A River Crossing - Forsaken

Review

Ist dies die perfekte Zeit für leichtfüßigen Post-Rock? Der Frühling will nicht so richtig in Gang kommen, es gibt wenige soziale Kontakte, Partys und Konzerte sind ohnehin tabu. Viele Menschen entdecken gerade das Spazierengehen in der Natur für sich. Was könnte da als Soundtrack besser passen als flirrende Gitarren, die die wenigen Sonnenstrahlen, die sich gerade ihren Weg durch die Wolkendecke bahnen stimmig vertonen? Gute Voraussetzungen also für A RIVER CROSSING mit ihrem dritten Album „Forsaken“. Die vier Schweizer, die bislang ein wenig unter dem allgemeinen Radar liefen, gehen es dabei durchaus variabel an und streifen dabei auch Genres wie Indie-Rock und sogar Pop.

A RIVER CROSSING – Leicht verdaulich?

Letzteres gilt auch direkt für den Opener „Ashes“. Nicht nur der Gesang von Felix Baumann schielt hier ein wenig in Richtung (Indie-) Pop, auch die sanften weiblichen Gast-Vocals einer leider nicht näher benannten Sängerin unterstützen das wohlig-warme Gefühl der Nummer, die fast schon ein wenig zuckrig wirkt. Der stets vorhandene melancholische Unterton sorgt aber dafür, dass die Kitsch-Grenze zwar angekratzt, aber eben nur leicht touchiert wird. Die entrückten Gitarren im letzten Drittel sorgen ebenfalls dafür, dass „Ashes“ nicht allzu leicht verdaulich wird, werten den Song gar erheblich auf.

„Hidden“ könnte zu Beginn fast von LONG DISTANCE CALLING stammen. Nicht nur sind hier einige stilistische Ähnlichkeiten vorhanden, die Nummer kommt auch ganze fünf (von sechseinhalb) Minuten ohne jeglichen Gesang aus. Mutig, diesen eher untypischen Song als erste Single auszukoppeln. Hier zeigen sich A RIVER CROSSING nämlich auch von ihrer durchaus progressiven, shoegazigen Seite, die allerdings – so ehrlich muss man sein – auch nicht unbedingt super eigenständig klingt. Gerade der instrumentale Teil klingt nach Formationen wie DISTANT DREAM oder den zugänglicheren Songs von RUSSIAN CIRCLES. Alleinstellungsmerkmal ist hier erneut klar der ein wenig an die FOO FIGHTERS erinnernde Gesang.

Während „Torn“ zunächst ein wenig zu locker dahinplätschert, nimmt seine Dramatik zum Ende immer weiter zu und kulminiert in einem durchaus hörenswerten Finale, bevor die Unbeschwertheit des Beginns am Ende den Kreis schließt. „Death“ ist zwar nicht das harte Brett, das man bei diesem Namen erwarten könnte, dennoch die düsterste Nummer, in der sowohl Gesang als auch die hier fast schon doomige Gitarrenbegleitung einige bis dahin nicht gehörte melancholische Klänge anschlagen. Mit seinem lockeren Indie-Drive kann das kurzweilige „Spines“ diesen Knoten direkt wieder lösen, bevor es am Anfang von „Tar“ noch einmal düster-bedrohlich wird. Leider gelingt es dem Song insgesamt aber nicht, noch einmal alle Elemente zu vereinen und einen dramatischen Schlusspunkt zu setzen, vielmehr bleibt er mit dem Prädikat „eher durchschnittlich“ nicht wirklich im Gedächtnis.

Entspannter Frühlings-Soundtrack – „Forsaken“

„Forsaken“ ist ein gut produziertes, wenn auch sehr glattes Album geworden, was aber zumindest bei dieser Variation des Post-Rock wohl ein wenig in der Natur der Sache liegt. Während ein Großteil des Materials eher Post-Rock-Stangenware ist – wenn auch gut gespielt und gekonnt in Szene gesetzt – können A RIVER CROSSING vor allem mit dem durchaus variablen Gesang von Felix Baumann Ausrufezeichen setzen. Er schlägt die Brücke zum Indie-Rock – eine zwar naheliegende aber immerhin nicht allzu alltägliche Kombination.

Vielen dürfte der Post-Rock der Schweizer vermutlich zu soft, zu poppig sein, es lohnt sich aber durchaus sich ein wenig darauf einzulassen. Dabei entfaltet sich zwar nicht unbedingt die außergewöhnlichste Post-Rock-Platte des Jahres, aber in jedem Fall ein entspannter Soundtrack für laue Frühlingstage, der in dieser traurigen Zeit wenigstens für ein paar Minuten ein wenig Leichtigkeit zurückbringt.

19.04.2021

Time doesn't heal - it only makes you forget.

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