
Burning Q Festival 2026
Der große Bericht
Konzertbericht
Ende Juli lädt das Burning Q Festival in Freißenbüttel unweit von Bremen zum Tanz. Das sympathische kleine Festival hat sich im Laufe der Jahre einen Namen gemacht, sodass die Ausgaben seit einigen Jahren immer ausverkauft sind. Kein Wunder: Es gibt günstige Getränke, verflucht leckere Cocktails, kurze Laufwege, ein wunderbar kuratiertes Line-up mit namhaften Headlinern und spannenden Geheimtipps sowie ein stets freundliches Team. Wir waren vor Ort, um euch die Highlights der 2026er-Ausgabe nahezubringen.
Text: Jannik Kleemann (JK), Oliver Di Iorio (OD)
Burning Q 2026: Die besten Bands
Seit ein paar Jahren gehört der Donnerstag als Frühanreisetag zum Burning Q dazu, und abends spielen einige Bands in der Zeltstage. Zwei davon haben mächtig Eindruck hinterlassen: FROSTSHOCK ziehen einen mit ihrem intensiven Melo-Death, der auch ein, zwei Ausflüge in den Black Metal macht, in ihren Bann. Die fiesen Screams zusammen mit den melodischen und melancholischen Leadgitarren ergeben ein mächtiges Gesamtbild. Diese Gruppe sollte man im Auge behalten! (JK)
Tributebands sind immer so eine Sache. Gerade wenn es die Originalband noch gibt, stellt sich die Frage nach dem Sinn. Bei FOR VICTORY muss man sich jedoch bedanken, dass sie den Sound von BOLT THROWER am Leben erhalten. Die Band macht ihren Job zudem so gut, dass man bei geschlossenen Augen den Unterschied kaum wahrnimmt.
Heute Abend headlinen sie das Zelt und bieten eine 75-minütige Zeitreise durch die Diskografie der britischen Legende. Die Zeltstage kocht, und als die Männer fertig sind, hinterlassen sie nur verbrannte Erde – wie das Original eben. Dabei sind die Musiker hochsympathisch und gehen offen damit um, Songs „nur“ nachzuspielen. Trotzdem gehört der Gig zu den absoluten Highlights des Burning Q Festivals 2026. (JK)
Der Freitag mit IMMOLATION und GRAVE DIGGER
Während die meisten Besucher:innen des Festivals noch frühstücken oder im nahe gelegenen Vereinsheim das Buffet genießen, zeigen TRAKTAT auf der Zeltbühne eine hingebungsvolle Performance. Die Musik ist schlicht mit DSBM zu bezeichnen, der Sound bleibt dabei leider auf LoFi-Niveau. Warum wir das Set dennoch feiern: Die Musiker zeigen eine große ANTIFA-Flagge. Gerade in diesem Genre, das oftmals durch die Grauzone mäandert und nicht nur daran vorbeihuscht, ist es wichtig, ein Statement zu setzen. (OD)
Dank der leckeren „Burning Kuh“-Cocktails, St. Hubertus Tropfen und dem ein oder anderen Cider und Bier dauert es einen Moment, die Kadaver am Freitag wieder auf Betriebstemperatur zu bringen. Zu ENDSEEKER zu gehen, ist dennoch Pflicht. Die wohl beste deutsche Schwedentod-Band löst sich leider Ende des Jahres auf, und wir nehmen noch so viele Gigs wie möglich mit. Dass es kein fehlendes Können oder Unlust ist, demonstrieren die Hamburger eindrucksvoll und geben am Nachmittag eine Lehrstunde in Sachen HM2-Death-Metal zwischen Gore und vernünftigen politischen Botschaften. (JK)
AMBUSH haben schon auf dem Rock Hard Festival dieses Jahr überzeugt und zeigen auch auf dem Burning Q, dass sie ihre Spielfreude auf 200 Prozent gedreht haben. (JK)
Nach einer bockstarken Pizza (Napoli-Style!) drängen wir uns vor der Hauptbühne und werden von einem satten Death-Metal-Brett der ultra-blasphemischen IMMOLATION plattgemacht. Der Sound ist druckvoll, die Songs sowieso dicht arrangiert, und die Posen von Gitarrist Robert Vigna bleiben eine Mischung aus Coolness und Comedy. (OD)
Der Headliner heute Abend ist GRAVE DIGGER. Die Band um Chris Boltendahl geht stramm auf 50 Jahre Bandgeschichte zu und liefert anlässlich des 30. Geburtstags von „Tunes Of War“ ein Set, das sich stark auf das Album und seine Geschwister „Knights Of The Cross“ und „Excalibur“ konzentriert. Dementsprechend hoch ist die Hitdichte, der Sound stimmt, und Boltendahl ist bestens aufgelegt. Der Gig heute Abend ist der beste GRAVE-DIGGER-Auftritt seit Langem. (JK)
Nachdem GRAVE DIGGER nicht alle überzeugt haben, bleibt Kollege Kleemann lieber auf dem Camp, während im Zelt die Dänen von SUNKEN ein intensives Potpourri aus Atmosphäre und Verzweiflung servieren. Wir fühlen uns bestens unterhalten und gleichzeitig nicht wirklich wohl in unserer Haut. Ein Zustand, der bei SUNKEN normal ist. (OD)
Den letzten Slot auf der Mainstage spielen am Freitag LAMP OF MURMUUR, die zwar wunderbar die Dunkelheit besingen, aber nach dem tiefsitzenden SUNKEN-Konzert bleibt das Publikum hüftsteif, und wir verabschieden uns ein paar Minuten früher. (OD)
Den Abschluss bilden RIOT CITY aus Calgary, und allein der Soundcheck ist an Coolness kaum zu überbieten. Anstatt die Instrumente noch einmal durchzustimmen, sorgen die Musiker lieber dafür, dass eine Bierkiste am Bühnenrand platziert wird und für alle Beteiligten drei geöffnete Flaschen am jeweiligen Arbeitsplatz drapiert werden. Die Show ist anschließend das pure Vergnügen, und wir lassen uns unwillkürlich mitreißen. So muss Heavy Metal klingen und aussehen. Die Band lässt sich von einem Curfew und anderem Ungemach den Abend nicht verderben und ist kaum von der Bühne zu bekommen. Großartig! (OD)
Samstag auf dem Burning Q mit KNIFE und THE HAUNTED
Am Samstag prügeln uns spätestens KNIFE mit ihrem thrashigen Speed Metal die Müdigkeit aus den Knochen. Die Gruppe feilt gerade am nächsten Longplayer und gibt daraus einen Vorgeschmack. Der flinke Auftritt sollte ausreichen, um insbesondere bei Fronter Vince Nihil den Schrittzähler vollzumachen und den müden Körper zu resetten. (JK)
NAILED TO OBSCURITY funktionieren in einer anderen Umgebung möglicherweise besser, aber trotz Tageslicht und warmer Temperaturen hinterlassen die Ostfriesen mit ihrem melodischen Death Metal eine gute Visitenkarte. Dass die Männer außerdem zu 100 Prozent aus sympathischen Menschen bestehen, die ohne aufgezwungene Coolness-Allüren auskommen, macht es uns noch leichter, den Gig in voller Länge zu genießen. (OD)
Später tritt mit ATLANTEAN KODEX eine der angesagtesten Bands aus der musikalischen Mittelschicht Deutschlands auf. Natürlich ist die Performance der Bayern pathetisch, aber norddeutschen Verhältnissen angemessen auch kühl und für sich selbst sprechend. Die Band setzt sich aus gestandenen Musiker:innen zusammen, denen live weder ein Fehler unterläuft noch ein Kontrollverlust zu befürchten wäre. Dennoch bleibt das Publikum – wie an allen Festivaltagen – leider unterzuckert. (OD)
THE HAUNTED sind mit „Songs Of Last Resort“ unterwegs, liefern aber ein starkes Best-of-Set ab, das vom Debüt bis zur aktuellen Platte alle Schaffensperioden abdeckt. Spätestens jetzt geht’s rund, und bei „D.O.A.“ fliegen die Haare zum Stakkato-Takt. Schade, dass das Festival danach schon auf die Zielgerade geht. (JK)
Zunächst spazieren wir die etwas mehr als zehn Meter über das Infield und gleiten ins Zelt. Auf der kleinen Bühne zaubern gerade die griechischen Black-Metal-Götter LUCIFER’S CHILD eine magische Atmosphäre. Dass George Emmanuel (ROTTING CHRIST) Drahtzieher der Band ist, sollte mittlerweile auch über die Genregrenzen hinaus bekannt sein. Von Vorurteilen, die Band würde keine eigene Handschrift besitzen, lassen sich die Musiker aber nicht beeindrucken (und nein – sie klingen nicht im Ansatz wie die „großen Brüder“) und machen die Zeltbühne zu einem Hexenkessel. Generell sind die Festival-Besucher:innen während der Shows auf der kleinen Bühne deutlich bewegungsfreudiger als im Freien. (OD)
Zu einem absoluten Festival-Höhepunkt schwillt der letzte Gig auf der Mainstage an. SPECTRAL WOUND haben uns in der Vergangenheit noch nie enttäuscht, wenn sie auf der Bühne standen. Heute ist der Auftritt aber noch dynamischer, aufgekratzter und berührender. Die Franko-Kanadier bleiben ihrer Black-and-Roll-Attitüde treu, während die Musik fies und weitschweifend ist. Diese wilde Mischung aus Optik und Atmosphäre schindet Eindruck, und bei einigen gibt es endlich kein Halten mehr. (OD)
Das Liveprogramm schließen dann STEELPREACHER ab, die es auf der Zeltbühne aber nicht einfach haben. Drei intensive Festivaltage stecken den hartgesottensten Besucher:innen in den Knochen, die letztlich nur noch gute Miene zum bösen Spiel machen können. STEELPREACHER wirken dazu ebenfalls kraftlos, und wir sind bei aller Wehmut froh, als die Band uns nach dem letzten Song aus ihrem Heavy-Metal-Set in die Nacht entlässt.
Das Burning Q 2026 wird mit einer Feuershow zu Grabe getragen, die beeindruckende Artistik bietet. Doch während noch die Funken sprühen und ein großes Q in Flammen entfacht wird, machen wir uns auf den fünfminütigen „Heimweg“ zum metal.de-Camp. (OD)
Abseits der Musik – was gefiel noch?
Das Burning Q Festival ist schon immer mehr als nur Musik gewesen. Das fängt bei der unkomplizierten Anreise an. Man fährt entspannt auf den Campground, sagt den Ordnern, wo die bereits angekommenen Freunde campen, und packt gemütlich aus, bevor man die Karre auf den nahe gelegenen Parkplatz bringt.
Apropos Ordner: Alle Anwesenden sind so unglaublich freundlich, dass man sich fragt, was man in Freißenbüttel in den Kaffee schüttet. Keiner zieht eine miese Schnute oder ist schlecht drauf, alle grinsen und haben Bock. Dabei wird hier kaum jemand bezahlt – das Festival stemmen hauptsächlich Ehrenamtler.
Wenn man sein Zelt aufgebaut hat, kann man gemütlich etwas trinken gehen und hat die Auswahl zwischen Bier, Longdrinks und den berühmt-berüchtigten Cocktails. Für acht Euro bekommt man einen 0,4-Liter-Cocktail, der tüchtig scheppert, aber trotzdem schmeckt. Unser Geheimtipp ist der „Burning Kuh“ – da bekommt man durch den vielen Saft gleich noch ein paar Vitamine.
Wer mal entspannt sitzen will, kann sich ins nebenan gelegene Vereinsheim setzen und dort ein Getränk oder fünf einnehmen. Die Auswahl ist zwar typisch dörflich – Bier, Korn, Wasser – aber in Ordnung. Wir feierten dort den Geburtstag eines lang geschätzten, halb ehemaligen Redaktionsmitglieds.
Das Burning Q Festival hat keine negativen Seiten. Das Festival hat sich tief in unserem Herzen verankert, und solange es nicht abgesagt wird, werden wir auch in den Folgejahren wieder zu Gast sein – und freuen uns schon jetzt darauf. (JK)
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metal.de Redaktion 
































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