Konvent - Firesky

Review

Soundcheck November 2026# 4 Galerie mit 26 Bildern: Konvent - Live 2025 in Berlin

Das neue Album „Firesky“ von KONVENT folgt auf „Call Down The Sun“ (2022). Es ist nicht bloß ein neues Album, es ist ein Abstieg in das tiefe Schwarz.

KONVENT – ein Abstieg in das tiefe Schwarz

Es gibt Musik, die will gefallen und unterhalten. Und es gibt jene finstere Manifestationen, die das Gefühl vermitteln, bei lebendigem Leib unter dem Gewicht tonnenschwerer, uralter und verfaulter Erde in unermesslicher Finsternis begraben zu sein. Das ist die Welt von KONVENT, die mit ihrem dritten Werk „Firesky“ die Pforten zu tiefster Death-Doom-Dunkelheit öffnen, wo alle Hoffnung erloschen, die Verzweiflung zur Kunstform erhoben wird und jeder Song ein weiterer Schritt Richtung Abgrund ist. Und doch ist da melancholische Schönheit in all der Finsternis.

Schönheit in der Finsternis

Die vier Däninnen von KONVENT beschränken sich nunmehr auf ihren fünf ausgeschmückten, abgründigen wie episch langen Kompositionen aber nicht nur noch auf den schweren Sound, mit dem sie sich ihre starke Position mit eigener Identität in der Death-Doom-Szene erarbeitet haben. Die grundlegenden Elemente wie die eindringliche, düstere Atmosphäre bleiben erhalten, die Grenzen des Genres aber weiter verschoben, die klangliche Ausrichtung auf „Firesky“ um weitere Dynamiken, progressiveren Ansätzen und eine Öffnung hin zum Black Metal erweitert. Erweiterte Ausdrucksformen sorgen für neue Nuancen, ohne dabei das überwältigende Gefühl der KONVENT auszeichnenden Schwere zu verlieren.

Eine eindringliche, düstere Atmosphäre und eine neue klangliche Ausrichtung

Die fünf Titel sind deutlich länger als auf den Vorgängeralben, wobei die meisten die Zehn-Minuten-Marke erreichen. KONVENT setzen statt auf kompakte Zugänglichkeit auf vielschichtige Longtracks, die sich entfalten, geduldig an Intensität gewinnen und Spannung aufbauen. Der Atmosphäre geben sie ebenso viel Raum wie der schieren Härte. Hypnotische Ruhe und erdrückende Klangwände, auf „Firesky“ findet sich Platz für beides.

Der Opener „Exorcise“ ist gleich Beweis für die Weiterentwicklung. Zäh langsam schleppend, tief gestimmt wie brutal durchschreiten wir das Tor zum Death Doom. Der allmähliche Spannungsaufbau mit zwischenzeitlichem Akustik-Part entlädt sich im letzten Drittel dramatisch wie dynamisch in einem explosiven Ausbruch mit wuchtig gewaltigem Schlagzeugspiel und melodisch getragener Gitarrenwand. Neben der vielseitigen Performance sticht Rikke Emilie hervor, ihre bekannten grollenden Growls ergänzt sie um scharfe Schreie, wie ihre gesamte Gesangsdarbietung deutlich an Akzentuierung gewonnen hat. Das ist nicht nur ein Song, das ist ein Statement!

In „Scorning“ erschaffen KONVENT eine ähnlich geladene, intensive Atmosphäre, gehen aber anders mit Spannung um. Keine sich abzeichnende unmittelbare Explosion, dafür schaffen sanfte Gitarren und Schlagzeug Raum für tiefen Gesang, die verschiedenen Elemente entfalten sich allmählich hörbar, werden vielseitiger, Stimme und Melodien gewinnen an Tiefe. Elegant feine Gitarrenlinien, wohl dosierte Growls und Screams, alles gekonnt miteinander verwoben und innerhalb des Klangkosmos der Band verhältnismäßig leicht.

Aber keine Sorge, KONVENT können noch länger und natürlich schwerer und finsterer. Das bedrohliche „In The Unknown“ entfaltet sich in epischen 12 Minuten und wurde mit Bedacht in die Albummitte platziert. Eine Rückkehr in das Reich der schwarzen Schatten mit düsterer Atmosphäre, progressiver Entwicklung, einem Hauch von Melodie und extremer, erdrückender Wucht. Kontraste und ständige Wandlung halten den Spannungsbogen über die gesamte Komposition hinweg.

Fahle Lichtschimmer lassen die Schatten noch tiefer und intensiver wirken wie im Titelstück. Schwerer vernebelter Klang, dazwischen klare Gesangspassagen im Kontrast zur schweren und dunklen musikalischen Kulisse, der Gastbeitrag von Mai Soon Young Øvlisen verleiht eine weitere interessante Ebene. Das instrumentale Outro „Postludium“ knüpft nahtlos am Titelsong an und hinterlässt den letzten Schatten des bisher ambitioniertesten Albums von KONVENT.

Das ambitionierteste Album von KONVENT

KONVENT behalten auf „Firesky“ ihren Death-Doom-Stil bei, präsentieren sich aber deutlich weiterentwickelt. Die vielseitigeren, deutlich längeren Stücke funktionieren und zeugen von der Bereitschaft, mit eigener Identität neue Wege zu entdecken.

04.11.2026

Geschäftsführender Redakteur (stellv. Redaktionsleitung, News-Planung)

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