlich haben wir über die Jahre einen bestimmten Sound etabliert. Den wollen wir fortführen, aber eben auch mit dem einen oder anderen unerwarteten Schlenker, wenn es passt.

Gab es während des Songwritings oder der Produktion einen Moment, an dem ihr bewusst neue Wege gegangen seid?

Wir haben unsere Arbeitsweise komplett überdacht. Auf keinen Fall wollten wir einfach nur eine Kopie unseres Debütalbums machen. Unter anderem deshalb haben wir Milan als Co-Produzenten hinzugeholt. Er hat uns dabei geholfen, das Songwriting zu verfeinern und in andere Richtungen zu denken.

Er hat beispielsweise darauf hingewiesen, dass mehrere Songs hintereinander in eine ähnliche Richtung gingen und etwas Langsameres hermusste. Auch bezüglich der Länge einzelner Parts hat er stets ehrliches Feedback gegeben und uns gesagt, ob etwas funktioniert oder nicht. Manchmal haben wir deshalb komplette Parts ausgetauscht. Einige Songs haben es auch nicht auf das Album geschafft, weil sie nicht stark genug waren. Man muss irgendwann lernen, sich von Ideen zu trennen, die nicht gut funktionieren. Dabei war Milan eine große Hilfe.

Zudem haben wir unserem Produzenten Corny diesmal viel klarere Vorstellungen davon vermittelt, welchen Sound wir uns wünschen. So wusste er von Anfang an, in welche Richtung es gehen sollte.

Das Songwriting selbst verlief hingegen ganz natürlich. Meistens lieferte eine musikalische Inspiration in Form eines Riffs den Startpunkt, von dem aus sich der Rest entwickelte.

Wie hat sich die Zusammenarbeit innerhalb der Band seit euren früheren Veröffentlichungen verändert?

Ich würde sagen, gar nicht so sehr. Fabian ist in erster Linie für die Texte verantwortlich und ich für das Songwriting. Lars ist unser Mann für die Gitarrensoli und kümmert sich um technische Dinge wie unsere Homepage.

Mit Hendrik und Bela habe ich im Rahmen unseres neuen Albums viel an den Arrangements gearbeitet, da die beiden hinsichtlich Bass und Schlagzeug natürlich am meisten Ahnung haben. Ansonsten stimmen wir die optische Gestaltung der Artworks und unseres Merchandisings immer gemeinsam ab.

Das hat sich alles auf recht natürliche Weise ergeben. Wenn man lange genug zusammen Musik macht, kristallisiert sich irgendwann heraus, wem was gut liegt. Darauf baut man dann auf. So läuft das bei uns schon eine ganze Weile, und ich würde sagen, dass es gut funktioniert!

Welche Bedeutung haben die Texte für euch, und gibt es auf „Countdown To Death“ einen Song, der euch besonders wichtig ist?

Die Texte spielen bei uns eine große Rolle. Uns ist es wichtig, nicht nur Metal-Klischees abzufeuern. Das kann natürlich Spaß machen und kommt bei uns beispielsweise in „See You In Hell“ oder „Die Alone“ zum Tragen. Wir möchten aber auch, dass die Lyrics eine tiefere Ebene haben, mit der sich die Leute beschäftigen können, wenn sie möchten.

„Mental Agony“ sticht auf der neuen Platte wohl am meisten hervor. Mentale Erkrankungen sind ein stetig größer werdendes Problem in unserer Gesellschaft. Trotzdem werden Betroffene immer noch regelmäßig stigmatisiert und nicht ernst genommen. Mit dem Song möchten wir einen kleinen Beitrag dazu leisten, das zu ändern und die Leute zum Nachdenken anzuregen.

Was möchtet ihr bei den Leuten auslösen, wenn sie „Countdown To Death“ zum ersten Mal hören?

Im besten Fall bekommen sie schon beim ersten Song den Drang, durch das Wohnzimmer zu moshen und ordentlich den Kopf durchzuschütteln.

Wir möchten den Leuten das Gefühl geben, dass es trotz aller Probleme und allem Schlechten auf der Welt immer weitergeht. Die aktuelle Weltlage kann schnell erschlagend wirken. Da ist es vollkommen okay, wenn man mal sagt: „Ich kann nicht mehr.“ Wichtig ist aber, nicht in Lethargie zu verfallen. Wenn man Unrecht bemerkt, sollte man stets möglichst viel tun, um dagegen vorzugehen.

Unser Album soll im besten Fall eine Möglichkeit bieten, den Alltag zu vergessen, und gleichzeitig dazu anspornen, die Welt nicht denjenigen zu überlassen, die Hass und Zwietracht säen. Stattdessen möchten wir dazu ermutigen, sich für soziale Gerechtigkeit und ein respektvolles Miteinander einzusetzen.

Taskforce Toxicator - Countdown To Death

Ihr seid viel als Support Act unterwegs. Denkt ihr über eine kleine Headlinertour nach? Einen Weekender spielt ihr im Dezember ja bereits.

Auf den Weekender freuen wir uns schon sehr! Mit GRINDPAD unterwegs zu sein, macht immer Spaß. Mit PARANOIAC in Münster sowie AXIDENT und CAMPA in Oberhausen haben wir außerdem noch ein paar coole Bands dabei.

Eine richtige Headlinertour ist momentan allerdings nicht geplant. Das wäre aktuell auch kaum für uns zu stemmen. So ehrlich müssen wir uns gegenüber sein.

Wir planen aber bereits einige Gigs für 2027. Wer weiß, vielleicht ergibt sich ja noch einmal die Möglichkeit, als Support durch die Republik zu düsen, wie wir es im April mit KNIFE und WARRANT getan haben. Das war wirklich der absolute Wahnsinn!

Wer hat den schönsten Schnurrbart in der Band, und warum ist es Dominik?

Haha, danke für die Blumen. Ich glaube, ich bin aktuell sogar der Einzige mit einem klassischen Schnubbi, oder? Ursprünglich war das nur eine Notlösung, weil mein sonstiger Bartwuchs nicht sonderlich ausgeprägt ist. Irgendwann hat sich das Ganze aber zu einem kleinen Markenzeichen entwickelt, haha.

Danke für eure Zeit! Die letzten Worte gehören euch.

Vielen Dank für dein cooles Review und dieses Interview! Wir schätzen wirklich jede Unterstützung für unsere Musik. Deshalb geht ein großes „Dankeschön!“ an alle, die uns in den vergangenen knapp zehn Jahren unterstützt haben.

Wir hoffen, unser neues Album macht euch genauso viel Spaß wie uns. Wir sehen uns hoffentlich schnellstmöglich vor der Bühne!

Galerie mit 6 Bildern: Taskforce Toxicator - Revolt! 2022 in Hamburg
Quelle: Interview mit Dominik Rothe / Taskforce Toxicator
24.09.2026

Redakteur für alle Genres, außer Grindcore, und zuständig für das Premieren-Ressort.

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