The Funeral Pyre
The Funeral Pyre

Interview

THE FUNERAL PYRE haben mit "Wounds" das beste schwedisch-melodische Black/Death-Album des Jahres veröffentlicht. OK, das ist untertrieben. Ich habe jetzt nicht den Nerv, das zu überprüfen, wage aber dennoch, das Ganze etwas weiter zu fassen: des Jahrzehntes, sprich des Jahrtausends. Das können eigentlich nur noch DAWN toppen, wenn die denn endlich mal zu Potte kommen. Bis es soweit ist, müssen alle darbenden Freunde des Genres zumindest mal in "Wounds" reinhören. Die Energie von ABLAZE MY SORROW oder AT THE GATES, dazu die melancholische Melodik von eben jenen DAWN: THE FUNERAL PYRE verlegen Kalifornien nach Schweden. Grund genug, die Jungs mit ein paar Fragen zu behelligen.

The Funeral PyreWir können wohl guten Gewissens davon ausgehen, dass die meisten unserer Leser mit THE FUNERAL PYRE nicht sonderlich vertraut sind. Deshalb ist es keine allzu schlechte Idee, mit der Bandgeschichte anzufangen, auch wenn das zugegebenermaßen ein etwas langweiliger Standardauftakt für ein Interview ist.

Das ist überhaupt kein Problem. THE FUNERAL PYRE entstand irgendwann Ende 2002, Anfang 2003. Ich selbst (John) und unser Gitarrist James haben vorher schon ein paar Jahre zusammen Musik gemacht, aber wir entschieden uns, eine neue Band ins Leben zu rufen. Die Truppe vervollständigt haben dann unsere langjährigen Freunde Adam (Bass) und Alex (Schlagzeug). Die meisten von uns sind zusammen zur Schule gegangen und wir kennen unsere gegenseitigen Musikgeschmäcker sehr genau. Auf dieser Basis haben wir dann losgelegt und unseren Stil entwickelt. Ganz am Anfang konzentrierten wir uns ganz aufs Thrashen im AT-THE-GATES-Stil. Aber mit der Zeit reift man, und so verändert sich eben auch die Musik. Man entwickelt gewisse Interessen und will seine Musik in neue Gefilde führen. Deswegen hat sich unsere Musik in die Richtung skandinavischen Black Metals bewegt, anstatt einfach zu stagnieren. Wir haben mittlerweile ein paar EPs rausgebracht, dann zwei Alben. Und jetzt wollen wir unsere neue Scheibe „Wounds“ unters Volk bringen.

Wenn man sich Eure Bandfotos so ansieht, stellt man fest, dass Ihr nicht unbedingt dem üblichen Metallerbild entsprecht. Deshalb wollte ich an dieser Stelle fragen, aus welcher Ecke die Mitglieder von THE FUNERAL PYRE genau kommen. Und wie kam es dazu, dass Ihr das beste schwedisch klingende Black/Death-Album seit einer kleinen Ewigkeit eingespielt habt?

Ja, es stimmt schon, wir sind rein optisch nicht die typischen „Metaller“. Ein paar von uns haben lange Haare, das ist schon irgendwie „Metal“, aber unser Hintergrund ist relativ vielfältig. Einige von uns sind eher mit Punk aufgewachsen, andere wieder nur mit SLAYER. Was uns verbindet, ist Metal aus Skandinavien. Es ist nur einfach so, dass unsere Musik unsere Klamotten nicht beeinflusst. Natürlich laufen wir genauso wenig irgendwelchen gerade angesagten Moden hinterher; wir sind einfach ziemlich normale Leute, die auch IRON MAIDEN mögen. Was uns bei THE FUNERAL PYRE zusammengebracht hat, ist unsere Liebe für Black und Death Metal, nichts Anderes.

Ich selbst war vor „Wounds“ mit TFP nicht vertraut, habe mich angesichts einer so starken Scheibe aber gleich mal mit Eurem älteren Zeug befasst. OK, zugegeben, nicht mit allem, ich bin bloß bis zum vorigen Album „The Nature Of Betrayal“ gekommen. Aber wenn ich mir das so anhöre, muss ich den Rest wirklich nicht kennen. Die Scheibe wird von dominanten Keyboards mehr oder weniger ruiniert, drücken die das Ganze doch in die totgedudelte „Symphonic“-Ecke und verderben sogar die paar guten Ideen, die sich unter all dem Geklimper dennoch befinden. Wodurch ist Euch bewusst geworden, dass Keyboards nicht unbedingt Euer Ding sind? Bitte sag jetzt nicht, dass es in Zukunft eventuell doch wieder Tastenunterstützung geben könnte.

Deine Kritik an unserem älteren Zeug kann ich gut verstehen. Auch deshalb haben wir uns entschieden, in Zukunft auf Keys zu verzichten. Während der Aufnahmen zu unseren letzten Scheibe kamen wir irgendwie alle zu dem Schluss, dass es auf dem folgenden Album keine Keyboards mehr geben würde. Es funktionierte einfach nicht richtig. Außerdem hat der Black Metal, den wir alle mögen, keine Keys. Deshalb entschieden wir, dass das Ende der Tasterei das Beste für die Band wäre. In Zukunft, da bin ich mir ziemlich sicher, wird es bei uns keine Keyboards mehr geben. Das war wohl einfach nur eine Phase, aus der wir offensichtlich rausgewachsen sind. Ich denke, der Hauptgrund für die Abwesenheit von Keys auf „Wounds“ ist einfach, dass wir die Riffs potenter haben wollten. In einem ordentlichen Riff steckt einfach mehr Gefühl, als man mit Keyboards vermitteln kann. Bands wie DAWN haben nur mit Gitarren so wunderschöne Musik erschaffen, und das wollen wir auch. Genau daran arbeiten wir.

Wenn man ganz ehrlich ist, so muss man sagen, dass es auf „Wounds“ im Prinzip nicht viel zu hören gibt, was nicht auch schon vor mehr als zehn Jahren in Schweden gemacht wurde. Trotzdem klingt das Album frisch und unverbraucht, zwischen all den anderen Veröffentlichungen heutzutage sogar eigenständig, fast möchte man sagen: originell. Was denkst Du, woran das liegt, ist Euer Songwriting so überragend, oder der Stil einfach so zeitlos?

Ja, diese Art Musik gibt es in Schweden seit Ewigkeiten, aber wir wollten halt etwas wiedererschaffen, das wir mehr als alles Andere genießen. „The Somberlain“ oder „Slaughtersun“ zu hören, inspiriert uns, diese Art von Musik zu machen. Originalität ist heutzutage ein totes Konzept. Nichts kann originell sein, außer vielleicht ENSLAVED. Aber die Vorstellung, den Bands nachzueifern, die man liebt, und ihre Musik zu unserer zu machen, darum geht es uns. Das ist für uns und unsere Musik am wichtigsten. Einen Stil zu spielen, mit dem Leute etwas anfangen können, die AT THE GATES oder DISSECTION mögen. Aber eben so, dass man dennoch UNS in der Musik hören kann, dass da was Eigenes ist. Natürlich ist dieser schwedische Stil auch schlicht zeitlos, er wird immer meine Lieblingsspielart im BM sein. Lieder in diesem Stil zu schreiben, wird nie langweilig, es ist immer wieder eine Herausforderung, bessere Riffs zu erschaffen, ganz davon abgesehen, sich einfach als Musiker immer wieder zu fordern und weiterzuentwickeln.

Da wir nun schon die ganze Zeit von Schweden reden, erzähl doch mal, welche Bands Deiner Meinung nach THE FUNERAL PYRE und „Wounds“ im Speziellen am meisten beeinflusst haben.

Nun, die wichtigsten Vertreter sind ja schon aufgetaucht: DAWN, DISSECTION, GLORIOR BELLI, AT THE GATES, DISMEMBER, ENTOMBED, EUCHARIST, NECROPHOBIC, ENDSTILLE, ENSLAVED, um mal ein paar zu nennen. Auch NACHTMYSTIUM und LEVIATHAN könnte man noch nennen. Und dann noch eine ganze Reihe Bands, die mit Black Metal nicht sonderlich viel zu tun haben, etwa MY BLOODY VALENTINE, TORCHE, BORIS, GO IT ALONE, EMBERS, CURSED, ERROR, PULLING TEETH, OAKHELM und viele, viele andere.

Wenn man Eurem Blog Glauben schenken kann, seid Ihr gerade auf Tour und spielt mit sehr unterschiedlichen Bands, was sich wohl auch auf die Zusammensetzung des Publikum auswirken dürfte. Was habt Ihr unterwegs für Erfahrungen gemacht, bei welcher Art Publikum kommt Eure Musik am besten an?

Nun, wir spielen gerne mit Bands, die das Paket wirklich bereichern. Wenn dadurch ein bunt gemischtes Publikum angezogen wird, so ist das für uns Motivation, eine noch bessere Show zu liefern, um auch eher genrefernen Hörern etwas zu bieten. Wir könnten natürlich die ganze Zeit nur mit Black-Metal-Bands auftreten, aber das wird ja irgendwann langweilig. Wenn man sich eine Anhängerschaft erspielen kann, die Black-Metal-Hörer, Punks, Todesmetaller und was weiß ich nicht umfasst, dann braucht man mit den Gigs nicht so wählerisch sein. Uns macht es Spaß, mit Bands quer durch das gesamte Metal-Sortiment zu spielen. Die besten Konzerte sind aber komischerweise immer irgendwelche Punk/Crust-Sachen. Diese Leute mögen uns irgendwie mehr als der durchschnittliche Metaller. Warum das so ist, weiß ich auch nicht. Prinzipiell treten wir einfach gern auf, ganz egal, was für ein Publikum wir haben. Gerade auf dieser Tour haben wir mit sehr verschiedenen Bands gespielt, da war Nu Metal dabei, Punk und eine ganze Menge Death Metal.

Wo wir schon beim Touren sind… werdet Ihr es demnächst auch mal nach Europa schaffen? Euer Label Prosthetic Records macht ja für den Außenstehenden einen hinreichend großen Eindruck. Besteht also Hoffnung? Ich könnte mir Euch sehr gut zusammen mit Euren Stallgefährten von WITHERED (die Amis, nicht die Isländer. -Ed.) vorstellen, die sind musikalisch nicht mal übermäßig weit von Euch entfernt, wenn auch viel stärker im schwedischen Old-School-Death verwurzelt. (Und außerdem bringen die demnächst ein supermegageiles Album raus, nur mal so am Rande -Ed.)

Ich hoffe sehr, dass wir es bald über den Großen Teich schaffen. Das ist etwas, was die ganze Band wirklich will. Wir haben eine Menge in den Staaten gespielt, und es ist höchste Zeit, den nächsten Schritt zu wagen. Ich denke, Prosthetic Records würden uns durchaus angemessen unterstützen, wenn das Gesamtpaket stimmt. Natürlich muss sich das Ganze am Ende auch rechnen, das ist ja klar.

Eine Tour mit WITHERED wäre großartig! Wir lieben die Jungs und sind auch mit ihnen befreundet, daher können wir nur hoffen, dass das irgendwann mal klappt. Unsere Stile unterscheiden sich etwas voneinander, aber wir würden definitiv gut zusammmen passen. Nicht zuletzt deswegen haben wir jetzt auch schon ein paar Jahre versucht, mit den Jungs was auf die Beine zu stellen. Nun, wie dem auch sei, wenn die Kritiker gnädig sind und sich eine gute Tour anbietet, dann könnten wir im Gefolge von „Wounds“ durchaus nach Europa kommen.

Wie ich gerade sagte, ist Prosthetic Records nicht das kleinste Label unter der Sonne, was natürlich auch die Frage aufwirft, wie groß Ihr mit THE FUNERAL PYRE eigentlich werden wollt. Was erwartet Ihr von „Wounds“, und wie stellt Ihr Euch die zukunft der Band vor?

Um ganz ehrlich zu sein, weiß ich nicht so genau, wie viel wir mit TFP reißen können. Unser Ziel ist einfach nur, zu touren und aufzutreten und Alben aufzunehmen, auf die wir verdammt stolz sein können. Mit der Band haben wir keinen Masterplan, wir schauen halt immer, was der nächste Tag bringt. Und bisher hat das auch ganz gut funktioniert.

Was „Wounds“ angeht, so würde ich es gern sehen, dass die Leute das Album als Gesamtheit hören, nicht als lose Ansammlung von Songs, was heute ja leider die Regel ist. Die Platte vermittelt als Ganzes eine bestimmte Atmosphäre, und die ist das Wichtigste. Dieser Ansatz, Musik zu machen, ist auch unsere Zukunft als Band. Lieder zu schreiben, die eher ein spezielles Gefühl vermitteln, anstatt sich auf Songstrukturen oder Gitarrensoli zu konzentrieren. Ich denke, das macht unsere Musik vielleicht ein kleines bisschen anders als den ganzen Rest. Für die Zukunft also hoffen wir, dass sich unsere Alben weiter in diese Richtung entwickeln.

Der endlose kalifornische Sonnenschein und Metal sind eine eigenartige Kombination. Dennoch kommt aus Kalifornien seit Jahrzehnten hochwertiger Metal, im Untergrund genauso wie im Mainstream. Kannst Du mir als Kalifornier verraten, was Euren Bundesstaat so fruchtbar macht? Inwieweit hat sich Eure Umwelt auf TFP ausgewirkt? Würdet Ihr genauso klingen, wenn Ihr aus bspw. Kentucky wäret?

Ich bin mir nicht ganz sicher… aber ich weiß zum Beispiel, dass die Konkurrenz zwischen den Bands ziemlich hart ist. Natürlich scheint hier die ganze Zeit die Sonne und so, das heißt aber noch lange nicht, dass Leute in Kalifornien nicht die gleichen Emotionen entwickeln könnten wie Leute in Skandinavien. Das hängt alles sehr von der einzelnen Person ab. Eine Menge Leute hier sind tatsächlich die ganze Zeit happy und können die dunklere Seite des Lebens nicht sehen. Sie wollen einfach nicht. Sie sind ja nach Kalifornien gezogen, um dieser zu entfliehen und leben in einer imaginären Welt. Ich bin in Kalifornien aufgewachsen, ich bin an das leben hier gewöhnt, hier ist mein Zuhause. Zuhause, Heimat, das ist, was Gefühle verursacht und einen motiviert. Ganz egal, ob es Kentucky, Norwegen, Kanada oder Südamerika ist. Solange, wie es Aufruhr und Schmerz gibt, solange wird es auch Menschen geben, die dazu die passende Musik erschaffen.

Um nun wieder auf kalifornische Bands zurückzukommen… wie ich ja bereits gesagt habe, ist der Konkurrenzkampf um Gigs und dergleichen ziemlich hart. Man muss einfach härter arbeiten als andere Bands. Man muss sich ständig neu beweisen, weil die Szene sich dauernd verändert und weil Bands sich verändern und ständig neue geboren werden. Die Szene entwickelt sich so schnell, dass man sich wirklich anstrengen muss, um nicht in Vergessenheit zu geraten. Wir sind nicht mal in unserer Heimatstadt eine „große“ Band. Es gibt einfach zu viele Gruppen, zu viele Promoter, zu viele Konzerte. Alles ist komplett übersättigt und – ganz ehrlich – so langsam zerstört es die Szene. Nicht wenige Leute denken wahrscheinlich ähnlich von uns, aber damit können wir leben. Wir haben die letzten sechs Jahre unglaublich hart gearbeitet. Nicht aufgegeben, nicht nachgegeben. Die meisten Bands wollen mit ihrer Musik nur den schnellen Erfolg. Sie verstehen nicht, dass Musik auch eine bestimmte Einstellung verlangt.

Da mir langsam akzeptable Fragen ausgehen, will ich Dir die letzten Worte überlassen. Mach etwas Werbung für Euer Album, verrate den Lesern, wo sie es kaufen können, oder denke Dir etwas ganz Anderes aus. Danke für Deine Zeit und bis zum nächsten Mal!

Vielen Dank für das Interview und Deine positiven Worte zum Album. An die Leser: wenn Ihr ein bisschen Muße habt, hört doch mal in unser neues Album „Wounds“ rein. Das Teil kann man über www.prostheticrecords.com beziehen oder direkt von uns (www.myspace.com/thefuneralpyre) bekommen (Dank momentanem Dollarkurs halb geschenkt! -Ed.). Cheers!

16.06.2008

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