Black Sabbath - Black Sabbath (Deluxe Edition)

Review

Mein Kollege Eckart hat es in seiner Rezension ihres „Greatest Hits“-Albums schon ganz richtig gesagt: wer von sich behauptet, etwas mit irgendeiner Form des Metal zu tun zu haben, für den sind eigentlich alle BLACK SABBATH-Alben ein Pflichtprogramm. Sozusagen das Basiswissen, um in jedem hochpromilligen Insidergespräch auf Konzerten, Festivals und Foren bestehen zu können.

Was man über BLACK SABBATHs selbstbetiteltes Debutalbum wissen muss? Unter anderem, dass es der Inbegriff und Startpunkt vermutlich gleich mehrerer Subgenres der Rockmusik ist. Eines der ersten Alben, das die Bezeichnung „Heavy Metal“ verdient, aber auch dem Doom Metal seine bleierne, kriechende Bösartigkeit geschenkt und dem Stoner Rock seine Verkifftheit auferlegt hat. Vermutlich stammt die Vorliebe des Gothic Metals/Rocks für efeubewachsene englische Landgüter und schummrige Friedhöfe vom Cover von „Black Sabbath“, das auch nach 40 Jahren noch eine schwer zu beschreibende Faszination ausübt. Die portraitierte Dame, die so seltsam zeitlos und weltfremd scheint, schaut den Betrachter aus jedem Blickwinkel an, als wolle sie ihn direkt in das Gemälde hereinlocken.

So funktioniert auch das eigentliche Album, das durch den Titelsong und mit einem der berühmtesten Intros der Rockgeschichte beginnt: strömender Gewitterregen und eine ferne Kirchenglocke läuten eine knapp vierzigminütige Messe ein, in der drei noch ziemlich unbeleckte Birminghamer Musiker die Priester und ein ehemaliger Schlachthof-Arbeiter den Prediger spielen. Es ist gar nicht zu ermessen, wie viele ahnungslose Hörer das dann folgende Riff schon in den Metalwahnsinn gelockt hat.
„Black Sabbath“ klingt nicht deshalb so bedrückend und bleiern unheimlich, weil die vier Bandmitglieder eine schwarze Seele besessen hätten. Ganz im Gegenteil, wie sie heute offen zugeben: die stilistische Ausrichtung der Platte beruht auf dem Kalkül, dass Menschen von Unheimlichem und Mysteriösem angezogen werden. Und: BLACK SABBATH haben niemals den Teufel angebetet, sondern vor genau dieser Versuchung gewarnt. Freilich hat es ihrem Erfolg keinen Abbruch getan, dass sie so missverstanden wurden.

„Black Sabbath“ ist allerdings nicht nur schleppend und düster wie im Titelsong oder in „N.I.B.“, sondern durchaus noch durchzogen von einem Rest von Blues-Vibe und dem typischen Rock der späten 60er, wie ihn auch DEEP PUPRLE oder JETHRO TULL gespielt haben. Das durch die Mundharmonika geprägte „The Wizard“ legt Zeugnis davon ab, ebenso „Behind The Wall Of Sleep“. Fast folkig-progressiv ist „Sleeping Village“, das durch Tony Iommis lange Leadgitarreneinsätze glänzt.

Dass es eine vollkommen selbstverständliche Sache war, nicht nur eigenes Material auf einem Album zu verwenden, zeigen die beiden Coverversionen (!) „Evil Woman“ und „Warning“, die sich allerdings nahtlos in den bandeigenen Sound eingefügt haben. Überhaupt ist das Album getragen von einem Livefeeling, das modernen Studioproduktionen schlicht abgehen muss – auch das Resultat der damaligen Zeit, in der Studiozeit enorm teuer und die Fähigkeiten der von hunderten von Konzerten perfekt eingespieltne Bands enorm groß waren. Dass dieses Album in 12 Stunden live aufgenommen wurde, ist heute deshalb eine Legende, weil 2009 Bands in dieser Zeit gerade einmal ihr Drumkit im Studio aufgebaut haben. Wie sich anhand der Bonus-CD zeigt, war trotzdem noch genug Zeit für Outtakes und alternative Instrumentalversionen, die aus heutiger Sicht durchaus interessant und qualitativ nicht schlecht wirken.

Wie bei allen anderen Re-Releases stellt sich auch bei der von „Black Sabbath“ die Frage, ob sie den Kauf lohnt. Wer das Album nicht besitzt, erhält auf jeden Fall ein sensationelles Booklet mit einem lesenswerten Essay, ein hübsches Digipack und eine mit Fingerspitzengefühl sehr gut remasterte Version dieses Klassikers, die ihr Geld wert ist. So oder so kann man einem Album mit einem derart weitreichenden Einfluss und einer so unbestrittenen Güte nichts falsch machen, wenn man es kauft.

23.07.2009
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