Black Sabbath - Technical Ecstasy (Super Deluxe Edition)

Review

Ein ganz schön dickes Paket haben da BMG geschnürt. Das siebte Studioalbum “Technical Ecstasy” von BLACK SABBATH erscheint, pünktlich zum 45jährigen (!) Jubiläum, als Wiederveröffentlichung in der Deluxe Edition in Form einer Box, wahlweise als 4-CD oder 5-LP Version. Für den schmaleren Geldbeutel gibt es das remasterte Studioalbum digital als Download und über die bekannten Streaming Dienste.

Die Vollausstattung von “Technical Ecstasy”

Die erste Platte enthält das Originalalbum von 1976 in neu gemasterter Version. Die zweite Version von “Technical Ecstasy” wurde anhand alter Analogtapes von Steve Wilson neu gemischt. Auf der dritten Platte finden wir Outtakes und Alternative-Mixes, während die vierte einen bisher unveröffentlichten Live-Mitschnitt von der Live World-Tour 1976-1977 bietet. Dazu ein ausführliches Booklet mit Liner Notes, Memorabilia und Fotos aus der Zeit und eine Replika des 1976-1977 Welt Tour Konzert Buches und Poster. Zumindest in Sachen Umfang eine musikhistorisch wertvolle Vollbedienung für alle Anhänger von BLACK SABBATH.

Zurück in die Vergangenheit

Im Juli 1975 erschien “Sabotage”, das teuerste Album von BLACK SABBATH. Ozzy Osbourne, Geezer Butler, Tony Iommi und Bill Ward benötigten ungewöhnlich lange für die Aufnahmen und arbeiteten dabei mit dem London Philharmonic Orchestra zusammen. BLACK SABBATH erhielten von der Plattenfirma trotz aufwändigerer Produktion weniger Geld für die Promotion, wodurch diese sich sabotiert sah und so auf den Albumtitel kam. Die Konflikte innerhalb der Band, insbesondere zwischen Ozzy und Tony, nahmen immer stärker zu. Die Entfernung voneinander betraf auch die musikalische Ausrichtung der Band. BLACK SABBATH nahmen das Management selbst in die Hand. Nach der Welttour zu “Sabotage”, auf welcher Live nun auch Keyboards Verwendung fanden, ging es im Juni 1976 in die Criteria Studios in Miama, um “Technical Ecstasy” aufzunehmen, das am 25. September 1976 veröffentlicht wurde. In Gerald Woodruffe wurde zusätzlich ein Keyboarder engagiert, welcher BLACK SABBATH zu modernerem und songdienlichem Sound verhelfen sollte.

Das Album “Technical Ecstasy”

“Technical Ecstasy” unterscheidet sich stilistisch recht deutlich von den ersten sechs Alben von BLACK SABBATH. Keyboards und Synthesizer gab es auch schon bei vorherigen Alben, bei “Technical Ecstasy” fanden diese aber deutlich stärker Verwendung. Bei vielen Songs ist die Stimme von Ozzy erschreckend dünn und kraftlos, ein Zeichen der schwierigen Zeit uns sicherlich auch des Alkohol- und Drogenkonsums.

Der Opener “Back Street Kids” ist noch recht hart mit starken Riffs und im Uptempo gehalten, die Bridge mit fulminantem Synthesizer aber recht ungewöhnlich für die Truppe aus Birmingham. Das starke “You Won’t Change Me” ist schwermütig und lebt vom Zusammenspiel aus schwerer Gitarre und Orgelsounds. Mit der austauschbaren Ballade “It’s Alright” (nein, absolut nicht) wird es dann aber echt übel, was nicht nur am Leadgesang von Bill Ward liegt. “Gypsy” wirkt einerseits progressiv, andererseits war damals schon das Thema Zigeunersong abgedroschen. Im funky “All Moving Parts (Stand Still)” fallen insbesondere die damals topmodernen Keyboardsounds auf. So richtig hilft der “Rock’n’Roll Doctor” auch nicht, wobei der bluesige Hard Rock feine Gitarrenarbeit von Meister Iommi sowie vergleichsweise kräftigen Gesang von Ozzy enthält. Es folgen noch die tieftraurige, schwebende Ballade “She’s Gone” und das abschließende, krachende “Dirty Women” mit seinem auslaufenden Gitarrensolo, das Stück lässt Iommi viel Freiraum für sein Gitarrenspiel. “Technical Ecstasy” enthält einige starke Stücke, aber kann das Niveau der Vorgänger nicht mehr halten. Zu experimentell, zu weit weg vom ursprünglichen düsteren Stil, zu zerfahren. Aber nicht uninteressant. BLACK SABBATH mitten in der Findungsphase. Damals wurde es größtenteils von Fans und Fachpresse zerrissen. Das Remaster klingt lauter, runder und fetter.

Die Draufgabe

Steven Wilson hat sich “Technical Ecstasy” angenommen und anhand alter Analogtapes das Album komplett neu gemischt. Hat der gute Mann ja auch schon bei den JETHRO TULL Re-Releases gemacht. Klingt auf jeden Fall zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, minimal detailreicher, aber auch zu höhenlastig. Auf der dritten Platte finden sich die Outtakes und Alternative-Mixes, und hier zeigen sich BLACK SABBATH noch experimenteller als auf dem Originalalbum. Da erklingen zum Beispiel ein Honky Tonk Piano in “You Won’t Change Me” und eine Blues Harp in “All Moving Parts (Stand Still)”, gerade bei letzterem denkt man in dieser Version häufig an die ROLLING STONES. Oder “She’s Gone” als Instrumental-Version. Abgerundet wird “Technical Ecstasy (Super Deluxe Edition)” mit einem bisher unveröffentlichten Live-Mitschnitt der Welt-Tournee 1976/1977. Hier finden mit  “Gypsy”, “Dirty Women” und in “All Moving Parts (Stand Still)” gleich drei Songs vom Studioalbum Verwendung, neben Klassikern wie in “Snowblind”, “Black Sabbath” und “Children Of The Grave”. Die gesamte Band, also auch Ozzy, liefern eine gute Leistung ab, der Sound ist ebenfalls gut.

Fazit

Auch wenn “Technical Ecstasy” nicht zu den großen Meilensteinen von BLACK SABBATH, die in einer schwierigen Phase steckten, zählt, ist das Album dennoch wichtig und aus der Bandgeschichte der Heavy Metal Erfinder nicht wegzudenken. Die Box ist sehr schön gestaltet und äußerst umfangreich, für Fans ist insbesondere die Live-Platte sehr interessant.

Cover Artwork von Black Sabbath “Technical Ecstasy (Super Deluxe Edition)” ausgepackt

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30.09.2021

Geschäftsführender Redakteur (News-Leitung)

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